Hamburg (www.anleihencheck.de) - Angesichts der durch den Iran-Krieg verursachten steigenden Energiepreise wird es für die US-Notenbank deutlich schwieriger, die Geldpolitik weiter zu lockern, so Dr. Felix Schmidt, Leitender Volkswirt bei Berenberg.
Für die Europäische Zentralbank würden dagegen bereits die Rufe nach Leitzinsanhebungen lauter. Schmidt erläutere, warum die EZB trotz Inflationsdruck die Zinsen voraussichtlich nicht anheben werde und die Fed weitere Leitzinssenkungen auf die lange Bank schieben könnte.
Der Iran-Krieg lasse die Energiepreise und damit die Inflation weltweit steigen, wodurch die Zentralbanken in Alarmbereitschaft versetzt würden. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde zwar bei ihrer Märzsitzung den Einlagesatz bei 2,0% belassen, an den Finanzmärkten werde aber bereits über eine Leitzinsanhebung in den kommenden Monaten spekuliert. Sollte sich der Nahost-Konflikt jedoch, wie von Schmidt erwartet, in einigen Wochen beruhigen, werde die EZB höchstwahrscheinlich durch den daraus resultierenden temporären Inflationsschub hindurchschauen und den Leitzins unverändert lassen. Und selbst im Falle, dass die Energiepreise längerfristig auf dem aktuellen Niveau verharren würden, wäre es für die EZB schwierig, die Geldpolitik zu straffen. Denn in diesem Szenario würde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen.
Da die USA Nettoenergieexporteur seien, sei der konjunkturelle Schaden durch steigende Energiepreise geringer. Die Verbraucher würden aber auch in Amerika die deutlich gestiegenen Preise an den Tankstellen spüren. Dies werde der Inflationsrate, die bereits vor Ausbruch des Krieges deutlich über dem Zweiprozentziel der US-Notenbank gelegen habe, weiteren Auftrieb geben. Dadurch verringere sich der Spielraum der Federal Reserve (Fed), den Leitzins weiter zu senken. Der Iran-Krieg habe einer Leitzinssenkung der US-Notenbank im März definitiv den Riegel vorgeschoben. Voraussichtlich werde es bis Juni dauern, bevor die Fed das Leitzinsband erneut um 25 Basispunkte auf dann 3,25 bis 3,5% senken werde. Und das auch nur, wenn sich der Konflikt zeitnah beruhige. Sollten die Energiepreise hingegen länger auf dem aktuellen Niveau bleiben, wäre die US-Notenbank wahrscheinlich dazu gezwungen, weitere Leitzinssenkungen auf die lange Bank zu schieben. (16.03.2026/alc/a/a)
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