Boston (www.anleihencheck.de) - Die heutige Fed-Sitzung dürfte als Non-Event in die Geschichte eingehen, sagen Kish Pathak, Fixed Income Research Analyst, und Erik Weisman, Chefökonom bei MFS Investment Management.
Sowohl die widersprüchliche Datenlage als auch politische Vorsicht würden dafür sorgen, dass sich die amerikanische Notenbank bei Zinssenkungen wohl vorerst zurückhalten werde.
Von der Fed seien momentan keine Zinsüberraschungen zu erwarten. Dies seien die Gründe:
2. Der US-Arbeitsmarkt sei schwach, aber er breche nicht ein. Optimisten würden argumentieren, dass ein kräftiges Wirtschaftswachstum letztlich auch zu steigender Beschäftigung führen werde. Es bleibe jedoch die Frage offen, wie sich die Migrationsbeschränkungen auf die angespannte Lage am Arbeitsmarkt auswirken würden - und in dieser Debatte werde das Tempo der Lohninflation entscheidend sein. Klare Antworten seien in naher Zukunft unwahrscheinlich.
3. Die Inflation gehe zurück, allerdings sehr langsam. Hier gebe es zwei Interpretationen: Die Optimisten würden glauben, dass die erhöhten Zölle bereits durchgereicht worden seien, so dass die nachlassende Inflation der Warenpreise, zusammen mit niedrigeren Löhnen und Wohnungsmieten, die Kerninflation bis Ende 2026 auf das 2‑Prozent‑Ziel der Fed drücken werde. Die Pessimisten dagegen würden meinen, dass die Ursache der positiven Inflationsentwicklung vielmehr in den hohen Importen und dem Verkauf von Lagerbeständen im Zuge des "Liberation Days" zu suchen sei. Danach wäre zukünftig mit einer höheren Kerninflation zu rechnen. Auch bei dieser Frage werde es eine Weile dauern, bis Klarheit herrsche.
4. Außerdem habe sich das US-Wirtschaftswachstum zuletzt überraschend positiv entwickelt, und die finanziellen Rahmenbedingungen für Unternehmen und Verbraucher würden günstig bleiben. Abzuwarten, bis die zukünftige Entwicklung klarer erscheine, koste nichts.
5. Und schließlich wolle die Fed ihre Unabhängigkeit behaupten. Dafür sprächen Jerome Powells trotzige Reaktion auf die Vorladung des Justizministeriums und die anschließenden Kommentare des Notenbankers Neel Kashkari. Auch das Weiße Haus scheine auf die Reaktionen des Marktes zu reagieren, indem es Kevin Hassets Kandidatur als neuer Fed-Chair herunterzuspielen versuche. Eine Folge dieser politischen Dynamik könnte eine noch vorsichtigere Geldpolitik der Fed sein. (28.01.2026/alc/a/a)
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