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18.03.26 10:35
Stillstand, Zinssenkung, Kehrtwende: Was die Geldpolitik jetzt prägt

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Geldpolitik bewegt sich derzeit nicht in einem einheitlichen Takt, so Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB.

Zusätzlich sorge die geopolitische Lage mit ihren Folgen für Ölpreise, Inflation und Zinserwartungen für Unsicherheit. Umso wichtiger sei es, die sehr unterschiedlichen Ausgangslagen der einzelnen Zentralbanken genauer zu betrachten. Das seien die Erwartungen für die geldpolitischen Sitzungen dieser Woche.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB), die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Canada (CBC) hätten den während der Covid-Pandemie begonnenen Zinserhöhungszyklus ab 2024 wieder zurückgedreht. Das werde sich diese Woche trotz der steigenden der Energiepreise nicht ändern. Denn diese könnten in Kürze auch wieder fallen.

Mit nach wie vor knapp 4,0 Prozent lägen die Leitzinsen in den USA und Großbritannien rund 150 Basispunkte (BP) unter ihrem Höchststand, den man während der restriktiven Phase der Geldpolitik im Jahr 2024 gesehen habe. Die Inflation sei aber deutlich stärker gesunken, in den USA um 700 BP auf 2,4 Prozent.

Diese Woche seien die konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten für eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank Fed noch zu groß. Jedoch sei es im vergangenen Februar zu einem Beschäftigungsrückgang gekommen, und der Arbeitsmarkt schwäche sich allmählich ab. Außerdem sinke die Serviceinflation. Deswegen gehe Roger Rüegg davon aus, dass es in diesem Jahr wahrscheinlich zu zwei Zinssenkungen auf knapp 3,0 Prozent komme.

Ferner seien die Schwellenländer zu beachten. In vielen dieser Regionen seien die Realzinsen sehr hoch - in Brasilien lägen sie beispielsweise bei 10,0 Prozent - und die Notenbanken würden ihre Zinssenkungen fortsetzen.

Diese beiden Länder würden aus völlig unterschiedlichen Ausgangslagen starten: Japan versuche eine sanfte Normalisierung der ultralockeren Geldpolitik, auch unter der neuen ausgabefreudigen Regierung. Roger Rüegg prognostiziere hier einen marginalen Anstieg der Leitzinsen auf 1,0 Prozent.

Australien befinde sich hingegen auf dem Zinsgipfel. Mit der heutigen Zinsanhebung auf 4,1 Prozent dürfte dies nun die letzte Zinserhöhung gewesen sein.

Die jüngere Vergangenheit habe mehrfach gezeigt, dass Zentralbanken in Phasen finanzieller Turbulenzen schnell bereit seien, stabilisierend einzugreifen. Ein prägnantes Beispiel dafür sei die Krise um die kalifornische Silicon Valley Bank im Jahr 2023 gewesen: Nach deren Zusammenbruch hätten die US-Behörden und die Federal Reserve zügig mit Maßnahmen zur Beruhigung des Finanzsystems und zur Sicherung der Liquidität reagiert. Das habe unterstrichen, dass Zentralbanken auch dann unterstützend eingreifen könnten, wenn sie an ihrem grundsätzlichen geldpolitischen Kurs zunächst festhalten würden.

Aktuell richte sich der Blick vor allem auf einzelne Risikobereiche im Private-Credit-Segment. Diese dürften den übergeordneten Zinskurs zwar vorerst kaum verändern, könnten aber durchaus Anlass für eine großzügigere Liquiditätsversorgung geben. (Ausgabe vom 17.03.2026) (18.03.2026/alc/a/a)


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