Hamburg (www.anleihencheck.de) - Auf ihrer Sitzung am 5. Februar hat die EZB beschlossen, die Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 2,00% (Einlagezinssatz) und 2,15% (Hauptrefinanzierungssatz) zu belassen, so Dr. Cyrus de la Rubia und Nils Müller von der Hamburg Commercial Bank.
Christine Lagarde habe die Risiken für Inflation und Wachstum als weitgehend ausgewogen bezeichnet, allerdings innerhalb einer recht großen Bandbreite. Der stärkere Euro sei diskutiert und sei im Basisszenario der EZB berücksichtigt worden. Sie habe am bisherigen Ansatz festgehalten, datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden. Es habe keinen Hinweis auf eine Veränderung der Leitzinsen in den kommenden Monaten gegeben, weder nach oben noch nach unten.
Obwohl es im Januar einen überraschenden Rückgang der Inflation von 2,0% auf 1,7% gegeben habe, habe Lagarde betont, dass es sich hierbei lediglich um einen Monatswert handele, der das Basisszenario der EZB nicht verändere. Dieses gehe weiterhin davon aus, dass sich die Inflation mittelfristig dem Zielwert von 2% annähern werde. Interessant sei zudem der Hinweis gewesen, dass die EZB ein Schreiben an die Staats- und Regierungschefs versenden werde, die sich am 12. Februar treffen würden, um sie zu Fortschritten bei strukturellen Reformen in Europa aufzufordern, einschließlich des digitalen Euro.
Fazit: Insgesamt sei Lagardes Kommunikation zwar vorsichtig ausgefallen, doch angesichts des sehr niedrigen Inflationswerts hätten sich die Chancen erhöht, dass die EZB noch eine Weile untätig bleibe oder die Zinsen sogar senke. Ein Unsicherheitsfaktor seien dabei sicherlich die Energiepreise, die in den vergangenen Wochen aufgrund der Wetterlage und der Spannungen mit Iran stark geschwankt hätten.
Highlights (Zitate würden von EZB-Präsidentin Christine Lagarde stammen):
Zu den Risiken für Inflation und Wachstum: "Wir sehen keine Verringerung der Bandbreite der Risiken. […] Die Risiken [für Inflation und Wachstum] sind weitgehend ausgewogen."
Anmerkung: Lagarde habe in Bezug auf das Wachstum eher optimistisch geklungen und betont, dass "Investitionen die große Geschichte sind", nicht nur im öffentlichen, sondern auch im privaten Sektor, wobei ein großer Teil davon in den IKT‑Bereich (Informations- und Kommunikationstechnologie) einschließlich KI‑bezogener Branchen fließe. Hinsichtlich der Inflation habe sich Lagarde auf die Lohnentwicklung konzentriert, die auf ein nachlassendes Lohnwachstum hindeute. Und obwohl die Inflation derzeit unter dem Zielwert liege, sei dies laut Lagarde in der September-Prognose erwartet worden (bevor diese Prognose nach oben revidiert worden sei). Daher ändere diese Entwicklung nichts an der Einschätzung, dass die Inflation mittelfristig das Ziel erreichen werde.
Anmerkung: Nach dem kurzen Anstieg des EUR/USD auf 1,20 habe sich der Wechselkurs wieder beruhigt. Lagarde habe argumentiert, dass die Aufwertung nicht in den letzten Tagen erfolgt, sondern bereits seit März und daher in den Prognosen berücksichtigt worden sei. Allerdings sei allein der Umstand, dass die EZB dieses Thema diskutiert habe - was normalerweise nicht der Fall sei - bereits eine Botschaft an sich: Es bedeute, dass die EZB dem Wechselkurs sehr wohl Aufmerksamkeit schenke und dass eine deutliche Aufwertung den Ausblick für Inflation und Wachstum nach unten verschieben würde.
Zum Arbeitsmarkt: "Der Arbeitsmarkt befindet sich sicherlich nicht in einer schwierigen Lage."
Anmerkung: Auf die Frage nach ihrer Einschätzung des Arbeitsmarkts habe Lagarde darauf hingewiesen, dass viele Arbeitsmarktindikatoren zeitverzögert seien, dass jedoch die Erwerbsbeteiligung gestiegen sei, dass offene Stellen langsamer zunähmen als in der Vergangenheit und dass "die Arbeitslosigkeit nahezu auf einem historischen Tiefstand liegt" (im Dezember bei 6,2% nach 6,3% im November). Insgesamt habe sie sehr optimistisch in Bezug auf den Arbeitsmarkt gewirkt, was nicht ganz zu den Erfahrungen insbesondere im deutschen verarbeitenden Gewerbe passe.
Zur Ernennung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der Federal Reserve: "Ich begrüße seine Ernennung sehr."
Anmerkung: Lagarde habe erwähnt, dass sie ihn aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin kenne, sich jedoch nicht weiter geäußert und sei insbesondere nicht auf das Thema der politischen Unabhängigkeit der FED eingegangen.
Zum Schreiben an die europäischen Staats- und Regierungschefs, die EU‑Kommission und den Europäischen Rat: "Wir werden [dieses Schreiben als eine Art] Checkliste versenden, um die Stärke Europas freizusetzen."
Anmerkung: Dies sei ein ungewöhnlicher und ausgesprochen politischer Schritt. Die Checkliste, die anlässlich des Treffens der europäischen Staats- und Regierungschefs am 12. Februar verschickt werde, enthalte Empfehlungen zur Vertiefung der Spar‑ und Investitionsunion, zur Förderung von Innovation, zur Beschleunigung des Digitalen Euro, zur Vertiefung des Binnenmarkts sowie zur Vereinfachung des legislativen und verfassungsrechtlichen Rahmens, unter anderem. Der Schritt zeige, dass sich die EZB über die geringen Fortschritte in diesen Bereichen Sorgen mache. Es sei unklar, ob dieser politische Vorstoß von einigen Regierungen als unzulässige Einmischung betrachtet werden könnte. (06.02.2026/alc/a/a)
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