New York (www.anleihencheck.de) - Die Welt blickt gebannt auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Matt Lodge, Investmentstratege bei Global X Europe, stellt im nachfolgenden Kommentar kurzfristige direkte und indirekte Auswirkungen heraus und ordnet ein, welche Rohstoffsegmente tendenziell profitieren, und welche unter Druck geraten könnten.
Ein besonderer Fokus liege dabei auf dem Zusammenspiel von Gold und Silber sowie auf den Auswirkungen auf Minenaktien und prozyklische Rohstoffe wie Kupfer.
Im Folgenden eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
Silber könnte aufgrund seiner starken Kopplung an Gold von den jüngsten geopolitischen Ereignissen profitieren. Trotz des prozyklischen Nachfrageprofils von Silber, das unter den aktuellen Entwicklungen leiden könnte, zeige die monetäre beziehungsweise Safe-Haven-Komponente weiterhin spürbare Stärke und präge die Preisbewegung in Risk-off-Phasen maßgeblich. Silberminenunternehmen hätten typischerweise eine erhebliche Gold-Exposure, was bedeute, dass sie voraussichtlich stärker profitieren würden als physisches Silber.
Prozyklische und spekulativ bewertete Anlageklassen, etwa Kupfer, Uran oder der Nuklearsektor, könnten hingegen negativ reagieren, da Anleger in sichere Häfen umschichten würden und Positionen reduzieren würden ("De-Grossing"), indem sie Risiko und Beta senken und Gewinne mitnehmen würden. Diese Entwicklungen sollten jedoch aus einer langfristigen Investmentperspektive betrachtet werden, da die zugrunde liegenden Investmentthesen trotz der jüngsten Ereignisse unverändert bleiben würden.
Im Folgenden skizziere Lodge die wichtigsten kurzfristigen Auswirkungen des Konflikts im Überblick:
Direkte Auswirkungen
Störung des Öl- und Gastransports: Gezielte US-amerikanisch-israelische Angriffe auf den Iran erhöhten die Wahrscheinlichkeit von Versorgungsstörungen durch direkte Ausfälle, Angriffe auf die Infrastruktur oder Behinderungen des Schiffsverkehrs in und um die Straße von Hormus.
Gedämpfte globale Wachstumsprognose: Höhere und volatilere Energiekosten verstärkten die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Inflation und eines geringeren Wachstums und damit eines stagflationären Umfelds. Dies werde kurzfristig zu einem Anstieg des Diskontsatzes für wachstumsfördernde Sektoren führen, auch wenn das Wachstum langfristig davon unberührt bleibe.
Indirekt
Die Inflationserwartungen und die Unsicherheit würden steigen, da Öl und Gas nach wie vor wichtige Energieträger seien. Dies erhöhe den Druck auf die gesamte Wirtschaft.
Hierdurch würden die Realrenditen sinken, da die Breakevens aufgrund der zunehmenden Unsicherheit steigen würden.
Da sich dadurch jedoch die Wahrscheinlichkeit verringere, dass die Fed ihre Zinssenkungen fortsetze, würden Nominalanleihen leiden. Dies sei ein weiterer Grund, warum Anleger sich Gold und Silber zuwenden würden, um ihr Aktienrisiko abzusichern, da Nominalanleihen weiterhin nicht als bevorzugte Absicherung dienen würden.
Nachfrage nach einem "sicheren Hafen":
Normalerweise würden Staatsanleihen in solchen Situationen zulegen, aber da dieses Ereignis inflationär sei, seien Nominalanleihen gefallen (die Renditen seien gestiegen) - dies verstärke die mit Gold verbundenen Absicherungseigenschaften.
In der Regel wirke sich eine Aufwertung des US-Dollars negativ auf Metalle aus (da diese in USD gehandelt würden), aber aufgrund des Ausmaßes des Risikoereignisses hätten sich Gold und Silber dennoch gut entwickelt.
Abflüsse aus breit angelegten Marktindizes, die an den kurzfristigen Konjunkturzyklus gebunden seien: Theoretisch sollte dies auch Auswirkungen auf Kupfer und damit verbundene Aktien haben, da diese prozyklisch seien. Wie Lodge jedoch in der Vergangenheit gesehen habe, habe sich Kupfer von kurzfristigen Konjunkturindikatoren abgekoppelt.
Anleihen:
Aufgrund dieses inflationären Ereignisses hätten nominale (nicht reale) Anleihen gelitten, was wiederum die Nachfrage nach der Risikoprämie und den Absicherungsmöglichkeiten von Gold verstärke.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung in den USA sei gesunken (wie oben erwähnt) - aufgrund der Unsicherheit und der inflationären Elemente dieses spezifischen Ereignisses.
Wie hätten die Märkte bisher reagiert?
Gold und Silber hätten eine Rally hingelegt: Silberminenunternehmen seien wieder auf Allzeithochs geklettert. Es sei daran erinnert, dass Silberminenunternehmen in der Regel nicht nur in Silber, sondern auch in Gold stark engagiert seien. Dies trage wiederum zur Risikominderung in Umfeldern wie dem aktuellen bei.
Kupfer habe entgegen der allgemeinen Risikoaversion leicht zugelegt - dies zeige seine Widerstandsfähigkeit und die Stärke seiner Fundamentaldaten sowie seine Fähigkeit, sich in risikoreichen Zeiten zu behaupten.
Nominalanleihen hätten Kursverluste verzeichnet, während inflationsgebundene Anleihen zugelegt hätten.
Der Dollar habe aufgrund einer Kombination aus bestimmten Faktoren zugelegt: Status als sicherer Hafen; geringere Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Fed aufgrund steigender Inflationserwartungen und zunehmender Unsicherheit. Dies bedeute, dass der Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert gewinnen werde.
Die breiten Marktindizes hätten nachgegeben. Dies werde durch hohe Bewertungen wahrscheinlich noch verschärft, die bei solchen exogenen Ereignissen tendenziell zu aggressiveren Korrekturen führen würden.
Silberminenunternehmen würden weiterhin mit einem sehr niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis notieren (das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das nächste Jahr liege im 37. Perzentil der letzten sieben Jahre).
Kupferminenunternehmen befänden sich auf einem Allzeithoch und würden weiterhin die Kupferpreise übertreffen, was auf die langfristige Entwicklung zurückzuführen sei, die nur dann beeinträchtigt würde, wenn der Konflikt langfristig andauere. Diesbezüglich bestehe natürlich große Unsicherheit. (Ausgabe vom 04.03.2026) (05.03.2026/alc/a/a)
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