Dublin (www.anleihencheck.de) - Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage stehen vor allem Öl und Aktien im Mittelpunkt, so Daniel Loughney von Mediolanum International Funds.
Doch festverzinsliche Wertpapiere würden ebenso viel Aufmerksamkeit verdienen: Seit der Eskalation des Krieges der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar hätten die Anleihemärkte komplexer reagiert, als man es normalerweise bei einem geopolitischen Schock erwarten würde. US-Staatsanleihen hätten zunächst von der Nachfrage nach sicheren Häfen profitiert, diese sei jedoch rasch geschwunden, als höhere Ölpreise die Inflationssorgen befeuert hätten. Infolgedessen seien die Renditen von Staatsanleihen wieder gestiegen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen beispielsweise liege derzeit bei rund 4,25%.
Kurzlaufende Anleihen seien am stärksten unter Druck geraten. Hauptgrund dafür sei die drastische Änderung der Zinserwartungen gewesen: Die Märkte hätten die Aussicht auf kurzfristige Zinssenkungen zurückgeschraubt und stellenweise sogar begonnen, das Risiko einer erneuten Straffung einzupreisen. In Europa sei diese Verschiebung besonders am kurzen Ende der Kurve sichtbar gewesen, wo die Inflationssensitivität nach wie vor hoch sei und die Energiepreise eine wichtige makroökonomische Variable darstellen würden.
Die stärkere Abhängigkeit Europas von Energieimporten mache es deutlich verwundbarer als die Vereinigten Staaten - und diese relative Anfälligkeit spiegele sich in allen Anlageklassen wider. Gleichzeitig würden die Schwellenländer zusätzlich unter Druck geraten, weil Kapitalzuflüsse schwächer und Investoren risikoscheuer würden. Bei den Staatsanleihen seien jene Länder besonders anfällig, die eine geringere Energiesicherheit aufweisen würden und deren Märkte weniger liquide seien. Dort sei die Gefahr einer weiteren Ausweitung der Spreads besonders groß.
Der Energiesektor bleibe der klare Profiteur des Ölpreisschocks, während Finanzwerte und Technologietitel zurückbleiben würden. Belastend würden vor allem die hohe Zinsvolatilität und das eingetrübte makroökonomische Umfeld wirken. Das allgemeine Marktbild bleibe uneinheitlich. Für Fixed-Income-Anleger bleibe die Kernbotschaft jedoch eindeutig: Treiber der Entwicklung sei inzwischen weniger die Flucht in sichere Häfen als vielmehr der Inflationsschub durch höhere Energiepreise - und die damit verbundene Neubewertung des geldpolitischen Ausblicks.
Konservative Anleger sollten Ruhe bewahren: Ein Großteil des Abwärtsrisikos sei unter der Annahme eines langwierigen Konflikts bereits eingepreist. Sollte es in den kommenden Tagen Anzeichen für eine Entspannung geben, könnten sich die Marktbewegungen der vergangenen Woche zumindest teilweise umkehren. Das würde Chancen eröffnen, von denen Anleger profitieren könnten. (18.03.2026/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de