Hannover (www.anleihencheck.de) - Über Truth Social hat Donald Trump heute mitgeteilt, dass er den früheren FED-Gouverneur Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank machen will, so die Analysten der NORD LB.
Der Kongress müsse dieser Personalentscheidung nun noch zustimmen. Warsh gelte nicht als geldpolitische Taube. Dieses Faktum möge durchaus helfen, die US-Kapitalmarktzinsen von der Einpreisung deutlich erhöhter Inflationserwartungen abzuhalten; auch die Währung der Vereinigten Staaten könnte von dieser Personalentscheidung Donald Trumps profitieren. Mit Blick auf das für das Weiße Haus zentrale Thema "Leitzinssenkungen" habe der US-Präsident eindeutig den defensiveren Kevin ausgewählt! Allerdings werde auch Warsh auf zügige Anpassungen der Fed Funds Target Rate nach unten drängen.
Die sich abzeichnenden Zinssenkungen würden allerdings weitere Diskussionen über die Unabhängigkeit der FED auslösen. Die faktische Bedeutung dieser Fragestellung sollte aber wohl auch nicht überbewertet werden. In der Vergangenheit habe es eigentlich immer politischen Druck auf die FED gegeben. Die US-Notenbanker hätten sich den Wünschen des Weißen Hauses mal mehr und mal weniger stark gebeugt, Sorgen um die Beschäftigungssituation hätten aber generell gesprochen eine besondere Bedeutung. Die Arbeiten von Allan Meltzer und Thomas Havrilesky würden dies sehr klar belegen. Insofern sei die Unabhängigkeit der FED ohnehin eher eine Art "Schönwetterregelung"!
Fazit: Mit Kevin Warsh nominiere Donald Trump eindeutig den defensiveren Kevin für den Posten des US-Notenbankchefs. Dieser werde dann sicherlich schon bald auf Zinssenkungen drängen, bei diesem Ansinnen aber wohl mehr Augenmaß als der andere Kevin. Warsh könne zudem nicht im Alleingang über das Leitzinsniveau in den Vereinigten Staaten entscheiden. Im FOMC würden weiterhin auch Geldpolitiker sitzen, die die Fed Funds Target Rate aktuell lieber gar nicht senken wollen würden. Spannend werde an dieser Stelle das Verhalten von Jerome Powell. Dieser könnte nun entweder seinen Rücktritt verkünden, oder der US-Notenbank - vielleicht auch aus Trotz - als "einfacher" Gouverneur vorerst erhalten bleiben. Vielleicht sei es an dieser Stelle gut, dass wir nicht in seinen Kopf blicken könnten. Könne es für Powells Lebensplanung - nach dem übermäßigen Druck aus dem Weißen Haus - wirklich eine attraktive Option sein, der FED als hochrangiger Offizieller mittelfristig erhalten zu bleiben? (02.02.2026/alc/a/a)
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