Wien (www.anleihencheck.de) - Der Konflikt im Iran sollte unserer Meinung nach, solange es nicht zu einer anhaltenden Eskalation kommt, nur vorübergehende Volatilität bei einigen Wirtschaftsindikatoren zur Folge haben - etwa in Form von höheren Inflationszahlen und leicht gedämpfter Aktivität, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Sollte der Konflikt jedoch an Intensität zunehmen und lange anhalten, dürfte die europäische Wirtschaft stärker leiden als die der USA. In einem Abwärtsrisikoszenario könnte Europa eine Art "leichte Stagflation" erleben, wobei die Inflation im Euroraum rasch in Richtung 4% im Jahresvergleich ansteigen könnte.
Die Gesamtinflation im Euroraum (HVPI) habe im Februar bei 1,9% im Jahresvergleich gelegen, die Kerninflation bei 2,4% - damit seien beide Raten stärker angestiegen als von der RBI AG und dem Konsens erwartet. Die Energieinflation (-3,2% p.a.) und die Nahrungsmittelinflation (+2,6% p.a.) hätten weitgehend den Prognosen entsprochen; die eigentliche Überraschung sei hingegen von den Dienstleistungen (+3,4% p.a.) und den Industriegütern (+0,7% p.a.) gekommen. Eurostat habe noch keine detaillierten Aufschlüsselungen veröffentlicht, doch scheine der Anstieg der Dienstleistungspreise vor allem durch einen starken Anstieg in Italien begründet zu sein, insbesondere in den Bereichen Verkehr und Freizeit - möglicherweise eine temporäre Folge der Olympischen Winterspiele. Beim Güterpreisniveau habe ein plötzlicher Anstieg in Frankreich etwa zur Hälfte der Beschleunigung beigetragen (von 0,4% p.a. auf 0,7% p.a.); laut INSEE seien die Güterpreise im Februar weniger stark als im Januar gefallen. Da Güterpreise tendenziell weniger volatil seien, würden die Analysten der RBI diesen Anstieg als tendenziell nachhaltiger werten.
Der Militäreinsatz im Iran habe bereits zu einem Anstieg der Kraftstoffpreise um rund 3% geführt; folglich werde die Gesamtinflation im März voraussichtlich über die 2%-Marke steigen. Der Sentix für März dürfte diese Woche nach Meinung der Analysten der RBI einen ersten Vorgeschmack darauf geben, wie stark sich die aktuelle geopolitische Gemengelage auf das Stimmungsbild auswirke. Die Finanzmarktumfrage habe zuletzt von -1,8 auf 4,2 Punkte zulegen können. Gegeben der vorherrschenden Unsicherheit würden die Analysten der RBI allerdings einen deutlichen Rückgang auf -3,5 Punkte für realistisch halten. Ob dieser Stimmungsverfall auch längerfristig Bestand haben werde, hänge maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab. Sollte dieser einige Wochen (und nicht einige Monate) andauern, was das Basisszenario der RBI AG darstelle, könnte es demnächst auch wieder zu einem deutlichen Anstieg des Sentix kommen.
Neben den Eurozone-Inflationszahlen habe der Fokus auf der Datenseite diese Woche auch auf dem US-Arbeitsmarktbericht für Februar gelegen. Im Gegensatz zur Aufwärtsüberraschung im Januar sei es dieses Mal zu einer Abwärtsüberraschung gekommen: Die Beschäftigung habe im Monatsvergleich um 92 Tausend Stellen abgenommen, anstatt wie prognostiziert um 59 Tausend Stellen zuzulegen, die Arbeitslosenquote sei von 4,3% auf 4,4% gestiegen. Der Beschäftigungsrückgang sei recht breit ausgefallen, selbst im zuletzt starken Gesundheitsbereich sei es zu Rückgängen gekommen, was allerdings wohl durch Streiks erklärt werden könne. Zusätzlich könnte auch das phasenweise kalte Wetter die Beschäftigung beeinflusst haben. Aufgrund dieser möglichen Einmaleffekte wäre es also noch zu früh, eine starke Abkühlung des Arbeitsmarktes anzunehmen. Nichtsdestotrotz scheine die Stabilität der Beschäftigungsdynamik weniger klar als noch zu Beginn des Jahres.
Der US-Datenreigen setze sich auch diese Woche fort, mit den VPI-Inflationszahlen für Februar und den PCE-Zahlen für Januar stünden dabei gleich zwei Highlights auf dem Programm. Trotz leicht positiver Inflationsdynamiken über die letzten Monate und ausbleibender starker Zolleffekte bleibe die Lage grundsätzlich unverändert: Die Inflationsdynamik in den USA sei zu stark, um eine zeitnahe Rückkehr zum 2%-Ziel zu gewährleisten - das sollten die beiden Datenpunkte auch abermals bestätigen. Trotz des Umstandes, dass die USA als Netto-Energieexporteur deutlich weniger konjunktursensitiv gegenüber erhöhten Energiepreisen seien, würden die jüngsten Entwicklungen im Iran auch für die Vereinigten Staaten zusätzliche Aufwärtsrisiken für das Inflationsmomentum bergen. Ein prolongierter Konflikt könnte bedeuten, dass die Inflation doch nicht wie erwartet zur Jahresmitte hin auf einen nachhaltigeren Pfad finde.
Erstens sei klar, dass die sicheren Asset-Eigenschaften von Bunds und Treasuries - in dem Sinne, dass die Renditen in einem Risk-Off-Umfeld sinken würden - kein dominanter Aspekt gewesen seien. Geopolitische Krisen mit erhöhten Inflationsrisiken seien nicht das beste Umfeld für sichere Hafen-Bonds. Und angesichts der grundlegenden geopolitischen Veränderungen, die seit Trumps Amtsantritt erlebt worden seien, würden solche Krisen wohl nicht weniger.
Zweitens seien die Renditeanstiege hauptsächlich auf höhere Inflationserwartungen zurückzuführen gewesen, während die realen Renditen nahezu unverändert geblieben seien. Das zeige, dass fiskalische Risikoprämien aufgrund höherer Staatsausgaben - sei es für militärische oder inflationsausgleichende Maßnahmen - derzeit kein Thema am Markt seien.
Beide Faktoren würden sich dadurch erklären lassen, dass sich der Markt derzeit stark auf einen vorübergehenden Krieg mit vorübergehenden Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte konzentriere. Ein Ölpreis unter 100 USD/Barrel und der gedämpfte Anstieg des VIX würden dies bestätigen. Dies bedeute jedoch auch, dass der Markt derzeit nicht auf einen mehrmonatigen Konflikt vorbereitet sei.
Der US-Dollar habe letzte Woche einen Teil seiner lange Zeit angezweifelten Eigenschaften als sicherer Hafen zurückgewinnen können. Aufgrund dieses Faktors und einer gleichzeitigen Schwäche des Euro (der Euroraum sei anfällig für erhöhte Energiepreise) sei der EUR/USD auf ein Niveau von etwa 1,16 gefallen. Wenn der Konflikt begrenzt bleibe, dürfte das Währungspaar für den größten Teil des Jahres 2026 zu einem stetigen Aufwärtstrend zurückkehren. Eine Verlängerung und weitere Eskalation der Ereignisse könnte jedoch weiteren Abwärtsdruck bedeuten.
Für die EZB sei der Iran-Krieg ein echtes Risiko für die Inflationsprognosen der Zentralbank. Die EZB-Ökonomen würden gerade an den neuen Wirtschaftsprognosen für die Sitzung des EZB-Rats im März arbeiten. Die Energie-Futurekurven, die in die Modelle der EZB einfließen würden, seien deutlich höher als noch im Dezember angenommen worden. Man könne demnach mit einer deutlichen Aufwärtsrevision der Gesamtinflation für 2026 und 2027 rechnen, mit (begrenzten) Auswirkungen auf die Kerninflation. Da die Gesamtinflation bislang unter dem Zielwert von 2% prognostiziert worden sei, gebe es etwas Spielraum, sodass der Iran-Krieg ein wichtiger Faktor sei, den man beobachten sollte, ohne dass man jetzt sofort etwas handeln müsse.
Die Mitglieder des EZB-Rates würden versuchen, "einen kühlen Kopf zu bewahren", wie Rehn es formuliert habe, und auch Villeroy sehe "keinen Grund für die EZB, die Zinsen vorerst anzuheben". Alles hänge davon ab, wie lange die Energiepreise hoch bleiben würden und wie sich das auf die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen auswirke. In den letzten Monaten habe die EZB betont, dass die Geldpolitik "gut aufgestellt" sei, um auf zukünftige Schocks zu reagieren. Die Risiken für die Inflationsaussichten seien als ausgewogen angesehen worden, aber mit erhöhter Unsicherheit behaftet gewesen, da die Aufwärts- und Abwärtsrisiken als erhöht wahrgenommen worden seien. Angesichts des mit dem Iran-Krieg einhergehenden Energiepreisschocks sei klar, dass die Inflationsrisiken nicht mehr ausgewogen seien, da sich einige Aufwärtsrisiken materialisiert hätten.
Vor diesem Hintergrund sei es logisch, dass die Märkte den Leitzinspfad der EZB nach oben korrigieren würden, nachdem sie zuvor aufgrund des stärkeren Euro und der schwächeren Inflationszahlen im Januar die Abwärtsrisiken für die Inflation betont hätten. Aus Sicht der Prognosen der Analysten der RBI, die ohnehin eine eher restriktive Marktpositionierung widerspiegeln würden - basierend auf der RBI-Einschätzung, dass die nächste Änderung der Leitzinsen der EZB eher eine Anhebung als eine Senkung sein werde -, seien die aktuellen Marktentwicklungen in den Basisprognosen der Analysten gut abgedeckt. Angesichts der Tatsache, dass die Zinsmärkte ihre Zinserhöhungserwartungen deutlich nach vorne verlagert hätten, könnte es jedoch zu einem gewissen Abwärtsdruck auf die Renditen kommen - insbesondere am kurzen Ende der Kurve -, sollte die Straße von Hormus wieder geöffnet werden. In dieser Woche könnte die Volatilität nicht nur durch den Newsflow zum Krieg, sondern auch durch die Veröffentlichung der US-Inflationszahlen (CPI und PCE) beeinflusst werden. (Ausgabe vom 06.03.2026) (09.03.2026/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de