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16.02.26 08:54
Zinsmärkte drehen: Treasuries profitieren trotz robustem Arbeitsmarkt

Wien (www.anleihencheck.de) - Letzte Woche lag voller Fokus auf den Datenveröffentlichungen zum Arbeitsmarkt und zur Inflation in den USA, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Arbeitsmarktbericht für Januar habe dabei mit einer Überraschung aufwarten können. Zur Erinnerung: Jüngste Arbeitsmarktindikatoren (ADP, offene Stellen, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung) hätten ein verhaltenes Bild gezeichnet, was die Stabilität des US-Arbeitsmarktes infrage gestellt habe. Doch der Arbeitsmarktbericht habe diese Zweifel zerschlagen. So habe die Beschäftigung im Monatsvergleich um 130 Tausend Stellen zugenommen, erwartet worden seien lediglich 70 Tausend Stellen. Bei der Arbeitslosenquote sei ein Gleichbleiben bei 4,4% erwartet worden, doch tatsächlich sei es zu einem Rückgang auf 4,3% gekommen. Vorerst scheine sich die Dynamik auf dem Jobmarkt nach der klaren Abkühlung im Jahr 2025 also wieder solide zu entwickeln, was nach Meinung der Analysten der RBI auch weiterhin so bleiben sollte.

Die US-Verbraucherpreisinflation für Januar habe Licht und Schatten gebracht. Mit 2,4% p.a. für die Gesamtrate und 2,5% p.a. für die Kernrate habe sich die Inflation im Vergleich zum Vormonat zurückgebildet. Das sei auch so erwartet worden - der Rückgang der Gesamtrate habe die Erwartungen sogar übertroffen. Die Details der Kernrate würden interessante Aspekte liefern. Das Inflationsmomentum bei den Kerngütern sei erneut gering gewesen (den dritten Monat in Folge), was gegen eine anhaltende Zollinflation spreche. Bei den Dienstleistungen aber sei das Inflationsmomentum erneut angesprungen, was zur resilienten Konjunkturentwicklung und einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt passe. Bleibe letztere intakt, könnten weitere Inflationsrückgänge bei der Kerninflation auf Sicht der nächsten Monate schwierig sein.

Positives habe es bei den volatileren Komponenten außerhalb des Kernsegments gegeben. Energiepreise seien im Januar klar rückläufig gewesen und der starke Preisanstieg bei den Lebensmittel- und Gastropreisen habe sich im Januar nicht wiederholt. In Summe könne der Januar-Inflationsbericht die Unsicherheit über den US-Inflationsausblick nicht beilegen, da dieser für alle Lager etwas parat habe.

Diese Woche würden in den USA PCE-Inflationsdaten erscheinen, deren Neuigkeitswert sich allerdings in Grenzen halten könnte, da sich das Zahlenwerk noch auf Dezember beziehe. Interessanter werde die Schätzung zum BIP im vierten Quartal. Das BIP sei im dritten Quartal mit 4,4% (p.q., annualisiert) stark ausgefallen, aber die bis dato verfügbaren Daten für das vierte Quartal zeichneten kein eindeutiges Bild, beispielsweise hätten die Einzelhandelsumsätze für Dezember zuletzt negativ überrascht. Nichtsdestotrotz werde auch für das Schlussquartal 2025 ein solides Wachstum erwartet, der GDP Nowcast der Atlanta Fed liege aktuell bei 3,7% und erste Konsensschätzungen bei 3%. Aufschlüsse bezüglich der kurzfristigen Konjunkturdynamik würden die PMIs für Februar erlauben. Die PMIs für den Industrie- und den Dienstleistungssektor hätten sich in den USA zuletzt über der 50-Punkte-Marke seitwärts bewegt und im Januar bei 52,4 bzw. 52,7 Punkten gelegen, was auf eine robuste Wachstumsdynamik hinweise.

Auch in der Eurozone stünden die PMIs für Februar auf dem Kalender. Im Industriesektor habe der PMI im Januar nach einem soliden Anstieg um 0,7 Punkte bei 49,5 Punkten gelegen. Die Analysten der RBI würden für Februar einen schwächeren weiteren Anstieg prognostizieren und sähen den PMI bei 49,7 Punkten. Im Dienstleistungssektor würden die Analysten der RBI hingegen einen leichten Rückgang von 51,6 auf 51,4 Punkte vermuten. Auch das Konsumentenvertrauen in der Eurozone sollte, basierend auf bisher verfügbaren Daten, zugelegt haben (-12,4 auf -11,4 Punkte). Beim deutschen ZEW würden die Analysten der RBI gegeben der starken Entwicklung des Sentix im Februar deutliche Anstiege prognostizieren. So dürfte die Erwartungskomponente von 59,6 auf 70,2 Punkte zulegen und die Komponente zur aktuellen Lage könnte sich der RBI-Schätzung zufolge von -72,7 auf -65,7 Punkte verbessert haben. Zusammen mit den jüngsten realwirtschaftlichen Daten zeichne die angenommene Entwicklung der Stimmungslage in der Eurozone ein konstruktives Bild, was zur positiven Einschätzung der Analysten der RBI für das Jahr 2026 passe.

Am Zinsmarkt habe sich der Renditeabwärtsdruck zuletzt von kurzen Laufzeiten auf lange Laufzeiten verlagert. Das kurze Ende der europäischen Zinskurven (IRS und Bund) sei seit Jahresbeginn durch eine weniger falkenhafte EZB-Ausrichtung im Zuge der Euro-Aufwertung und des Inflations-Rückgangs im Januar geprägt gewesen. Zinssenkungen würden aber dennoch nicht gepreist. Das lange Ende sei dem Rückgang am kurzen Ende lange nicht gefolgt, was zu steileren Zinskurven geführt habe. In den letzten Tagen habe sich das Bild jedoch umgekehrt und Duration sei am Sekundärmarkt wieder verstärkt nachgefragt worden. Die Entwicklungen in den USA seien hier nicht unwichtig gewesen.

Am Treasury-Markt sei der Abwärtsdruck stärker ausgeprägt gewesen als in Europa. Zuerst hätten etwas schwächer als erwartete Arbeitsmarktdaten im Fokus gestanden, was zu Renditerückgängen geführt habe. Der Arbeitsmarktbericht im Januar habe dieses Narrativ jedoch nicht bestätigen können. Das falkenhafte Repricing im Zuge des Arbeitsmarktberichts sei aber dennoch nur von kurzer Dauer gewesen und der Rendite-Abwärtstrend habe sich, auch im Umfeld eines taumelnden US-Aktienmarkts, fortgesetzt. Ein Blick auf die Prognosen über den Zeitraum des ersten Quartals hinweg verrate, dass der Abwärtsdruck am europäischen Zinsmarkt eher von kurzer Dauer gesehen werde. Am US-Markt könnte Inflationsentspannung die Zinssenkungserwartungen für das zweite Halbjahr 2026 noch stärker verankern und somit den Treasury-Renditen, vor allem im kurzen bis mittleren Laufzeitensegment, noch Luft nach unten verschaffen. (Ausgabe vom 13.02.2026) (16.02.2026/alc/a/a)


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