Berlin (www.anleihencheck.de) - Im ihrem Finanzmarkt vom 19. Dezember geben die Analysten der Weberbank einen Ausblick auf die Geldpolitik im kommenden Jahr und beleuchten die Unterschiede zwischen den beiden Währungsräumen USA und Eurozone.
Nach Blindflug steige die US-Arbeitslosigkeit
Mitte November sei in den USA die längste Haushaltssperre ("Shutdown") der US-Geschichte zu Ende gegangen. Diese habe nicht nur erhebliche wirtschaftliche Kosten zur Folge gehabt - Regierungsbehörden würden die Kosten des Stillstands für die US-Wirtschaft auf einen zweistelligen Milliardenbetrag taxieren -, sondern habe auch dafür gesorgt, dass Ökonomen vorübergehend im Blindflug gewesen seien.
Nachdem für den Oktober von den Statistikämtern keine Daten hätten veröffentlicht werden können, habe der neue Arbeitsmarktbericht nun etwas Klarheit gebracht. Die Arbeitslosenquote sei auf 4,6% gestiegen und damit auf den höchsten Wert seit September 2021. Das bestätige den Eindruck der Analysten der Weberbank eines sich abschwächenden Arbeitsmarktes und damit auch ihre Erwartung, dass die US-Notenbank Fed auch 2026 weitere Zinssenkungen vornehmen werde. Während am Markt aktuell zwei Zinssenkungen für das nächste Jahr eingepreist seien, würden die Analysten der Weberbank sogar drei bis vier Zinssenkungen in den USA für möglich halten. Hintergrund sei einerseits, dass die neuen Inflationsdaten für November eine unerwartete Verlangsamung der Inflationsrate auf 2,7% aufzeigen würden, während Volkswirte im Vorfeld mit einer deutlich höheren Preissteigerung von 3,1% gerechnet hätten. Hinzu komme, dass Trump sich jüngst zur Neubesetzung des Chefpostens der Fed geäußert habe.
Nachdem der US-Präsident den Notenbankchef Jerome Powell in der Vergangenheit wiederholt zu Zinssenkungen aufgefordert habe, habe er nun auch seine möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht. Die Rede sei von Kevin Hassett und Kevin Warsh. Hassett sei aktuell der oberste Wirtschaftsberater in Trumps Kabinett, gelte als enger Loyalist und als Vertreter einer deutlich lockereren Geldpolitik. Kevin Warsh sei von 2006 bis 2011 Mitglied des Direktoriums der US-Notenbank gewesen. Er vertrete die Ansicht, dass die Federal Reserve in Krisenzeiten eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung von Wirtschaft und Finanzmärkten spielen sollte. Die Aktienmärkte hätten auf diese Ankündigung zunächst positiv reagiert, während der US-Dollar gegenüber wichtigen Leitwährungen nachgegeben habe.
Die möglichen Kandidaten seien somit weitestgehend an den Kapitalmärkten eingepreist, es stelle sich jedoch zunehmend die Frage nach der Unabhängigkeit der Notenbank. Konkret würden Kritiker befürchten, dass Trump die Fed auf diesem Weg zu Zinssenkungen drängen könnte, selbst wenn die Inflation noch weit über dem Zwei-Prozent-Ziel liege. Ein Vertrauensverlust der Marktteilnehmer in die Unabhängigkeit der Zentralbank könnte zu einem Abverkauf bei US-Staatsanleihen und folglich zu steigenden Renditen führen, was die Refinanzierung der ohnehin hochverschuldeten Nationnation teurer machen würde. Noch sei nicht ausgemacht, dass es dazu komme, aber fest stehe schon heute: Das Jahr 2026 werde für US-Staatsanleihen und den US-Dollar einiges an Bewegung bereithalten.
Die EZB schalte auf Autopilot
Im Euroraum gehe es dagegen deutlich geordneter zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich am 18. Dezember zum letzten Mal in diesem Jahr zu ihrer Ratssitzung getroffen und dabei erneut entschieden, den Leitzins unverändert bei 2,0% zu belassen. Interessanter als diese Entscheidung seien die angepassten Erwartungen der Währungshüter gewesen, die für 2026 mit mehr Wachstum (1,2 statt wie bisher 1,0%) sowie mehr Inflation (1,9 statt wie bisher 1,7%) rechnen würden. Bemerkenswert sei in diesem Kontext, dass die Märkte zuletzt wieder begonnen hätten, Zinserhöhungen für das kommende Jahr einzupreisen. Die Analysten der Weberbank würden auf Basis der aktuellen Daten allerdings nicht damit rechnen, dass es bereits 2026 dazu kommen werde.
Was würden diese Entwicklungen nun für Anleiheinvestoren bedeuten? Die Analysten der Weberbank würden bei in US-Dollar denominierten Anleihen aufgrund der Währungsrisiken weiter zu Vorsicht raten und sich bei Staats- und Unternehmensanleihen auf den Euroraum konzentrieren. Hier sähen sie das Rentensegment durch den konstruktiven Konjunkturausblick gut unterstützt und würden mittlere Restlaufzeiten von um die 5 Jahre präferieren, um auch im kommenden Jahr von attraktiven laufenden Erträgen zu profitieren und zugleich ein stabilisierendes Element im Portfolio zu haben. (Ausgabe vom 19.12.2025) (22.12.2025/alc/a/a)
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