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23.01.26 14:00
"Unabhängige" Zinsen: Das Gerangel um Zinssenkungen wird die Börse belasten

Paris (www.anleihencheck.de) - Showdown in den USA: Mit Donald Trump im Weißen Haus versprechen auch scheinbar langweilige Notenbanksitzungen, mit viel Fachchinesisch und Geschwafel, spannend zu werden, so Olaf Hordenbach von der BNP Paribas.

Am kommenden Dienstag und Mittwoch stehe die traditionelle Zinssitzung der FED in den USA an. Es werde entschieden, ob die Leitzinsen in den USA steigen würden, bleiben wo sie seien, oder fallen würden. Nun, dazu sollte man wissen, dass die US-Notenbank zwei Ziele verfolgen müsse, nämlich die Stabilität der Preise und eine maximale Beschäftigungsquote. Bei beiden Punkten hapere es etwas. Die Inflationsrate habe im Dezember auf das Jahr hochgerechnet bei 2,7 Prozent gelegen und damit unverändert zum Vormonat. "Unverändert 2,7 Prozent" seien nicht schlecht, würden aber trotzdem eine Verteuerung darstellen, die über den 2 Prozent liege, die man unter Ökonomen als legitime und dem Wachstum förderliche Inflationsrate akzeptiere. Alles, was darüber liege, sei keine Katastrophe, könnte aber auf Dauer die Wirtschaft belasten und werde deshalb als problematisch eingestuft.

Und die Arbeitslosenquote? Sie habe in den USA im Dezember bei 4,4 Prozent gelegen, nach 4,5 Prozent im November. Auch nicht schlecht, aber eben auch nicht "maximal". In den zurückliegenden Sommermonaten habe die Quote zwischen 4,1 und 4,3 Prozent gelegen, habe sich also leicht verschlechtert. Andererseits: Wintermonate seien ohnehin keine guten Monate für den Arbeitsmarkt, da etwa Baustellen geschlossen seien, insofern ginge das so noch in Ordnung. Berücksichtige man beide Punkte, Preisstabilität und maximale Beschäftigung, so sei sich Hordenbach fast sicher, dass die FED in der kommenden Woche die Zinsen unverändert lassen werde. Knackpunkt sei die Inflation, die zwar nicht besorgniserregend sei, aber eben auch nicht frei von Problemen. So, und jetzt komme man zum Showdown. Donald Trump werde das nicht gefallen, er wolle zur Umsetzung seines Wirtschaftsprogramms die Zinsen deutlich niedriger haben. Und das werde er in gewohnter Weise mit drastischen Worten auch den FED-Leuten, allen voran dem Vorsitzenden Jerome Powell, mitteilen.

Ob sich darüber die Börse freuen könne? Denke ich nicht, so Hordenbach. Dabei sitze die Wall Street derzeit quasi zwischen den Stühlen. Einerseits würde sie fallende Zinsen begrüßen, andererseits habe sie auch Sorgen um den zunehmenden Druck der Politik auf die Notenbank. Die Unabhängigkeit der FED gelte auch an der Börse als hohes Gut. Es werde also spannend, wie der US-Aktienmarkt in der kommenden Woche reagieren werde. Hektische Ausschläge könnten ein Zeichen dafür sein, dass Anleger die Spannungen zwischen Weißem Haus und FED zunehmend kritisch sehen. Und da Trump in seinem Bemühen um niedrigere Zinsen kaum nachlassen werde, seien das vielleicht nicht die aller besten Voraussetzungen für den Markt in den kommenden Monaten. (23.01.2026/alc/a/a)


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