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28.01.26 10:55
Anleihen 2026: Mehr Volatilität möglich - Spreads könnten sich ausweiten

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach einem der "Börsen-Kalendereffekte" weisen Jahre mit einer geraden Endziffer im Durchschnitt eine höhere Volatilität und eine geringere Performance auf als Jahre mit einer ungeraden Endziffer, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer der Raiffeisen Capital Management (Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H., Raiffeisen KAG).

Eine klare statistische Evidenz hierfür gebe es zwar nicht, aber einige größere Kapitalmarkt-Verwerfungen in geraden Kalenderjahren seien noch gut in Erinnerung, wenn man an die Jahre 2022 (Ukrainekrieg), 2020 (Coronakrise) oder 2018 (Beginn des Handelskonflikts USA-China) zurückdenke. Besonders nachhaltig hätten sich die globale Finanzkrise im Jahr 2008 und das Platzen der Dot.com-Blase im Jahr 2000 ins Gedächtnis der Marktteilnehmer:innen eingebrannt.

Die Rahmenbedingungen für das Kapitalmarktjahr 2026 erscheinen jedoch überwiegend konstruktiv, denn die Kombination aus stabil erwartetem Wirtschaftswachstum mit rückläufig prognostizierten (US-)Zinsen, das robuste Gewinnwachstum und der KI-Megatrend, die US-Steuersenkungen und -Deregulierungen sowie die massiven Investitionen in der Euro-Zone, insbesondere in Deutschland, sollen sich positiv niederschlagen, so die Experten der Raiffeisen KAG.

Allerdings sei ein Gutteil dieser erwarteten Entwicklungen schon im Vorjahr eingepreist worden, was sich auch an den mitunter überzogenen Bewertungen zeige. Über das Gesamtjahr sei daher insbesondere für die US-Börsen mit einer etwas gedämpfteren Entwicklung als zuletzt zu rechnen - so deute es schon die Statistik für Jahre mit Zwischenwahlen an, die Anfang November in den USA stattfänden.

Auch das durchschnittliche Jahresend-Kursziel der Analyst:innen für den S&P 500-Aktienindex signalisiere ein geringeres Kurspotenzial als im Vorjahr, wobei der potenzielle Ertrag für Euroinvestor:innen infolge des etwas schwächer erwarteten US-Dollar geschmälert werden könnte. Europa und den Emerging Markets werde 2026 - auch angesichts der niedrigeren Bewertungen - eine größere Aufwärtsdynamik als den USA zugetraut.

Auf Sektorebene werde eine Verbreiterung des Gewinnwachstums und eine geringere Konzentration auf die großen IT-Unternehmen erwartet. Als größte Sorge gelte unter den Marktbeobachter:innen das Konzentrations- und Bewertungsrisiko ("AI-Bubble"), gefolgt vom erneuten Aufkeimen der Inflation und einem schwachen Arbeitsmarkt.

Darüber hinaus sei auch in diesem Jahr wieder von einigen geopolitischen Spannungen auszugehen, die temporär für erhöhte Volatilität am Kapitalmarkt sorgen würden. Basierend auf ihren aktuellen fundamentalen Marktanalysen würden die Experten der Raiffeisen KAG in der Taktischen Asset Allocation "risk-on" positioniert bleiben.

Staatsanleihen: Selektive Chancen bei Papieren aus Australien und Großbritannien

Die Experten der Raiffeisen KAG würden vor allem sinkende Renditen bei französischen und deutschen Staatsanleihen mit der Tendenz zu mittleren Laufzeiten (5 Jahre) erwarten. Daneben würden sie auf australische und britische Staatsanleihen setzen. Innerhalb der investierten Staatsanleihen würden sie aktuell US-Staatsanleihen versus Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen präferieren.

Unternehmensanleihen: Steigende Risikoprämien wahrscheinlich

Am Markt für Corporate Bonds würden die Experten der Raiffeisen KAG bei US-High-Yield-Unternehmensanleihen und nun auch erstmals seit langem bei Euro-IG-Corporate Bonds eher vorsichtig bleiben. In Abhängigkeit vom Marktumfeld könnten auf Jahressicht die Risikoprämien ansteigen. In Anbetracht der extrem niedrigen Risikoprämien (ähnlich wie 06/07) dürfte deren Anfälligkeit gegenüber Event-Risiken hoch sein.

Emerging Markets-Anleihen auf dem Radar vieler Anleger:innen

Emerging-Markets-Anleihen seien zuletzt sehr gesucht gewesen und hätten weitere Spreadeinengungen verzeichnet. Die Experten der Raiffeisen KAG seien bei dieser Anleiheklasse zurückhaltend gewesen und würden dies bis auf weiteres bleiben. Anstelle von Emerging Markets-Hartwährungsanleihen würden die Experten der Raiffeisen KAG Duration äquivalente US-Staatsanleihen präferieren.

Entwickelte Aktienmärkte: Positive Aussichten dank starker Unternehmensgewinne

Die globalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Monaten weiterhin recht fest präsentiert. Neben besser als erwarteten Konjunkturdaten hätten sich einmal mehr die Unternehmensgewinne als wichtiger Unterstützungsfaktor erwiesen. Zuletzt seien auch die Gewinnerwartungen für die nächsten Quartale nach oben genommen worden. Aufgrund der guten Rahmenbedingungen sähen die Experten der Raiffeisen KAG diese Assetklasse als sehr positiv und hätten sich entsprechend positioniert.

Emerging Markets-Aktien: Für weitere Anstiege müssten Unternehmensgewinne folgen

Die Outperformance von Aktien der Schwellenländer halte weiterhin an. Es sehe immer mehr danach aus, als finde nach dem viele Jahre andauernden Abwärtstrend eine Bodenbildung statt. Allerdings sei zu beobachten, dass die Bewertungen zuletzt stärker angestiegen seien, weil die Gewinne (noch) nicht so realisiert würden wie bisher erwartet. Damit sei auch das größte potenzielle Risiko angesprochen: Für weitere Anstiege müssten nun Unternehmensgewinne folgen.

Rohstoffmärkte: Gold auf Rekordjagd

Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich zuletzt durchwegs positiv präsentiert. Weiter auf Rekordjagd halte Gold den Aufwärtstrend aufrecht. Strukturell würden Zentralbankkäufe für anhaltende Unterstützung sorgen. Energierohstoffe würden zuletzt aufgrund der fragilen Situation im Iran stärker tendieren, während auch Industriemetalle ihren Aufwärtstrend fortsetzen würden. Aufgrund der Attraktivität der breiten Rohstoffmärkte (ex Agrar und Lebendvieh) würden die Experten der Raiffeisen KAG in der Taktischen Asset Allokation eine Position öffnen. (28.01.2026/alc/a/a)


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