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08.01.26 12:37
Ausblick 2026: Von der deutschen Konjunkturlokomotive bis zur Machtfrage bei der Fed

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury, blickt mit vorsichtigem Optimismus auf das Jahr 2026.

Trotz anhaltender Unsicherheiten in der Handels- und Geldpolitik rechne er mit einer insgesamt robusten Weltwirtschaft. Sinkende Lebenshaltungskosten, die verzögerte Wirkung früherer Zinssenkungen sowie steigende Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) dürften das Wachstum stützen.

Ryan betone, dass sich die Weltwirtschaft bereits 2025 widerstandsfähiger gezeigt habe als erwartet. Auch 2026 zeichne sich kein deutlicher Einbruch der globalen Wirtschaftsaktivität ab. Zwar wirkten Handelsrestriktionen weiter dämpfend auf den Welthandel, ein großer Wachstumsschock sei jedoch unwahrscheinlich, da ein Großteil der Zölle inzwischen zurückgenommen worden sei. "Ein zentraler Faktor bleibt der Ausbau von KI-Kapazitäten", betone Ryan. "Wer auf einen unmittelbaren Produktivitätsschub hofft, wird sich gedulden müssen", so Ryan.

Die Investitionen selbst könnten jedoch einen spürbaren Wachstumsbeitrag leisten. Erste operative Effizienzgewinne seien erkennbar, wovon vor allem entwickelte Volkswirtschaften wie die USA und China profitiert hätten.

Der geldpolitische Kurs der Notenbanken bleibe laut Ryan auch 2026 zentral für die Märkte. In den meisten G10-Staaten sei der Lockerungszyklus weitgehend abgeschlossen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sehe er am Ende ihrer Zinssenkungen, während die Fed und die Bank of England nur noch begrenzten Spielraum nach unten hätten. "In Ländern wie Australien, Neuseeland und Kanada könnte 2026 sogar eine geldpolitische Wende anstehen", erläutere Ryan.

Insgesamt rechne er damit, dass die Leitzinsen ihren Tiefpunkt erreichen würden und in einzelnen Volkswirtschaften wieder moderat angehoben werden könnten - auch wegen weiterhin erhöhter Kerninflation und angespannter Arbeitsmärkte.

Trotz der bereits erfolgten Abwertung bleibe Ryan auch 2026 skeptisch für den US-Dollar. Die handelspolitische Unsicherheit habe zwar nachgelassen, sei aber nicht vollständig verschwunden und halte eine strukturelle Risikoprämie aufrecht. Zudem dürfte sich der US-Arbeitsmarkt weiter abkühlen, unter anderem aufgrund demografischer Faktoren, geringerer Zuwanderung und struktureller Anpassungen durch KI. "Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit mindestens zwei Zinssenkungen der Federal Reserve im Jahr 2026", so Ryan. "Damit entsteht ein Umfeld, das den Dollar weiter unter Druck setzen dürfte."

Besondere Aufmerksamkeit richte Ryan auf die anstehende Neubesetzung an der Spitze der US-Notenbank. Mit dem Ende der Amtszeit von Jerome Powell im Mai rücke die Zusammensetzung des Federal Open Market Committee (FOMC) stärker in den Fokus: "Im Zentrum steht die Frage, wer künftig den Vorsitz übernimmt und welche Signale das für die Unabhängigkeit der Fed sendet."

Als Favoriten würden laut Marktbeobachtern Kevin Hassett und Kevin Warsh gelten. Ryan rechne jedoch nicht mit einem abrupten Kurswechsel, selbst bei einem als dovish geltenden Kandidaten. "Der Vorsitzende ist nur eine Stimme unter vielen", betone er. "Zudem begrenzt die Zusammensetzung des FOMC, das 2026 durch mehrere als restriktiv geltende Mitglieder ergänzt wird, den Spielraum für politisch motivierte Einflussnahme." Gleichwohl bleibe die Debatte nicht folgenlos, da anhaltende Zweifel an der institutionellen Unabhängigkeit einen zusätzlichen Belastungsfaktor für den US-Dollar darstellten: "Allein die Diskussion reicht aus, die Risikoprämie auf den Greenback hochzuhalten."

Für den Euroraum zeige sich Ryan vorsichtig optimistisch. Aktuelle Konjunkturindikatoren würden auf eine bessere Entwicklung hindeuten als von der EZB zuvor erwartet worden sei. Eine robuste Binnennachfrage scheine die Belastungen durch höhere US-Zölle zunehmend abzufedern. Besonders die deutschen Fiskalimpulse in Höhe von rund 500 Milliarden Euro dürften ab 2026 verstärkt wirken.

Ryan rechne mit positiven Effekten auf Beschäftigung, Konsum und Investitionen. In Kombination mit niedrigen Finanzierungskosten, nachlassendem Inflationsdruck und steigenden KI-Investitionen könnte dies zu einer moderaten positiven Überraschung beim Wachstum im Euroraum führen. (08.01.2026/alc/a/a)


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