Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Erste Leitzinssenkung in Brasilien rückt näher, so die Analysten der DekaBank.
Aktuelle Entwicklungen
Bereits mehr als ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen am 4. Oktober 2026 werfe dieses Ereignis seinen Schatten voraus. Präsident Lula habe trotz seines hohen Alters (80) angekündigt, erneut zu kandidieren. Aufseiten der konservativen Opposition habe Flavio Bolsonaro, der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, seine Kandidatur erklärt und habe gute Chancen, als offizieller Kandidat bestätigt zu werden. Jair Bolsonaro selbst sitze aufgrund des versuchten Staatsstreichs nach seiner Abwahl im Gefängnis und könne daher nicht antreten, bleibe jedoch hinter den Kulissen als Strippenzieher sehr präsent.
Erste Umfragen würden auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lula und Bolsonaro Jr. hindeuten. Die Regierungspartei PT versuche, mit Maßnahmen wie Steuersenkungen für ärmere Bevölkerungsschichten und einer kürzeren Arbeitszeit bei der Bevölkerung zu punkten. Allerdings würden Umfragen zeigen, dass die Hauptsorgen der Bevölkerung eher bei Korruption und Kriminalität lägen - Themen, bei denen die Opposition stärker wahrgenommen werde.
Im März würden die Analysten der DekaBank mit einer ersten Leitzinssenkung um 50 Basispunkte rechnen, und insgesamt könnte der Zinssatz in den nächsten zwölf Monaten um bis zu 300 Basispunkte gesenkt werden. Eine positive Entwicklung stelle die Entscheidung des US-amerikanischen Obersten Gerichts zur Abschaffung der IEEPA-Zölle dar, wovon Brasilien profitieren dürfte. Zudem könne das Land sein Potenzial in der Produktion seltener Erden strategisch nutzen, etwa in Verhandlungen mit internationalen Partnern wie den USA.
Perspektiven
Brasilien habe in den vergangenen Jahren bedeutende Reformen umgesetzt, und auch die linksgerichtete Regierung unter Präsident Lula habe mit der Steuerreform einen weiteren Meilenstein erreicht. Dennoch bleibe die Regierung bislang unfähig, eine grundlegende fiskalische Konsolidierung voranzutreiben. Im Vergleich zu früher greife Lula weniger stark in die Wirtschaft ein, doch der Wachstumsausblick werde weiterhin durch die straffe Geldpolitik gedämpft. Die Rahmenbedingungen für Investitionen würden herausfordernd bleiben, insbesondere aufgrund der überbordenden Bürokratie, der hohen Steuerquote und der unzureichenden Infrastruktur. Die bevorstehenden Wahlen im Oktober würden auf einen aggressiven Wahlkampf zwischen Lula und dem konservativen Lager hindeuten.
Länderrisiko
Der Ratingtrend Brasiliens sei seit 2014 aufgrund der Reformunfähigkeit früherer Regierungen, der hohen Staatsausgaben und der niedrigen internationalen Wettbewerbsfähigkeit über Jahre hinweg negativ gewesen. Die Rentenreform unter der Vorgängerregierung sowie die jüngste Steuerreform würden jedoch wichtige Schritte zur Stabilisierung der Bonität darstellen. Dennoch belaste vor allem die schlechte fiskalische Lage die Bonität des Landes. Mit einer öffentlichen Verschuldung von über 80% des Bruttoinlandsprodukts und einem erheblichen Budgetdefizit seien deutliche Verbesserungen nur durch große Anstrengungen möglich - diese seien jedoch in einem Wahljahr kaum zu erwarten. Aktuell würden alle drei großen Ratingagenturen das Länderrating Brasiliens im Doppel-B-Bereich einstufen (Moody's auf Ba1, S&P und Fitch auf BB) und würden den Ausblick als stabil bewerten. (Ausgabe vom 05.03.2026) (10.03.2026/alc/a/a)
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