London (www.anleihencheck.de) - Das makroökonomische Umfeld hat sich durch den Irankrieg verändert, dennoch dürfte die Europäische Zentralbank ihren Zinssatz vorerst beibehalten, so Wolfgang Bauer, Fondsmanager Fixed Income bei Royal London Asset Management.
Interessant könne der Ausblick sein, den EZB-Präsidentin Christine Lagarde den Anlegern mitgebe. Denn inzwischen würden die Märkte mit einer Zinserhöhung von 1,5 Prozent statt einer Senkung um 0,5 Prozent bis zum Jahresende rechnen.
Die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank in dieser Woche werde voraussichtlich keine großen Überraschungen bereithalten. Allgemein werde ein unveränderter Kurs erwartet und die Märkte würden mehrheitlich von einer Beibehaltung des Zinssatzes ausgehen. Die Aufmerksamkeit werde sich stattdessen auf die Pressekonferenz von Präsidentin Christine Lagarde richten. Die Anleger würden dort nach Hinweisen suchen, wie der EZB-Rat das sich rasch wandelnde makroökonomische Umfeld einschätze.
In den vergangenen zwei Wochen seien die Zinserwartungen im Euroraum drastisch neu bewertet worden. Ende Februar hätten die Märkte noch einen halben Zinssenkungsschritt bis zum Jahresende eingepreist. Mittlerweile werde mit rund 1,5 Zinserhöhungen gerechnet. Diese bemerkenswerte und rasante Anpassung sei in erster Linie durch die Eskalation im Persischen Golf und den damit verbundenen Anstieg der Öl- und Gaspreise ausgelöst worden.
In ihrem Basisszenario gehe Royal London Asset Management weiterhin davon aus, dass die EZB ihre Zinsen bis zum Jahresende unverändert lassen werde. Dies würde bedeuten, dass die jüngsten Marktbewegungen möglicherweise übertrieben gewesen seien. Zwar bestehe das konkrete Risiko, dass strukturell höhere Rohstoffpreise zu anhaltendem Preisdruck und höheren Inflationsraten führen würden, doch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen seien differenzierter. Erhöhte Energiekosten und mögliche Störungen in den Lieferketten würden das Wirtschaftswachstum belasten, die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen und die Nachfrage dämpfen.
Damit es zu einem nachhaltigen Zinserhöhungszyklus komme, müsste der Euroraum wahrscheinlich in ein verfestigtes stagflationäres Umfeld geraten. Aus Sicht von Royal London Asset Management bleibe dies zwar ein Risikoszenario, aber nicht das Basisszenario. Entsprechend stehe die EZB vor einem heiklen Balanceakt - einem, der morgen sorgsam kommuniziert werden müsse. (19.03.2026/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de