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17.03.26 09:35
EZB: Ton wird restriktiver, doch Zinsschritt dürfte ausbleiben

Dublin (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird bei der anstehenden Sitzung am Mittwoch die Zinsen wohl unverändert bei 2,0 Prozent belassen, so Niall Scanlon, Fixed Income Portfolio Manager bei Mediolanum International Funds.

Das entspreche auch den Erwartungen des Marktes. Was eine weitere ereignislose Sitzung unter dem Motto "Alles im Lot" werden sollte, sei angesichts der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten jetzt allerdings von großer Relevanz. Für Anleger in Euro-Anleihen sei ausschlaggebend, wie die EZB das zunehmende Risiko eines Inflationsanstiegs gegen die wachsende Gefahr einer Wirtschaftsschwäche bewerte.

EZB werde restriktiveren Ton anschlagen

Die geldpolitischen Ansichten der EZB seien für 2026 mittlerweile deutlich weniger klar als noch bei der letzten Sitzung. Die höheren Öl- und Gaspreise könnten die Inflation anheizen - und das bei einer ohnehin schon fragilen Wachstumsdynamik. Man erwarte keine Zinssatzänderungen, doch Präsidentin Christine Lagarde werde wohl einen restriktiveren Ton anschlagen, insbesondere wenn man bedenke, wie wachsam die Währungshüter gegenüber den Inflationserwartungen seien. Jüngsten Aussagen von EZB-Vertretern zufolge werde die Notenbank nicht zögern, die Geldpolitik zu straffen, sollte der energiebedingte Preisdruck die Inflationserwartungen nachhaltig erhöhen.

Man glaube nicht, dass die EZB explizit eine bevorstehende Zinsänderung signalisieren werde und lediglich Wachsamkeit kommuniziere. Die Zentralbank habe zuvor erklärt, dass sie bereit sei, vorübergehende Abweichungen von ihrem Inflationsziel zu ignorieren. Dieser Ansatz dürfte auch für die jetzigen Energiepreisanstiege gelten - sofern diese als vorübergehend angesehen würden. Sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen, werde die EZB allerdings auch darauf bedacht sein, rechtzeitig einzugreifen, um nicht den Fehler von 2022 zu wiederholen.

Makroökonomische Projektionen nicht mehr zutreffend

Die Sitzung am Mittwoch dürfte wichtige Einblicke geben, wie die EZB reagieren werde und was erforderlich wäre, um Leitzinsänderungen auszulösen. Auch dieses Mal würden wieder makroökonomische Projektionen veröffentlicht - diese seien wahrscheinlich jedoch vor dem jüngsten Anstieg der Energiepreise erstellt worden. Es sei daher wichtig, auf weitere Kommentare und alternative Szenarien zu achten. Diese könnten Aufschluss darüber geben, wie die EZB das Wachstum und die Inflation unter verschiedenen potenziellen Ölpreisen einschätze. Auch sei für Investoren wichtig, ob die Währungshüter die höheren Energiepreise eher als vorübergehend oder als anhaltend einschätzten.

Anleihen: Neubewertung am kurzen Ende der Zinskurve

Die Märkte hätten bereits auf das erhöhte Inflationsrisiko reagiert, was zu einer deutlichen Neubewertung am kurzen Ende der Kurve geführt habe. Aktuell seien fast zwei Zinserhöhungen der EZB eingepreist, und die Renditen würden nicht wesentlich steigen. Im Basisszenario gehe man davon aus, dass Christine Lagarde mit den aktuellen Marktpreisen einverstanden sei. Sollte die EZB jedoch den Abwärtsrisiken beim Wachstum mehr Bedeutung beimessen oder signalisieren, dass sie gewillt sei, die höhere Inflation eine Zeit lang zu tolerieren, könnten die Renditen zurückgehen. Das zentrale Szenario sei aber unverändert: Die EZB halte die Zinsen über einen längeren Zeitraum bei 2,0 Prozent. Das hänge allerdings in hohem Maße von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ab sowie davon, ob die Situation noch weiter eskaliere. (17.03.2026/alc/a/a)



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