Wien (www.anleihencheck.de) - Der Gesamt-HVPI für den Euroraum lag im Dezember bei 2,0%, mit einer Kerninflationsrate von 2,3%, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Diese Zahlen lägen geringfügig unter denen vom November. Die Kerninflation scheine sich bei einem Niveau von etwas über 2% zu stabilisieren, die Analysten sähen aber Potenzial für einen Rückgang im Januar 2026, welcher die Maßzahl näher an die 2%-Marke führen sollte. Die Aufwertung des Euro in der zweiten Jahreshälfte 2025 dürfte im Januar und Februar weiteren Abwärtsdruck auf die Inflation von Waren und Energie ausüben. Dies könnte bereits im Januar 2026 zu einem vorübergehenden Rückgang der Gesamtinflation führen. Diese Entwicklung werde von den Märkten weitgehend erwartet und dürfte sich im April umkehren.
Der Nowcast der Cleveland Fed weise aktuell für Gesamt- und Kerninflation ein monatliches Wachstum von etwa 0,2% aus, was geringfügig unter dem Schnitt der ersten drei Quartale des Jahres 2025 liegen würde. Konsensschätzungen würden hingegen mit 0,3% auf einen höheren Preisdruck hindeuten. Ebenfalls im Fokus werde in den USA die anstehende Entscheidung des Supreme Courts zur Rechtmäßigkeit der Importzölle stehen, welche Präsident Trump letztes Jahr unter Berufung auf einen nationalen Notstand eingeführt habe. In der Eurozone sehe der Datenkalender im Vergleich sehr unspektakulär aus - lediglich der Sentix (die Analysten würden einen Anstieg von -6,2 auf -4,9 Punkte erwarten) sowie die Industrieproduktion für November stünden zur Veröffentlichung an.
Die europäischen Anleihemärkte hätten das Jahr mit sinkenden Benchmark-Renditen begonnen. Das komme nach einem ziemlich schwierigen Dezember, als Bund-Renditen deutlich gestiegen seien. Die unerwartet schwachen Inflationszahlen hätten Anfang Jänner zu einer Trendwende geführt (siehe oben), während die Gefangennahme von Maduro keine nennenswerten Auswirkungen auf die Zinsmärkte ausgeübt habe. Die Analysten sähen gute Chancen, dass die Inflationsdaten für den Euroraum im ersten Quartal eher schwach ausfallen würden. Das dürfte die Spekulationen auf Zinserhöhungen durch die EZB in den kommenden Quartalen begrenzen und damit auch das Aufwärtspotenzial für Bund-Renditen kurzfristig einschränken. Mittelfristig sähen die Analysten das Inflationsrisiko aber nach oben gerichtet, da sich der Konjunkturzyklus im Euroraum deutlich beschleunigen werde. Damit könnte die EZB 2027 die Zinsen erhöhen, und in Erwartung dessen dürften Bund-Renditen 2026 eher steigen als fallen.
Im Gegensatz zu deutschen Bunds hätten sich US-Treasury-Renditen zu Beginn des Jahres unauffällig verhalten (konstant bis leicht höher). Mit Renditen von 3,5% für 2-jährige und 4,2% für 10-jährige Anleihen denke der Markt, dass Zinssenkungen im Jahr 2026 möglich seien, habe aber keine eindeutige Meinung dazu, wie stark diese ausfallen würden. Bis zum Jahresende würden zwei bis drei Zinssenkungen erwartet, wobei man für das erste Quartal eher vorsichtig sei. Letztlich würden das Ausmaß und der Zeitpunkt zunächst davon abhängen, wie sich die Wirtschaftsdaten entwickeln würden, und später davon, wer die Nachfolge von Powell als Vorsitzender des FOMC antrete. Der Arbeitsmarktbericht für Dezember habe weitgehend den Analystenerwartungen entsprochen, dass sich der Arbeitsmarkt auf einem schwächeren Niveau stabilisiere. Wenn der Inflationsdruck nicht wesentlich nachlasse, dürfte die Einschätzung der Analysten, dass Powell die Zinsen im ersten Quartal unverändert lassen könnte, mehr Unterstützung finden. Kurzfristig würden die Analysten daher nicht mit einem deutlichen Rückgang der US-Treasury-Renditen rechnen. (Ausgabe vom 09.01.2026) (12.01.2026/alc/a/a)
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