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12.01.26 11:04
Die Zinsen bleiben wo sie sind, ausgemacht. Von wegen!

Paris (www.anleihencheck.de) - Ausgemacht ist ausgemacht, sagt man doch gern, was so viel bedeutet wie "das gilt jetzt, Ende", so Olaf Hordenbach, Chefredakteur von "Märkte & Zertifikate weekly", eines Kundenmagazins der BNP Paribas.

Als ausgemacht gelte zum Beispiel, dass die EZB, die europäische Notenbank, ihr "Pulver" verschossen habe und in diesem Jahr keine weiteren Zinssenkungen vornehmen werde, oder wenn, dann nur eine kleine, sprich 25 Basispunkte. Dann wären wir am Jahresende 2026 bei 1,75 Prozent. Höre sich okay an, wäre aber nicht ganz unproblematisch, weil die Zinssenkungen im zurückliegenden Jahr - da seien es unter dem Strick vier Senkungen gewesen und die Einlagefazilität sei von 3 auf 2 Prozent gesenkt worden - als wesentlicher Treiber der Aktienkurse gelte. Immerhin sei der DAX in diesem Zeitraum um über 20 Prozent gestiegen. Das heiße wohl im Umkehrschluss: Weil die Zinsen nicht oder nicht mehr so deutlich gesenkt würden wie im zurückliegenden Jahr, habe der DAX nur begrenztes Aufwärtspotenzial. Das gelte als ausgemacht.

Nun, ausgemacht sei aber nicht immer ausgemacht. Zum einen könne der DAX auch steigen, wenn die Zinsen stagnieren oder nur leicht fallen würden. Das habe man zum Beispiel 2012 bis 2022 gesehen. Damals hätten die Zinsen um die null Prozent "gehangelt", der DAX sei dennoch von rund 7.000 auf über 15.000 Punkte geklettert, obwohl wie gesagt kaum Senkungen vorgenommen worden seien. Zinssenkungen seien allgemein gesprochen gut für Aktienkurse, da Zinsen in gewisser Weise in Konkurrenz zur Börse stünden, aber Senkungen seien keine Voraussetzungen für steigende Kurse. Hier spiele auch die absolute Höhe der Zinsen eine Rolle. Und das spreche wiederum für steigende Aktienkurse auch im neuen Jahr, trotz fehlender Zinssenkungen. Denn ob ich am Ende des Jahres 2 oder 0 Prozent Zinsen auf mein Erspartes bekomme, sei vielleicht nicht egal, aber wohl nur von untergeordneter Bedeutung, unter dem Strich sei nämlich beides nicht wirklich gut. Aktien würden in beiden Fällen die bessere Alternative bieten.

Zum anderen gelte auch als ausgemacht, dass die Zinsen nicht weiter deutlich fallen würden, weil die Inflation bei um die 2 Prozent verharren solle. Aber auch das könne man infrage stellen. So könnte der Ölpreis deutlich fallen. Immerhin, mit dem "Engagement" der USA in Venezuela habe Washington den größten Ölhahn der Welt in der Hand, gemessen am Ölvorkommen. Venezuela habe mehr Öl als Saudi-Arabien, wenn auch nur Schweröl. Egal, Öl sei Öl, und die USA wollten damit die Wirtschaft befeuern. Billiges Öl solle ihre und die Weltkonjunktur antreiben. Schlecht fürs Klima, gut für das Portemonnaie. Nicht unwahrscheinlich, dass deswegen die Inflation viel stärker falle als "ausgemacht". Spätestens dann sei auch nicht mehr ausgemacht, dass die Zinsen nicht weiter deutlich gesenkt würden, vielleicht auf 1 Prozent. Wo dann wohl der DAX stehe? (Ausgabe vom 09.01.2025) (12.01.2026/alc/a/a)


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