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27.02.26 10:08
Marktkommentar: Einen aktiven Vorteil bei Investment-Grade-Anleihen erzielen

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Investment-Grade(IG)-Anleihen verzeichneten 2025 eine robuste Wertentwicklung, Dough Farquhar, Client Portfolio Manager, Global Investment Grade Credit und Matthias Wang, Portfolio Manager, Fixed Income ETFs bei Goldman Sachs Asset Management.

Auf Euro lautende IG-Anleihen hätten 3 Prozent abgeworfen, während USD-denominierte IG-Anleihen in Landeswährung mit 7,8 Prozent rentiert hätten (Bloomberg, 2026).

"Diese Zugewinne wurden vor dem Hintergrund erhöhter Marktvolatilität durch wechselnde Sorgen über Zölle, KI-Investitionen und Staatsausgaben erzielt", so die GSAM-Experten. Zu diesen Faktoren kämen historisch enge Spreads und eine erhöhte Renditestreuung innerhalb von Indizes. Daher sei 2026 ein strategischer Ansatz erforderlich.

Die Experten sähen drei zentrale Pfeiler für IG-Anleihen im kommenden Jahr: die gezielte Suche nach Chancen jenseits passiver Indizes, die Positionierung für eine Spreadausweitung sowie einen aktiven Ansatz bei KI-Papieren.

Passive Vergleichsindizes seien zwar hilfreiche Referenzpunkte, würden das gesamte Universum von IG-Anleihen jedoch häufig nicht vollständig abbilden. Grund dafür seien starre Konstruktionsregeln in Bezug auf Emissionsvolumen, Rating, Laufzeit und Liquidität. Nach Einschätzung der Experten entstünden dadurch nutzbare Ineffizienzen bei Pre-Index-Anleihen sowie ausgewählten Titeln außerhalb der Indizes, selbst dann, wenn das Gesamtrisiko des Portfolios weiterhin eng am Vergleichsindex ausgerichtet bleibe.

Von einem für 2026 geschätzten IG-Emissionsvolumen von rund 2,7 Billionen USD (an den USD- und EUR-Märkten) würden voraussichtlich nur etwa 50 bis 75 Prozent in häufig nachgebildete passive Indizes aufgenommen werden (Goldman Sachs Global Investment Research, 2025). Wenn passive USD-IG-Indizes Anleihen beispielsweise aufgrund von Kriterien wie Laufzeit (etwa unter drei Jahren) oder spezifischen Emissions- bzw. Emittentengrößen ausschließen würden, könne dies zu suboptimalen risikobereinigten Renditen und zu einer strukturellen Durationsverzerrung führen. Diese wichtige Dynamik sollten Anleger 2026 berücksichtigen.

Robuste Fundamentaldaten bei Anleihen und eine starke technische Nachfrage sprächen dafür, dass die Spreads von IG-Anleihen 2026 weitestgehend historisch eng bleiben dürften. Dennoch könnten mehrere ereignisgetriebene Risiken, wie etwa die Stimmung um KI, idiosynkratische Kreditereignisse, erhöhte M&A-Aktivität sowie geopolitische Spannungen, eine Spreadausweitung auslösen. Um mit Volatilität umgehen zu können, würden aktive Portfolios ausreichenden Puffer und Flexibilität benötigen. Manager könnten sich verschlechternde Anleihen oder weniger attraktive Sektoren dann gezielt untergewichten. Das sei ein entscheidender Vorteil gegenüber passiven Ansätzen, die durch die Indexzusammensetzung eingeschränkt seien.

Eine strategische Sektorallokation, etwa eine Übergewichtung von Finanzwerten (die potenziell von regulatorischen Lockerungen profitieren würden) und eine Untergewichtung von Nicht-Finanzwerten (die durch niedrige M&A-Tätigkeit unter Druck stünden), könne sowohl Ausgewogenheit als auch Alpha liefern (Goldman Sachs Global Investment Research, 2025). Die Positionierung könne sich dabei nicht nur auf Sektoren, sondern auch auf Länder- und regionale Allokationen erstrecken, um Risiken durch konzentrierte Emissionstätigkeit oder Stimmungsumschwünge abzufedern. Auch die Umsetzung sei entscheidend: Manager könnten je nach Angebotslage und technischen Faktoren dynamisch zwischen Kassa-Anleihen und indexbasierten Credit Default Swaps (CDS) allokieren und kosteneffiziente Absicherungen bei Anleihen einsetzen (etwa durch eine ausgewogene Mischung aus hochwertigen und niedriger eingestuften Anleihen). Das erhöhe die Widerstandsfähigkeit bei einer Spreadausweitung. Diese aktiven Strategien hätten 2025 einen wesentlichen Beitrag zu den Renditen von Euro-denominierten IG-Anleihen geleistet. Dies werde sich 2026 voraussichtlich fortsetzen.

Geografische Diversifikation, insbesondere in Euro-denominierte IG-Anleihen über sogenannte "Reverse-Yankee"-Emissionen (US-Unternehmen, die Anleihen in einer Fremdwährung begeben würden) sowie über KI-bezogene Neuemissionen, gewinne zunehmend an Dynamik. Für indexorientierte Anleger entstehe dadurch ein Spannungsfeld: Während sich das Chancenuniversum ausweite, würden sich marktwertgewichtete Indizes immer stärker auf eine kleine Zahl großer, KI-naher Emittenten konzentrieren.

Der starke Anstieg der Emissionstätigkeit US-amerikanischer Hyperscaler verdeutliche diese Entwicklung: Allein im vierten Quartal 2025 habe sich das Volumen der in USD begebenen Anleihen auf rund 87 Milliarden USD belaufen, verglichen mit insgesamt etwa 82 Milliarden USD in den vier Jahren davor (Goldman Sachs Global Banking & Markets, 2026). Der durchschnittliche Spread dieser Emittentengruppe habe zum Jahresende 2025 rund 20 Basispunkte über den Tiefs gelegen und sei im Betrachtungszeitraum hinter der Indexentwicklung zurückgeblieben. Nach Einschätzung der Experten unterstreiche dieses Zusammentreffen von hohem Primärmarktangebot, überzeugenden KI-Wachstumsnarrativen und stark konzentrierten Indizes die Bedeutung einer aktiven Titelauswahl - insbesondere bei Neuemissionen - sowie eines disziplinierten taktischen und strukturellen Ansatzes.

Angesichts erwarteter Gesamtrenditen von über 3 Prozent in Euro und über 5 Prozent in USD biete das Segment der IG-Anleihen 2026 einen soliden Ausgangspunkt sowie eine inhärente Resilienz gegenüber potenziellen Abschwüngen. Gleichzeitig würden historisch enge Spreads und andere Marktkomplexitäten Anleger vor besondere Herausforderungen stellen. Um risikobereinigte Renditen zu erzielen, sei ein bewusstes, aktives Vorgehen erforderlich: die gezielte Suche nach Chancen innerhalb und außerhalb der Vergleichsindizes, eine strategische Positionierung mit Blick auf eine mögliche Spreadausweitung sowie die kompetente Nutzung von KI-Trends. (27.02.2026/alc/a/a)


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