London (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte sollten 2026 laut Wellington Management eine beständige Wertschöpfungsquelle bleiben. In ihrem jüngsten Fixed-Income-Kommentar gehen die beiden Investment Direktoren Marco Giordano und Tobias Ripka auf ausgesuchte Marktsegmente und ihre Rolle im Portfolio ein:
Im Folgenden warum die Wellington-Experten weiterhin interessante Einstiegsmöglichkeiten sähen, welche Aspekte ihnen die größten Sorgen bereiten würden und welche Anknüpfungspunkte sie aus Sicht eines europäischen Rentenanlegers in diesem Jahr für besonders relevant halten würden:
"Nach den starken Gesamterträgen im Jahr 2025 gehen wir davon aus, dass die Rentenmärkte auch 2026 eine beständige Wertschöpfungsquelle bleiben werden. Wie in unserem Ausblick für 2026 dargelegt, dürften fiskalische Impulse, Investitionen in künstliche Intelligenz und die Deregulierung der Finanzmärkte das Wachstum in diesem Jahr stützen, auch wenn handelspolitische Unsicherheiten und zunehmende Fragen zur Unabhängigkeit der Zentralbanken die ohnehin schon unklare Inflationsprognose noch komplexer machen. Zudem nähern sich die meisten Zentralbanken der Industrieländer inzwischen dem Ende ihrer Lockerungszyklen.
Da die Renditen jedoch größtenteils auf einem erhöhten Niveau bleiben, bieten die Rentenmärkte Anlegern unserer Meinung nach weiterhin interessante Einstiegsmöglichkeiten. Das erhöhte Volatilitätsrisiko unterstreicht gleichzeitig die Bedeutung eines aktiven Ansatzes - sowohl aus Resilienz- als auch aus Renditesicht.
Vor diesem Hintergrund halten wir fünf Fixed-Income-Bereiche für europäische Rentenanlagen für interessant:
1. Flexible Rentenstrategien - Angemessenen Anteil liquider Vermögenswerte halten
Auf den Gesamtertrag fokussierte Rentenstrategien, die nicht an Benchmarks gebunden sind, dürften weiterhin am besten positioniert sein, um die späteren Phasen des Konjunktur- und Kreditzyklus zu meistern. Da die Zentralbanken unterschiedliche geldpolitische Strategien verfolgen, kann es zu Unterschieden beim Wachstum und bei der Inflation kommen. Dies kann die Wahrscheinlichkeit von Marktverwerfungen erhöhen - insbesondere in einer Zeit, in der die Bewertungen in den meisten Sektoren bereits erhöht sind. In einem solchen Umfeld werden aller Wahrscheinlichkeit nach Selektivität und Disziplin über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Aus unserer Sicht gibt es für europäische Anleger zwei wichtige Möglichkeiten, von der Streuung an den Märkten zu profitieren: Erstens globale Staatsanleihen- und Mehrwährungsstrategien, die in Zeiten makroökonomischer Unsicherheit in der Regel besonders gut abschneiden. Zweitens weitgehend flexible Strategien, die Anlegern durch Allokationen in verschiedene Kreditsektoren mehr Spielraum bieten, um die späte Phase des Konjunkturzyklus zu bewältigen.
Insgesamt halten wir es für entscheidend, flexibel zu bleiben und einen angemessenen Anteil liquider Vermögenswerte, wie beispielsweise Staatsanleihen, zu halten. Diese können dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit eines Portfolios zu stärken, ohne dass dabei Ertragseinbußen hingenommen werden müssen.
2. Europäische Investment-Grade-Unternehmensanleihen - Volatile Phasen bieten Chancen
Trotz der geringen Bewertungsunterschiede zwischen Regionen, Sektoren und Emittenten rechnen wir 2026 mit volatilen Phasen, die erhebliche Chancen für Zusatzerträgen durch die Titelauswahl und Sektorallokation bieten sollten. Zudem bieten europäische IG-Anleihen in der Regel auch ein erhebliches Durationspolster, das im Falle einer plötzlichen Verschlechterung der Kreditfundamentaldaten als Ausgleich für das Kreditrisiko dienen kann. Insgesamt sehen wir zunehmenden Spielraum für Zusatzerträge, wenn die Streuung wieder zunimmt.
3. Europäische High-Yield-Unternehmensanleihen - Detaillierte Fundamentalanalyse ausschlaggebend
Obwohl sich die Spreads historischen Tiefständen nähern, halten wir die Gesamtrenditen weiterhin für attraktiv. Sinkende Zinsen und starke, KI-getriebene Investitionen dürften unserer Meinung nach den Kreditzyklus verlängern, auch wenn sich Teile der US-Wirtschaft abschwächen. Darüber hinaus sollte Europa von günstigeren Finanzierungsbedingungen und soliden Ersparnissen der privaten Haushalte profitieren.
Angesichts der günstigen Kreditdynamik gehen wir davon aus, dass die Fundamentaldaten der Unternehmen weitgehend stabil bleiben und die Ausfallquoten in den nächsten zwölf Monaten auf ihr langfristiges Durchschnittsniveau zurückgehen werden. Allerdings sollten Anleger unserer Meinung nach auf eine zunehmende Streuung und steigende Extremrisiken vorbereitet sein, wobei uns eine mögliche Fehlallokation von Kapital im Private-Credit-Bereich, Kreditaktivitäten in Zusammenhang mit Rechenzentren und geopolitische Risiken die größten Sorgen bereiten. Darüber hinaus dürften strukturelle Trends wie der sich abzeichnende Umfeldwechsel in Europa zunehmend Einfluss gewinnen. Unserer Ansicht nach wird 2026 ein Jahr sein, in dem angesichts der zu erwartenden zunehmenden Streuung eine detaillierte Fundamentalanalyse der Emittenten den Ausschlag geben wird.
4. Emerging-Markets-Anleihen - Bottom-up-Titelauswahl wird wichtiger
Emerging-Markets-Anleihen können unserer Meinung nach als Anlageklasse sowohl als Ertragsquelle dienen als auch zur Diversifizierung von Rentenallokationen beitragen - insbesondere für europäische Anleger. Wir sehen Gründe dafür, die Anlageklasse strukturell positiv einzustufen, da Risiken auch vor dem Hintergrund der schwierigen politischen Dynamik in den USA derzeit zunehmend von den Industrieländern ausgehen. Aus unserer Sicht sind die derzeit hohen Renditen von Emerging-Markets-Anleihen ein recht guter Anhaltspunkt für die zu erwartenden Renditen im kommenden Jahr.
Wir sind der Meinung, dass die Anlageklasse zudem von den verhaltenen Ausfallprognosen profitieren dürfte, da sich die bereits soliden Fundamentaldaten in Bezug auf Wachstum, Fiskalpolitik und Außenhandel weiter verbessern könnten. Auch das makroökonomische Umfeld ist insgesamt positiv. Zwar haben sich die Märkte für Emerging-Markets-Anleihen in den letzten Jahren größtenteils als widerstandsfähig gegenüber geopolitischen Turbulenzen erwiesen. Wir halten es aber für wichtig, die Auswirkungen der spätzyklischen Dynamik, der sich wandelnden US-Zollpolitik sowie der geopolitischen Risiken im Auge zu behalten. In Verbindung mit zunehmenden politischen und fiskalischen Unterschieden zwischen den Ländern dürften diese Faktoren zu einer höheren Streuung führen, wodurch die Bottom-up-Titelauswahl zusätzlich an Bedeutung gewinnt. Die Bewertungen stellen derzeit insgesamt eine Herausforderung dar. Wir sehen jedoch nach wie vor vereinzelt attraktive Bewertungen, speziell bei High-Yield-Anleihen und Staatsanleihen aus kleineren Emerging-Markets-Ländern.
Sofern es nicht zu unerwarteten Schocks kommt, könnten Emerging-Markets-Anleihen unserer Meinung nach in diesem Jahr einen positiven Beitrag zu gut diversifizierten Portfolios leisten, da sie von Carry-Effekten, möglichen Zinssenkungen und der anhaltenden Schwäche des US-Dollar profitieren dürften.
5. Verbriefte Schuldtitel - Potenzial, Zinsschwankungen abzufedern
Dieses Segment des Kreditmarktes halten wir für eine nützliche Quelle für Diversifizierungspotenzial und regelmäßige Einkünfte in sektorübergreifenden Anleihen- und breit diversifizierten Portfolios. Wir gehen davon aus, dass verbriefte Titel auch 2026 im Vergleich zu Investment-Grade-Unternehmensanleihen attraktive Renditen bieten werden. Sie werden durch strukturelle Schutzmechanismen und kürzere Spread-Durationen gestützt, die dazu beitragen können, Zinsschwankungen abzufedern. Entscheidend ist unserer Ansicht nach, dass verbriefte Schuldtitel einen Zugang zu spezifischen wirtschaftlichen Treibern - Konsum, Wohnimmobilien und Gewerbeimmobilien - ermöglichen, was potenziell die Korrelation mit traditionellen Unternehmensanleihen verringert. Insgesamt haben sich die Fundamentaldaten normalisiert. Da die Performance jedoch je nach Teilsektor und Art der Kreditnehmer erheblich variieren kann, ist die Titelauswahl von entscheidender Bedeutung. Für uns zählen Non-Agency-Residential-Mortgage-Backed-Securities (RMBS), durch Verbraucherkredite besicherte Asset-Backed Securities (ABS) mit höherer Qualität sowie ausgewählte Commercial Mortgage-Backed Securities (CMBS) zu den vielversprechendsten Segmenten. Auch bei Collateralised Loan Obligations (CLOs) sehen wir vereinzelt Potenzial, da sie weiterhin durch die soliden Fundamentaldaten von Senior Secured Loans gestützt werden." (26.02.2026/alc/a/a)
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