London (www.anleihencheck.de) - Die Unterstützung für Keir Starmer wird schwächer – jüngster Auslöser dafür war der Rücktritt von Stabschef Morgan McSweeney am vergangenen Wochenende, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
McSweeney habe eine entscheidende Rolle gespielt bei der Ernennung des inzwischen in Ungnade gefallenen Peter Mandelson zum US-Botschafter.
Obwohl das Labour-Kabinett zu Beginn dieser Woche seine Unterstützung bekundet habe, könnte eine mögliche Niederlage bei den Nachwahlen in Gorton und Denton Ende dieses Monats ein entscheidender Katalysator sein. Überlebe Starmer dieses Datum, so werde jedenfalls für die Kommunalwahlen im Mai mit einer Labour-Niederlage gerechnet.
Für die nächsten Wochen sei wohl mit weiteren Informationen über Mandelsons Kommunikation mit Mitgliedern der britischen Regierung zu rechnen – die Position des Premierministers könnte schnell unhaltbar werden. Andeutungen aus dem Weißen Haus wiesen darauf hin, dass Washington Bedenken hinsichtlich Mandelson als Sicherheitsrisiko geäußert habe. Spekulationen, dass er geheimes Material weitergegeben habe, hätten Sprengkraft.
Es werde auch vermutet, dass Wes Streeting und andere Personen aus Mandelsons Umfeld durch diese schmutzige Affäre ebenfalls geschwächt werden könnten. Dies könnte einem Kandidaten aus dem linken Flügel der Labour-Partei, möglicherweise Ed Miliband oder Angela Rayner, Tür und Tor öffnen. Ein Schwenk nach links wiederum könnte erhebliche Auswirkungen auf die britischen Finanzmärkte haben. Die Erwartung einer lockeren Haushaltsdisziplin und eines Desinteresses an den Finanzmärkten könnte die Risikoprämien für britische Staatsanleihen und das Pfund zusätzlich belasten. Dieses Szenario könnte wiederum die Bank of England zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen. Sie würde insbesondere das Pfund treffen, während Bewegungen bei Staatsanleihen sicherlich zu einer steileren Zinsstrukturkurve führen würden, der die Regierung durch ein Zurückfahren der Emission von Schuldtiteln entgegenwirken könnte.
Die längerfristigen Folgen einer eher linksgerichteten Regierung könnten anders aussehen. So sei es beispielsweise möglich, dass Labour in Zukunft eine engere Beziehung zur EU anstrebe und sich von den USA distanziere. Momentan allerdings habe Reform UK Aufwind, und Labour müsse auf die populistische Partei reagieren, um die nächsten Parlamentswahlen zu überleben.
Auch für Japan sei es eine wichtige politische Woche gewesen. Sanae Takaichis haushoher Sieg verschaffe ihr als Premierministerin eine starke Position, um das Land nach ihren eigenen Vorstellungen voranzubringen. In diesem Zusammenhang konzentriere sich Takaichi darauf, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Japan zu stärken. Mark Dowding rechne mit einer Senkung der Verbrauchssteuer im Nachtragshaushalt 2026. Mark Dowding erwarte für das laufende Jahr ein Haushaltsdefizit unter 3,5%. Das liege weit unter dem Niveau fast aller anderen Industrieländer.
Vor diesem Hintergrund halte Mark Dowding die Hysterie hinsichtlich der Tragfähigkeit der japanischen Staatsverschuldung immer noch für übertrieben. Vielmehr erschienen Mark Dowding langlaufende japanische Staatsanleihen attraktiv bewertet.
Außerdem scheine Takaichi Mark Dowding sehr an einer Stabilisierung der japanischen Anleiherenditen und des Yen-Kurses interessiert zu sein. Zwar sei es wohl nicht ihr Hauptziel, den Yen zu stärken, aber auch eine weitere Währungsschwäche werde sie wohl nicht tolerieren. Die Interventionsgrenze bei einem Dollar-Yen-Kurs von 160 dürfte bestehen bleiben.
Mark Dowding gehe weiterhin davon aus, dass die Bank of Japan in diesem Jahr zwei Zinserhöhungen vornehmen werde. Auch die japanische Zinsstrukturkurve werde sich abflachen, da die Renditen kurzfristiger Anleihen als Reaktion auf die Normalisierung der Geldpolitik steigen würden. Die Renditen zehnjähriger Papiere dürften infolgedessen in etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben. Aus Sicht von Mark Dowding sollten 30-jährige japanische Staatsanleihen nicht mehr als 100 Basispunkte über 10-jährigen Anleihen gehandelt werden. Aus dieser Perspektive blieben die Renditen von 3,5% attraktiv, insbesondere da das US-Dollar-währungsgesicherte Äquivalent derzeit bei 6,5% liege.
Strukturell bleibe die Sicht von Mark Dowding auf den Yen positiv. Im Devisenbereich halte Mark Dowding es jedoch für besser, keine Position zu halten und bei einem erneuten Test dieses Niveaus durch den Yen bei über 158 JPY/USD zuzukaufen. Für japanische Aktien sei die politische Ausgangslage günstig, und ein optimistischer Ausblick könne ebenfalls dazu beitragen, Unternehmensinvestitionen und Konsumausgaben zu stärken und damit auch die Wirtschaft zu stützen. Nach einer langen Zeit im Schatten entwickle sich Japan zu einer anhaltend interessanten Investmentchance.
Ausblick
Obwohl Mark Dowding für den Rest des Monats weiterhin recht stabile Marktbedingungen bei den Leitzinsen prognostiziere, könnte der Verbraucherpreisindex überraschen. Die Inflation könnte höher als erwartet ausfallen, während die US-Wirtschaft relativ stark bleibe.
Ein möglicher KI-Wachstumsschub sei das Thema der Stunde. Dabei herrsche große Unsicherheit: Die Einführung von KI schreite schnell voran, doch Veränderungen in der Produktivität würden unter Umständen alles andere als reibungslos und linear verlaufen.
Deshalb befürchte Mark Dowding eher, dass der KI-Investitions-Wettlauf kurzfristig ein Inflationsrisiko nach sich ziehen könnte, wenn die Betreiber mit knappen Rohstoffen, Komponenten und qualifizierten Arbeitskräften konfrontiert seien. Sollte die Inflation hingegen nicht kurzfristig anziehen, könnte dies als positives Zeichen dafür zu werten sein, dass die Produktivität früher und schneller als gedacht steige – mit positiven Auswirkungen auf den Markt.
Abgesehen davon seien Großbritannien und Japan nach wie vor gute Beispiele dafür, was für ein wichtiger Markttreiber politische Unbeständigkeit sein könne. Großbritannien jedenfalls dürfte demnächst seinen siebten Premierminister in zehn Jahren erleben.
Es habe eine Zeit gegeben, in der ein solcher Führungswechsel ein Zeichen für eine politische Krise gewesen sei, etwa einst in Italien. Doch heute sei Rom unter Meloni ein Vorbild für politische Stabilität, und Großbritannien scheine diese Rolle übernommen zu haben. Die sieben britischen Premierminister vor David Cameron hätten in einem Zeitraum von 46 Jahren seit 1964 regiert, einer Zeit, in der die Beatles die Charts angeführt hätten. Heute hingegen beobachte man nicht die "Swinging Sixties" in Großbritannien. Und in Japan dürfte man in den nächsten Jahren wohl eher die "Roaring Twenties" erwarten. (Ausgabe vom 13.02.2026) (16.02.2026/alc/a/a)
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