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09.02.26 10:09
EZB: Unveränderte Leitzinsen und nur marginale Anpassungen in der Kommunikation

Wien (www.anleihencheck.de) - Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euroraum lag im Januar bei 1,7% p.a., die Kerninflation bei 2,2%, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Damit würden die Werte voll den RBI-Erwartungen entsprechen und lägen unter den Dezember-Werten. Die Energieinflation sei auf -4,1% p.a. gefallen, ein stärkerer Rückgang als die-1,9% im Dezember. Die Preise für Kraftstoffe und Haushaltsenergie seien zwar angestiegen, doch die volatilen Preisentwicklungen zwischen Sommer 2024 und 2025 würden weiterhin die Jahresvergleichsdynamik verzerren. Diese Volatilität dürfte voraussichtlich bis zum Sommer 2026 anhalten. Die Kerninflation nähere sich langsam der 2%‑Marke an und reflektiere damit einen moderaten zugrundeliegenden Preisdruck. Zudem würden viele verbrauchernahe Kategorien im Januar jährlich neu bepreist, was die Volatilität im Monatsvergleich verstärke und den Ton für das restliche Jahr setzen könne. Die Güterpreise seien im Januar um -2,4% zurückgegangen (getrieben von saisonalen Ausverkäufen bei Bekleidung, Möbeln und Haushaltstextilien), exakt derselbe Wert wie im Januar 2024 und 2025. Im Dienstleistungssektor habe man einen Rückgang von 0,3% p.m. verzeichnet, was etwas niedriger als im Januar 2024 und 2025 sei (0,1% p.m.).

Der Datenkalender für die USA sei erneut durch einen Shutdown durcheinandergebracht worden. So hätten am Freitag eigentlich die Arbeitsmarkt-Daten für Januar auf der Agenda gestanden. Da aber vom 31. Januar bis zum 3. Februar wieder beträchtliche Teile des öffentlichen Sektors stillgestanden hätten, würden diese Zahlen nun erst am 11. Februar veröffentlicht werden. Zuletzt habe der Arbeitsmarkt nach einer Phase der Abkühlung wieder mit etwas mehr Stabilität aufwarten können, allerdings hätten jüngste Datenveröffentlichungen (offene Stellen, ADP-Zahlen, Arbeitslosen-Erstanträge) wieder leicht negativ überrascht - der Arbeitsmarktbericht werde also umso mehr mit Spannung erwartet. Am nächsten Freitag würden darüber hinaus die Daten zur Verbraucherpreisinflation im Januar veröffentlicht werden. Die Inflationsdynamik in den USA sei weiterhin erhöht, ein baldiges Erreichen des 2%-Ziels nicht in Sicht, was auch die Januar-Daten bestätigen sollten (Konsens-Prognose für Gesamt- und Kerninflation: 2,5% p.a.). Ein Abnehmen der Inflationsdynamik erscheine erst gegen Jahresmitte realistisch. Diese Woche werde also einige interessante Einblicke zur aktuellen Arbeitsmarkt- und Preisdynamik in den USA enthalten. Im Vergleich dazu würden die anstehenden Datenveröffentlichungen in der Eurozone unspektakulär wirken. Mit dem Sentix stehe der erste Vorlaufindikator für Februar an, die RBI erwarte einen Anstieg von -1,8 auf -0,2 Punkte. Keine Veränderung erwarte man hingegen bei der nächsten Schätzung zum BIP-Wachstum im vierten Quartal, die Schnellschätzung in Höhe von 0,3% p.q. sollte bestätigt werden.

Unveränderte Leitzinsen und nur marginale Anpassungen in der Kommunikation, so habe sich der Jahresauftakt der EZB dargestellt. Dem Thema Euro-Stärke habe man wie erwartet wenig Platz gegeben. Die jüngsten Entwicklungen an den FX-Märkten würden im Einklang mit der aktuellen Inflationsprognose erachtet, was übrigens auch auf den Inflationsrückgang auf 1,7% im Januar zutreffe. Die Hürde für eine Zinssenkung im Jahresverlauf 2026 erscheine hoch, was die RBI in der Einschätzung konstanter Leitzinsen bestärke.

An den europäischen Zinsmärkten sei die EZB-Sitzung ein sogenanntes Non-Event gewesen. Bund-Renditen seien im Vergleich zur letzten Woche fast unverändert. Relativ gesehen seien Bund-Renditen aber erhöht geblieben, weshalb die EZB-Sitzung als leicht hawkisch angesehen werden könne. Bunds hätten relativ gesehen schlechter abgeschnitten, weil US-Treasury-Renditen im Zuge schlechter US-Arbeitsmarktdaten zeitgleich zur EZB rückläufig gewesen seien. Höhere Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung und schwächere Daten zu offenen Stellen hätten Zweifel an der Stabilisierung des US-Arbeitsmarktes aufkommen lassen. Da diese Annahme einer Stabilisierung die FED dazu veranlasst habe, ihre Zinssenkungen vorerst auszusetzen, sei der FED-Ausblick wieder etwas dovisher gepreist worden. Die Grundannahme des Marktes von zwei Zinssenkungen der FED, von denen die erste im Juni erfolgen solle, bleibe unverändert, allerdings hätten sich die Risiken in Richtung früherer und weiterer Zinssenkungen verschoben. Für das lange Ende der europäischen und US-amerikanischen Zinskurven sei es erwähnenswert, dass am Sonntag in Japan Wahlen stattfinden würden. Ein Erdrutschsieg der derzeitigen Premierministerin Sanae Takaichi könnte aufgrund von Sorgen vor einer zu lockeren Fiskalpolitik zu einem Rendite-Aufwärtsdruck auf japanische Staatsanleihen führen, der auf Europa und die USA übergreifen könnte. (09.02.2026/alc/a/a)


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