Zürich (www.anleihencheck.de) - In diesem Jahr steht der Markt für Schwellenländeranleihen vor einer bedeutenden Transformation, so Enzo Puntillo, Leiter Emerging Market Fixed Income im Asset Management der Zürcher Kantonalbank, der delegierten Asset Managerin von Swisscanto LU Fonds.
Schon 2025 sei es zu einem Wendepunkt gekommen: Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt hätten Schwellenländeranleihen eine deutliche Outperformance gegenüber Anleihen entwickelter Märkte erzielt und das Jahr 2025 sogar mit einer Performance von 14 Prozent für Hartwährungsanleihen und 19 Prozent für Lokalwährungsanleihen abgeschlossen. Dieses Comeback habe das Anlegerinteresse an diesem Anleihensegment befeuert. Es gebe drei zentrale Themen, die die Entwicklung von Schwellenländeranleihen dieses Jahr prägen würden: historisch niedrige Inflation in den Schwellenländern, hohe Realrenditen sowie ein Wirtschaftswachstum in wichtigen aufstrebenden Volkswirtschaften, das die Erwartungen übertreffe. Gemeinsam könnten diese Faktoren ein vielversprechendes Umfeld für Anleiheinvestoren schaffen, die in einer sich wandelnden globalen Dynamik attraktive Renditen suchen würden.
Historisch niedrige Inflation in Schwellenländern
Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen der letzten Jahre sei der signifikante Rückgang der Inflation in vielen Schwellenländern gewesen. In diesem Jahr dürfte die Teuerung historische Tiefststände erreichen - sowohl in absoluten Zahlen als auch im Vergleich zu entwickelten Märkten. Dieser Trend werde durch zwei Hauptfaktoren angetrieben: durch das entschlossene Handeln vieler Zentralbanken während des Inflationsanstiegs in den Jahren 2021 und 2022 sowie durch den steigenden Anteil chinesischer Importe in Schwellenländern - wegen der niedrigen Produktionskosten in der Volksrepublik sei die dortige Disinflation oder sogar Deflation in diese Schwellenländer exportiert worden.
Dieses Umfeld niedriger Inflation habe zu hohen Realzinsen und attraktiven Renditen für Anleiheinvestoren geführt: Länder, die zuvor hart gegen die Inflation vorgegangen seien und die Geldpolitik gestrafft hätten, müssten nicht zwingend wieder die Zinsen senken, wenn sich die Inflation auf einem niedrigeren Niveau stabilisiere. Das schaffe ein günstiges Umfeld für Anleiheinvestoren, mit sinkender Inflation bei gleichzeitig hohem Carry. Das gelte insbesondere für Länder wie Brasilien, Mexiko und Südafrika.
Gleichzeitig reduziere die niedrigere Inflation in Schwellenländern den Abwertungsdruck auf Schwellenländerwährungen: Wenn die Inflation in Schwellenländern niedriger ausfalle als in Industrieländern, verbessere sich die relative Kaufkraft ihrer Währungen - diese müssten 2026 wahrscheinlich weniger real abwerten und könnten in einigen Fällen sogar aufwerten. Diese Dynamik beruhe auf der Theorie der Kaufkraftparität: Ihr zufolge würden sich Wechselkurse im Laufe der Zeit so entwickeln, dass die Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen zwischen Ländern ausgeglichen würden. Bei niedrigerer relativer Inflation sei es daher weniger wahrscheinlich, dass Schwellenländerwährungen an Wert verlieren würden. Das könne zusätzliche Stabilität und potenzielle Vorteile bieten.
Realrenditen historisch hoch
Das gelte insbesondere für Länder wie Brasilien, Mexiko, Südafrika und die Türkei. Brasilien sei beispielsweise seit Langem für seine hohen Zinssätze bekannt. Und da das südamerikanische Land die Inflation unter Kontrolle gebracht habe, würden die Realrenditen des lokalen Anleihemarktes mit gegenwärtig 9 bis 10 Prozent zu den attraktivsten weltweit gehören. Mexiko wiederum steche durch ein stabiles makroökonomisches Umfeld hervor und biete wettbewerbsfähige Realrenditen. Auch die Türkei, die in den letzten Jahren wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen gehabt habe, biete einzigartige Chancen. Mit weiterhin hohen Leitzinsen und einer rückläufigen Inflation würden türkische Anleihen interessante Realrenditen aufweisen, die sich in den nächsten zwölf bis 36 Monaten in starke Gesamtrenditen umwandeln könnten.
Für Investoren, die in einem globalen Niedrigzinsumfeld nach Rendite suchen würden, seien diese Chancen im Markt für Schwellenländeranleihen kaum zu übersehen. Die Kombination aus hohen Realrenditen und einer Verbesserung der makroökonomischen Fundamentaldaten spreche deutlich für eine Allokation in dieses Segment.
Wirtschaftswachstum übertreffe Erwartungen
Zwei weitere zentrale Themen für 2026 seien die Widerstandsfähigkeit und das Wachstumspotenzial der Schwellenländer. Trotz globaler wirtschaftlicher Gegenwinde würden viele aufstrebende Volkswirtschaften schneller wachsen als der Markt es gegenwärtig einpreise. Das gelte insbesondere für Regionen, die Strukturreformen umgesetzt und ihre Wachstumsfaktoren diversifiziert hätten. Länder in Asien, Lateinamerika und Afrika würden demografische Vorteile, technologische Fortschritte und politische Reformen nutzen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben. Sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Schwellenländern die Erwartungen übertreffen, steige auch das Renditepotenzial - und mache Schwellenlandanleihen in Lokalwährungen zu einem attraktiven Investment.
Auch China gewinne heute wieder an Glanz zurück. Nach einer geplatzten Immobilienblase seien die Aussichten für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den vergangenen Jahren verhalten gewesen. Zwar bleibe die Situation weiterhin komplex, jedoch gebe es erste Anzeichen für eine Stabilisierung: Die Immobilienpreise hätten erheblich korrigiert, und der Bestand an unverkauften Immobilien gehe langsam zurück. Eine solche Entwicklung habe sich schon öfter als positiver Frühindikator für eine Erholung in den kommenden Jahren erwiesen. Zwar könnten die Preise 2026 auch weiter sinken, während der Markt diese Ungleichgewichte abbaue. Es bestehe allerdings auch das Potenzial, dass sich der Immobilienmarkt bis 2027 stabilisiere - und das könne wiederum eine solidere Grundlage für künftiges Wirtschaftswachstum bieten.
Es gebe aber auch die Bedenken, dass China in die sogenannte "Middle-Income-Trap" geraten könnte. Gleichzeitig entwickele die Volksrepublik ihr Wirtschaftsmodell jedoch weiter, bewege sich in der Wertschöpfungskette nach oben und stärke ihre Position als globale Technologieführerin und Innovationsmotor. Diese strukturellen Veränderungen dürften auch ein nachhaltiges und langfristiges Wachstum unterstützen.
Positive Perspektiven für Schwellenländeranleihen für 2026
Mit Blick auf 2026 könne der Markt für Schwellenländeranleihen nach Meinung von Swisscanto von einer einzigartigen Kombination makroökonomischer Rückenwinde profitieren. Eine historisch niedrige Inflation, hohe Realrenditen und BIP-Wachstumsraten über den Erwartungen würden ein Umfeld schaffen, das für Anleiheinvestoren von Vorteil sein könne. Länder wie Brasilien, Mexiko, Südafrika und die Türkei würden einige der weltweit attraktivsten Realrenditen bieten und auch das breitere Schwellenländer-Universum dürfte durch ein robustes Wirtschaftswachstum überzeugen. Durch eine sorgfältige Auswahl von Märkten und Anlagen könnten sich Investoren positionieren, um von den Chancen dieser dynamischen Anlageklasse zu profitieren. (28.01.2026/alc/a/a)
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