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20.03.26 11:54
Fed: Verdammt zur Tatenlosigkeit

London (www.anleihencheck.de) - Die jüngste Sitzung der Fed macht deutlich: Die Unsicherheiten aufgrund des Nahost-Konflikts erschwert die Entscheidungsfindung der US-Währungshüter - und könnte die Zinsen sogar dauerhaft auf dem aktuellen Niveau halten, so Eric Winograd von AllianceBernstein.

Dennoch rechne Eric Winograd, Chief US Economist bei AllianceBernstein, mittelfristig mit Zinssenkungen von insgesamt 50 Basispunkten - auch wenn der Zeitpunkt noch unsicher sei. Welche Szenarien er rund um die geldpolitische Entwicklung sehe - und welche Folgen die Ungewissheit hinsichtlich des zukünftigen Fed-Vorsitzenden mit sich bringe, ordne er in folgendem Kommentar ein.

Dass die Fed bei ihrer Sitzung in dieser Woche den Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75% belassen würde, sei keine große Überraschung gewesen. Bemerkenswerter sei gewesen, dass das Komitee mit deutlicher Untertreibung festgestellt habe, dass die Auswirkungen des Krieges im Iran auf die Wirtschaft "ungewiss" seien. Angesichts der bestehenden Unsicherheit sei es sicherlich nicht sinnvoll, allzu viel in die übrigen Daten hineinzuinterpretieren, die der Ausschuss bei seiner Sitzung vorgelegt habe. Jede Prognose für Wachstum und Inflation müsse bestenfalls als vorläufig angesehen werden, bis sich die Auswirkungen des Krieges bemerkbar machen würden. Auch Fed-Chef Jerome Powell habe diesen Punkt in seiner Pressekonferenz betont; Niemand könne wissen, wie sich der Ölschock auf die Weltwirtschaft auswirke. Konkret habe er jedoch angedeutet, dass die Fed sich gut aufgestellt sehe, um auf verschiedene Szenarien zu reagieren.

Wenn man die Analyse der Fed zur Wirtschaft als Basis betrachte, deute der wahrscheinliche Zinspfad mittelfristig auf schrittweise Zinssenkungen hin - etwa 50 Basispunkte in den nächsten 18 Monaten. Zwar betonten die US-Währungshüter, dass sie beide Seiten ihres Mandats im Blick behielten. Mit einer Zinserhöhung im Jahr 2026 rechne zum aktuellen Stand jedoch kein Mitglied des Komitees - und nur ein einziges gehe von einem Schritt nach oben in 2027 aus. Die Frage sei, ob und in welchem Umfang es zu Lockerungen kommen werde. Fed-Chef Powell habe angedeutet, dass die entscheidende Variable auf kurze Sicht - abgesehen von den potenziellen Auswirkungen des Ölpreisschocks - die Entwicklung der Kerninflation sei. Hier rechne die Fed mit einer Verlangsamung, sobald die Zölle aus der Berechnung herausfallen würden.

Sollte dies tatsächlich eintreten, müsse die Fed abwägen, ob sie den Ölpreisschock ignoriere und sich stattdessen auf die wahrscheinlichen Wachstumsverluste konzentriere. Aktuell stehe diese Frage jedoch längst nicht zur Debatte - zunächst müssten sich die Preise außerhalb des Ölsektors besser entwickeln. Anschließend müsse die Fed die Auswirkungen des Krieges auf die Wirtschaft bewerten. Erst dann mache es Sinn, über mögliche Reaktionen zu diskutieren. Zum aktuellen Stand müssten die Währungshüter tatenlos zusehen.

Angesichts der erheblichen Unsicherheit sei zu bezweifeln, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung im Mai ausreichend Vertrauen in ihre Prognosen habe, um die Zinsen anzupassen. Es müssten schon deutliche Anzeichen für einen Zusammenbruch des Arbeitsmarktes geben, um die Währungshüter zu einer Senkung zu bewegen. Und danach? Auch hier hänge die Entwicklung entscheidend davon ab, wie sich die Ölpreise entwickeln würden. Sollte der Krieg enden und sich die Preise auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren, könnte der Ausschuss durchaus wieder eine Lockerung der Geldpolitik einleiten.

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang durchaus Beachtung verdiene, sei, ob der nächste Schritt der Fed eher eine Zinserhöhung als eine Senkung sein könnte. Wie oben erwähnt, sehe dies aktuell nur eines der 19 Mitglieder des FOMC voraus, und zwar mit einer Erhöhung im Jahr 2027. Für eine Erhöhung müsste es jedoch deutliche Anzeichen dafür geben, dass die langfristige Inflationserwartung steige, oder sich eine anhaltende Phase beschleunigter Kerninflation ohne Abschwächung des Arbeitsmarktes andeute. Weitaus wahrscheinlicher sei, dass die Inflation zwar hartnäckig sei, sich aber seitwärts bewege, und das Wachstum stagniere; in diesem Fall sei davon auszugehen, dass die Fed die Zinsen langfristig unverändert lasse. Dennoch rechne Eric Winograd weiterhin mittelfristig mit Zinssenkungen von insgesamt 50 Basispunkten, wodurch der Leitzins auf 3,00 bis 3,25% sinken würde - das dürfte einer realistischen Schätzung des neutralen Zinsniveaus entsprechen. Wann ein solcher Schritt erfolgen könnte, sei aktuell noch ungewiss. Sicherlich würde jedoch ein anhaltender Krieg die Fed länger in Wartestellung halten.

Spannend dürfte zudem die Personalie um den neuen Fed-Vorsitz bleiben, nachdem Jerome Powells Amtszeit im Mai auslaufe. Bisher stehe die Bestätigung des designierten Vorsitzenden Kevin Warsh durch den Senat aus. Powell habe angedeutet, dass er, falls Warsh bis dahin noch nicht bestätigt sein sollte, vorübergehend im Amt bleibe - wie es das Gesetz vorsehe. Powell habe zudem deutlich gemacht, dass er den Vorstand, dem er nach Ende seiner Amtszeit weiterhin als Gouverneur angehöre, nicht verlasse, bis die laufenden strafrechtlichen Ermittlungen zu den Baukostenüberschreitungen beim Fed-Gebäude vollständig und endgültig abgeschlossen seien. Für den Fall, dass Warsh bestätigt werde und die Ermittlungen abgeschlossen seien, habe Powell noch nicht bekannt gegeben, ob er seinen Gouverneurs-Posten weiterhin fülle. Es sei jedoch davon auszugehen, dass er dann als Gouverneur zurücktreten würde, auch wenn er aktuell noch nicht bereit sei, diese Zusage zu machen. (Ausgabe vom 19.03.2026) (20.03.2026/alc/a/a)


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