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19.01.26 08:45
US-Inflation, Fed-Streit, Iran-Ölrisiko: 2026 wird das Jahr der Zinsmärkte

Wien (www.anleihencheck.de) - Wie schon in den Vorjahren steht in den USA auch im Jahr 2026 die Entwicklung der Inflationsdynamik unter besonderer Beobachtung, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die jüngst erschienenen VPI-Daten für Dezember hätten zwar auf keine akute Aufwärtsgefahr bei der Preisentwicklung hingedeutet, dennoch verbleibe das Momentum noch zu stark, um zeitnah in die Nähe des 2%-Ziels zu kommen. Dies sollten auch die PCE-Inflationszahlen bestätigen, welche nächste Woche erscheinen würden. Aufgrund des Rekord-Shutdowns im Oktober und November würden hier ausnahmsweise die Zahlen für Oktober und November gemeinsam erscheinen. Die Datenlage selbst werde wohl vom Shutdown verzerrt sein, erst die Inflationsdaten für Januar sollten wieder einen gänzlich unverzerrten Blick auf die aktuelle Preisdynamik erlauben. Einblicke in die aktuelle Stimmungslage würden auch in den USA die PMIs für Januar ermöglichen. Hier hätten beide Komponenten im Dezember deutlich über der Marke von 50 Punkten gelegen (Industrie: 51,8; Dienstleistungen: 52,5). Für das Jahr 2026 werde aktuell ein abermals solides Wachstum der US-Konjunktur erwartet.

An den Zins- und Währungsmärkten scheine 2026 ein ziemlich intensives Jahr zu werden. Nach dem Eingreifen der USA in Venezuela drehe sich das geopolitische Roulette weiter, wobei Grönland und der Iran im Mittelpunkt stünden. Während Ersteres die Märkte noch nicht wirklich beeinflusst habe, sei das Thema Iran immer mit Schwankungen auf dem Ölmarkt verbunden, was über die Inflationserwartungen auch auf die Zinsmärkte übergreife. Und tatsächlich seien die Inflationserwartungen in Europa diese Woche gestiegen, die Auswirkungen auf die Renditen seien aber begrenzt geblieben. Bund-Renditen seien über die gesamte Kurve hinweg stabil gewesen. Man könne sagen, dass sich die europäischen Zinsmärkte im Beobachtungsmodus befänden. Von der EZB sei kurzfristig wenig Unsicherheit zu erwarten, und die Veröffentlichung des Protokolls zur EZB-Sitzung im Dezember nächste Woche dürfte dies bestätigen.

Am US-Markt gebe es auch abseits der Geopolitik laufend Neues, da auch die Innenpolitik viel zu bieten habe. Jerome Powell habe mit einer Videobotschaft überrascht, in der er der Trump-Regierung vorwerfe, die Renovierung der Fed-Bürogebäude als Vorwand zu nutzen, um Einfluss auf die Geldpolitik zu nehmen. Dass die Unabhängigkeit und damit die Glaubwürdigkeit der Fed unter Trump gefährdet sei, sei nichts Neues, aber die jüngsten Ereignisse würden eine deutliche Eskalation zeigen. Der Markt habe mit einer Abwertung des US-Dollar an diesem Tag reagiert, was jedoch kaum ein Richtungssignal gegeben habe, da der US-Dollar vorerst seinen Aufwärtstrend fortsetze. Die Zinsmärkte hätten kaum reagiert, was überraschend gewesen sei. Die Analysten der RBI hätten gedacht, dass sich die US-Treasury-Kurve aufgrund dieser Nachrichten versteilen würde, da weitere (politische) Zinssenkungen wahrscheinlicher würden und die Inflationsrisikoprämie die langfristigen Renditen auf einem hohen Niveau halten würde.

Während das Intermezzo zwischen Trump und Powell die Zinsmärkte nicht bewegt habe, hätten dies die traditionellen Makro-Veröffentlichungen getan. Die These einer widerstandsfähigeren US-Wirtschaft habe angesichts stärkerer Stimmungsindikatoren und niedrigerer Arbeitslosenzahlen an Glaubwürdigkeit gewonnen. Als Reaktion darauf seien die Erwartungen für Zinssenkungen in den kommenden Monaten weiter zurückgeschraubt worden. Stabile Leitzinsen der Fed im ersten Quartal scheinen nun der Marktkonsens zu sein, was gut zu unseren Prognosen passt, so die Analysten der RBI. Dies habe Aufwärtsdruck auf die kurzfristigen Treasury-Renditen ausgeübt, während das längere Ende stabil geblieben sei, sodass sich die Kurve etwas verflacht habe. Obwohl die Analysten der RBI mit der kurzfristigen Einschätzung der Fed übereinstimmen würden, seien sie der Meinung, dass der Markt die Risiken politisch motivierter Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf unterschätze, wenn der nachlassende Inflationsdruck der Fed unter einem neuen Vorsitzenden eine Gelegenheit für Zinssenkungen verschaffe. (Ausgabe vom 16.01.2026) (19.01.2026/alc/a/a)



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