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28.01.26 09:51
Fed vs. Trump: Schlagabtausch mit hohem Einsatz

München (www.anleihencheck.de) - Der Geldpolitische-Kurs der US-Notenbank für diese Woche ist gesetzt, so Eric Winograd, Chief US Economist bei AllianceBernstein.

Wichtiger seien in diesen Wochen zwei Fragen: Wie unabhängig bleibe die Federal Reserve (Fed) und wer folge auf den scheidenden US-Notenbankchef Jerome Powell? Die Angriffe Trumps auf hohe Entscheidungsträger wie Gouverneurin Lisa Cook würden zeigen, wie viel auf dem Spiel stehe. Wie er diese politischen Entwicklungen einordne und warum Jerome Powell auch nach seiner Amtszeit eine zentrale Rolle bei der Verteidigung der Unabhängigkeit der Fed einnehmen könnte, erläutere Winograd.

Wie unabhängig bleibe die Fed und wer folge auf den scheidenden US-Notenbankchef Jerome Powell? Zwei grundlegende Fragen, die 2026 rund um die Geldpolitik im Fokus stünden. Erst vergangene Woche sei die Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof im Fall Trump gegen Cook gestartet. Dabei gehe es darum, ob Gouverneurin Lisa Cook in ihrem Amt bleiben dürfe. Zuvor habe Trump von seinem Recht Gebrauch machen wollen und Cook wegen angeblichen Hypothekenbetrugs aus der Zeit vor ihrem Amtsantritt als Gouverneurin entlassen wollen. Rechtsanalysten, die den Fall beobachtet hätten, würden davon ausgehen, dass die Richter Gouverneurin Cook in ihrem Amt belassen würden. In einem zweiten Fall "Trump gegen Slaughter", stehe die Frage im Raum, ob der Präsident das Recht habe, Beamte unabhängiger Behörden, die vom Kongress geschaffen worden seien, zu entlassen - oder ob der Oberste Gerichtshof eine Ausnahme für die Fed schaffen werde.

Gleichzeitig scheine die Regierung zu versuchen, Fed-Chef Jerome Powell wegen angeblicher Straftaten im Zusammenhang mit Kostenüberschreitungen bei der Renovierung von Fed-Gebäuden anzuklagen. Offensichtlich sei dies eine weitere Eskalation der Angriffe der Regierung auf die institutionelle Unabhängigkeit der Fed. Inzwischen habe die US-Notenbank mit einer eigenen Erklärung reagiert. Dieser außergewöhnliche Schlagabtausch mache deutlich, wie hoch der Einsatz sei.

Wo stehe die Fed nun? Zunächst werde das FOMC diese Woche zusammentreten und voraussichtlich die Zinsen unverändert lassen. Angesichts des stabilen Arbeitsmarktes, der hartnäckigen Inflation, die über dem Zielwert liege, sowie des starken Wachstums und der starken Finanzmärkte gebe es keinen Grund für eine Zinssenkung in diesem Monat. Der Leitzins liege aktuell wieder im Bereich der neutralen Schätzungen. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass das Komitee im Verlauf des Jahres weiterer Zinssenkungen vornehmen werde. Eine Abschwächung des Arbeitsmarktes sei absehbar. Für weitere Zinsschritte würden die US-Währungshüter jedoch weitere Belege benötigen - aktuell pausiere das Komitee aus rein wirtschaftlichen und nicht aus politischen Gründen.

Das nächste wichtige Thema nach dieser Sitzung sei die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell, dessen reguläre Amtszeit im Mai zu Ende gehe. Klar sei, dass Präsident Trump nicht beabsichtige, ihn erneut als Vorsitzenden zu ernennen. Die Eskalation der Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed habe die Nachfolgediskussion jedoch in zweierlei Hinsicht kompliziert.

Zum einen hätten einige Senatoren, die jeden Kandidaten bestätigen müssten, bereits erklärt, dass sie dies nicht tun würden, solange das Gerichtsverfahren gegen Jerome Powell nicht abgeschlossen sei. Man gehe davon aus, dass diese Frage entweder dadurch geklärt werden könne, dass die Regierung die Ermittlungen einstelle, oder dass die Senatoren nachgäben, wie es der Kongress im vergangenen Jahr bereits bei mehreren anderen Themen getan habe. Wenn der Senat nicht handele, würde der Vorsitzende Powell wahrscheinlich bis zur Bestätigung seines Nachfolgers im Amt bleiben.

Der zweite Grund sei, dass Powell sich dafür entscheiden könnte, auch nach seiner Ablösung als Vorsitzender Gouverneur zu bleiben. Seine Amtszeit als Gouverneur laufe erst am 21. Januar 2028 aus. Frühere Vorsitzende seien unter ähnlichen Umständen zurückgetreten. Man habe lange erwartet, dass Powell denselben Weg wählen werde. Wenn er jedoch zu dem Schluss komme, dass sein Verbleib dazu beitrage, die Unabhängigkeit der Fed zu schützen, könnte die Regierung nicht viel dagegen unternehmen.

Aufgrund dieser Unsicherheit sei es sehr wahrscheinlich, dass die Regierung den nächsten Fed-Vorsitzenden ernennen werde, um den derzeit offenen Sitz im Vorstand zu besetzen, der vorübergehend von Gouverneur Stephen Miran gehalten werde. Der Hintergrund: jeder externe Kandidat müsse vor seinem Amtsantritt zum Gouverneur ernannt werden. Wenn Powell nicht zurücktrete, wäre sein Sitz als Gouverneur nicht verfügbar. Angesichts der Mechanismen der Bestätigung durch den Senat müsse die Ernennung jedoch in den nächsten Wochen erfolgen. Die Kandidaten von außerhalb der Fed, die diskutiert würden, seien Kevin Hassett, Kevin Warsh und Rick Rieder. Basierend auf den öffentlichen Überlegungen von Präsident Trump schwankten die Wettmärkte zwischen den einzelnen Kandidaten. Einziger interner Kandidat sei der amtierende Gouverneur Christopher Waller.

In der Zwischenzeit scheine die Richtung der Geldpolitik vorerst festgelegt zu sein, sodass man sowohl die Schlagzeilen als auch die Daten beobachten müsse. (Ausgabe vom 27.01.2026) (28.01.2026/alc/a/a)


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