Hannover (www.anleihencheck.de) - Die ohnehin schon erfreulichen Zahlen zur US-BIP-Entwicklung im 3. Quartal sind jüngst sogar noch ganz leicht nach oben revidiert worden, so Tobias Basse und Constantin Lüer von der NORD/LB in der aktuellen Ausgabe von "Economic Adviser".
Damit werde nun eine annualisierte Veränderungsrate von mehr als beachtlichen 4,4% ausgewiesen. Diese Zahlen seien zweifellos eine erfreuliche Überraschung. Das weithin beachtete GDPNow der Atlanta Fed zeige für das 4. Quartal zudem ein Wachstum oberhalb der fast schon magischen Marke von annualisiert 5,0% an. Die Analysten der NORD/LB würden an dieser Stelle vorsichtig bleiben und weiterhin gewisse belastende Effekte durch den Shutdown erwarten.
Erwartungsgemäß habe das FOMC zum Start des neuen Jahres zunächst auf Zeit gespielt und die Fed Funds Target Rate vorerst nicht weiter gesenkt. Diese Nachricht stelle jedoch keine größere Überraschung dar; zur Erklärung der zögerlichen Haltung der Fed möge auch auf den Streit zwischen Donald Trump und Jerome Powell verwiesen werden. Im März würden die Karten nun neu gemischt. Sollte dann auch keine Anpassung der Fed Funds Target Rate nach unten vorgenommen werden, dürfte es ab Mai 2026 zu kompensatorischen Maßnahmen der Notenbank kommen. Die US-Leitzinsen würden somit sehr wahrscheinlich also noch recht spürbar fallen. Die Analysten der NORD/LB würden im Laufe des 2. Halbjahres damit rechnen, dass die obere Grenze der Fed Funds Target Rate auf 3,00% fallen dürfte. Damit würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest ein nicht negatives reales Leitzinsniveau realisiert. Dem Arbeitsmarkt und dem Immobilienmarkt des Landes dürften entsprechende geldpolitische Impulse sicherlich helfen.
Die "drohenden" neuen Leitzinssenkungen müssten den US-Dollar nicht notwendigerweise weiter belasten. Viele Marktteilnehmer hätten zwischenzeitlich regelrecht Angst vor viel schlimmeren Entwicklungen gehabt; so sei beispielsweise über ein "Plaza-Abkommen 2.0" und sogar eine Art "kleiner Schuldenschnitt" diskutiert worden, was den US-Dollar nachhaltig unter Druck gesetzt habe. Entsprechend schwach präsentiere sich die Währung der Vereinigten Staaten. Sicherlich habe die US-Regierung ein Problem mit den Staatsfinanzen. Starkes Wirtschaftswachstum allein werde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen, um dieser zentralen Herausforderung angemessen zu begegnen. Einsparungen, die vor den wichtigen nächsten Wahlen sicherlich schmerzhaft wären, sollten daher notwendig werden. Auch niedrigere Zinsen müssten bei der Finanzierung des Staatshaushaltes helfen. Zudem seien Wechselkurse ein relativer Preis - sprich eine Währung ausgedrückt in einer anderen Währung - und auch andere Länder (z.B. Japan) würden mit ihrer Staatsverschuldung ringen.
Weiterhin solle der sich abzeichnende internationale Erfolg der Stablecoins den USA bei der Finanzierung der Staatsausgaben bald helfen können. Die akute Schwäche der US-Währung dürfte in erster Linie durch Spekulationen über mögliche koordinierte Interventionen zur Stützung des Japanischen Yen ausgelöst worden sein. Dieser Auffassung folgend würden Tokio und Washington gemeinsam versuchen eine Trendwende am Markt für die japanische Währung herbeizuführen, was den US-Dollar zunächst grundsätzlich belaste. (Ausgabe Februar 2026) (02.02.2026/alc/a/a)
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