Paris (www.anleihencheck.de) - Das vergangene Jahr war in mancher Hinsicht außergewöhnlich, so Vincent Mortier, Group CIO Amundi und Monica Defend, Head of Amundi Investment Institute.
Globale Aktien hätten neue Höchststände erreicht, und Aktien aus Schwellenländern hätten sich ihrem Niveau von 2021 genähert. All dies sei geschehen, trotz der etwas unkonventionellen Politik der US-Regierung, insbesondere im Handel, die zu einer phänomenalen Performance des als sicherer Hafen geltenden Goldes geführt habe.
Bemerkenswert sei, dass Vermögenswerte an beiden Enden des Risikospektrums starke Erträge erzielt hätten. In jüngster Zeit seien die Renditen europäischer und japanischer Anleihen gestiegen. Interessanterweise seien auch die Renditen in den USA trotz der Zinssenkungsrunde der US-Notenbank Fed gestiegen. Obwohl das lange Ende der Zinsstrukturkurve weniger von geldpolitischen Entscheidungen beeinflusst werde (im Vergleich zum kurzen Ende), sei es dennoch ungewöhnlich, dass sich beide in entgegengesetzte Richtungen bewegten. Mit Blick auf die Zukunft dürfte die Fiskalpolitik insbesondere in den USA, Deutschland und Japan die Hauptlast tragen, wobei auch die Geldpolitik Unterstützung bieten dürfte. Daher würden der Konsum, die Arbeitsmärkte und das Inflationsumfeld die politischen Entscheidungen bestimmen, während Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) einer stärkeren Marktbeobachtung unterlägen. All dies gehe mit Herausforderungen für die Ausnahmestellung der USA einher:
• Höhere Einkommensteuerrückerstattungen dürften die Wachstumsaussichten für die USA im ersten Halbjahr 2026 leicht verbessern, änderten jedoch nichts an den Aussichten für die Zeit danach. Die Experten hätten ihre Wachstumsprognosen für 2026 leicht von 1,9 % auf 2,0 % angehoben. Aber es bleibe dabei, dass das Wachstum unter seinem Potenzial liegen dürfte. Die Abschwächung des US-Konsums spiegele eher eine Abschwächung als einen Zusammenbruch des Arbeitsmarktes wider. Darüber hinaus könnte die Trump-Regierung mit Blick auf die Zwischenwahlen politische Überraschungen bereithalten. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Inflation in einem Zwischenwahljahr eine wichtige Rolle spielen werde. Dies könnte dazu führen, dass Trump seine Haltung in Bezug auf Zölle mildere.
• Die meisten Zentralbanken weltweit, darunter die Fed, die EZB und die Bank of England (BOE), würden wahrscheinlich die Zinsen senken. Die Experten würden davon ausgehen, dass die BOE die Leitzinsen 2026 wie bereits im Dezember letzten Jahres senken werde. Wichtig sei, dass ein rückläufiges Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP es der Bank of England ermöglichen werde, die Leitzinsen zu senken. Insgesamt schaffe dies ein konstruktives Umfeld für britische Staatsanleihen.
• KI biete Chancen, aber die Märkte könnten das Renditepotenzial von Investitionen in Frage stellen und Unternehmen belohnen, die mehr Klarheit über die Monetarisierung und Rentabilität solcher Investitionen böten. Darüber hinaus könnte sich der KI-Investitionszyklus von Hyperscalern auf Versorgungsunternehmen (d.h. Stromversorger) und Industrieunternehmen ausweiten, die physische Endverbraucherprodukte wie automatisierte Roboter und autonome Fahrzeuge/Geräte herstellten. Der höhere Kapitalbedarf dieser Unternehmen werde sich in einem erhöhten Angebot auf den Märkten für Unternehmensanleihen widerspiegeln.
• Aus geopolitischer Sicht dürfte der Wettbewerb zwischen den USA und China um die Vorherrschaft im Bereich KI anhalten. Beide Länder könnten sich bemühen, KI-Ökosysteme aufzubauen, die ihren nationalen Interessen dienten, insbesondere China, das eine "Halbleiterunabhängigkeit" von den USA anstrebe.
Die Risiken im Zusammenhang mit der hohen Verschuldung und den steigenden Defiziten in den Industrieländern sowie die globale Geopolitik würden weiterhin bestehen bleiben. In diesem Umfeld würden Schwellenländer aus Sicht der Experten gute Chancen für spezielle Anlagemöglichkeiten bieten, insbesondere angesichts der Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken der Industrieländer. Im Folgenden würden die Experten ihre Anlageeinschätzungen im Detail beschreiben:
– Anleihen: Die Experten seien insgesamt nahezu neutral in Bezug auf die Duration, leicht positiv gegenüber der EU und Großbritannien, aber vorsichtig gegenüber den USA. Die Duration sei eine Maßzahl für die Zinssensitivität von Anleihen. Sie hätten die Duration für Japan angehoben und würden die geldpolitischen Maßnahmen, die Inflation und die Fiskalpolitik der Bank of Japan beobachten. Trotz der erwarteten Zinserhöhung seien die Experten der Meinung, dass die Bank of Japan hinter der Kurve zurückbleibe, was der Grund für den starken Anstieg der Renditen im Dezember sei. Die hohen fiskalischen Anreize in Japan deuteten darauf hin, dass die Zentralbank auch 2026 die Zinsen weiter anheben werde. Bei Anleihen aus Schwellenländern würden die Experten ihre konstruktive Haltung beibehalten und sähen angesichts der hohen Bewertungen größeren Spielraum für individuelle Chancen.
– Aktien: Die Experten würden es für angebracht halten, zu diversifizieren, dabei jedoch eine sorgfältigere Auswahl zu treffen und sich auf Segmente zu konzentrieren, bei denen sie langfristig von den Bewertungen, Gewinnen und Wirtschaftsaussichten überzeugt seien. Darüber hinaus würden sie davon ausgehen, dass die Märkte mehr Klarheit hinsichtlich der Kapitalrendite von Unternehmensinvestitionen im Technologie- und KI-Bereich verlangen würden. Daher sei nach Auffassung der Experten jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um in Regionen wie Europa zu investieren. Auch Schwellenländer wie Indien sollten Chancen bieten, die mit ihrem inländischen Wachstumspotenzial verbunden seien.
– Multi-Asset: Die Experten würden ihre aktive Haltung beibehalten, hätten taktisch ihre Erwartung hinsichtlich chinesischer Aktien zurückgeschraubt, würden aber gleichzeitig positiv gegenüber Schwellenländern als Anlageklasse eingestellt bleiben. Bei festverzinslichen Wertpapieren seien die Experten weniger vorsichtig in Bezug auf die japanische Duration und würden die Geld- und Fiskalpolitik im Auge behalten. (Ausgabe vom 08.01.2026) (09.01.2026/alc/a/a)
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