Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
16.01.26 09:07
Türkei: Fortsetzung des Zinssenkungszyklus

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank hat die jüngsten Erfolge beim Rückgang der Inflation genutzt, um im Dezember den Leitzins erneut kräftig um 150 Basispunkte auf nun 38,00% zu senken, so die Analysten der DekaBank.

Aktuelle Entwicklungen: Im Dezember sei die Inflationsrate von 31,1% auf 30,9% gefallen. Die Monatsveränderungsrate habe bei 0,9% gelegen. Dies sei der dritte Monat in Folge gewesen, in dem die Inflationsentwicklung - bezogen auf die Monatsveränderungsraten - mit den Inflationszielen der Notenbank vereinbar gewesen sei. Dass die Jahresveränderungsrate weiterhin deutlich darüber liege, sei auf die Entwicklung bis einschließlich September zurückzuführen. Die Notenbank setze weiterhin auf eine kontrollierte und schleichende Abwertung der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar, um den negativen Einfluss des Wechselkurses auf die Stabilität der Verbraucherpreise zu begrenzen und gleichzeitig eine reale Aufwertung zu verhindern.

Die Notenbank habe mit ihrem graduellen Vorgehen bislang Erfolge erzielt: Es sei eine Rezession verhindert worden, das Leistungsbilanzdefizit sei eingedämmt worden und neue Turbulenzen an den Kapitalmärkten seien ausgeblieben. Die Risikoaufschläge türkischer US-Dollar-Anleihen lägen nahe dem Zehnjahrestief. Die Ratingagenturen hätten die Entwicklung mit Ratinganhebungen honoriert. Dennoch könne noch nicht von nachhaltigen Erfolgen gesprochen werden, denn die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung müssten sich über einen längeren Zeitraum bestätigen. Als problematisch würden die Analysten der DekaBank aber vor allem die Beschleunigung des Kreditwachstums auf zuletzt 44% yoy betrachten, die ein Zeichen dafür sei, dass die Geldpolitik nicht restriktiv wirke.

Auch die Inflationserwartungen hätten sich bislang nicht an die Ziele der Notenbank angenähert. Doch die türkische Notenbank dürfte sich zunächst weiter auf die Inflationsrückgänge und auf den großen Abstand der Leitzinsen zur Inflationsrate stützen. Beim nächsten Zinsentscheid am 22. Januar würden die Analysten der DekaBank eine Senkung um 150 Basispunkte erwarten.

Perspektiven: Staatspräsident Erdogan dürfe zwar laut Verfassung nicht erneut kandieren, doch dürfte er Wege suchen, dies über eine Verfassungsänderung oder vorgezogene Neuwahlen zu erreichen. Um wieder mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu erhalten, müsse er vor allem für mehr Preisstabilität sorgen, denn die hohe Inflation und der damit einhergehende Kaufkraftverlust seien für breite Bevölkerungsgruppen das vorherrschende Thema. Daher dürfte er seinem Finanzminister Simsek weiterhin Freiraum für eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik einräumen. Zur Profilierung eigne sich allerdings die internationale Bühne besser. Die geostrategische Lage und die Stärke der türkischen Armee würden das Land für Europa zu einem unverzichtbaren Sicherheitspartner machen, weshalb offene Kritik an der Menschenrechtslage in der Türkei in den vergangenen Jahren leiser geworden sei. Hierdurch erhalte Erdogan Spielraum für eine repressive Innenpolitik. Auch der Machtwechsel in Syrien habe die Rolle der Türkei gestärkt, da die Regierung enge Beziehungen zu den neuen Machthabern in Damaskus unterhalte und Europa an einer Stabilisierung Syriens ein großes Interesse habe.

Länderrisiko: Mit S&P, Fitch und Moody's hätten alle drei großen Ratingagenturen seit Anfang 2024 das Länderrating der Türkei (Moody's auf Ba3, S&P und Fitch auf BB-) angehoben. Die Agenturen würden die verstärkten Bemühungen von Zentralbank und Regierung um makroökonomische Stabilität honorieren. Die Repression gegen die Opposition habe jedoch zu Sorgen geführt, dass die Türkei immer stärker in eine Autokratie abgleite. Moody's habe mit der Ratinganhebung im vergangenen Sommer unterstrichen, dass für sie die makroökonomische Stabilisierung die politischen Bedenken überwiege. (Ausgabe vom 15.01.2026) (16.01.2026/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de