Charlotte, NC (www.anleihencheck.de) - Die Märkte haben eine Zinssenkung der Fed um 25 Basispunkte in der nächsten Woche als fast sicher eingepreist, und wir erwarten dies ebenfalls, so Matthias Scheiber, Leiter des Bereichs Multi-Asset-Lösungen bei Allspring Global Investments.
Vor dem zurückliegenden Shutdown hätten Fed-Vertreter zunehmende Besorgnis über Abwärtsrisiken für die Beschäftigungslage gezeigt und hätten weniger Inflationsrisiken signalisiert. In Kombination mit der generellen Zurückhaltung der Fed, die Märkte zu überraschen, stütze dies die Erwartung einer Zinssenkung.
Man rechne darüber hinaus mit abweichenden Stimmen in beide Richtungen, insbesondere von Gouverneur Miran, der sich wahrscheinlich für stärkere Zinssenkungen aussprechen würde. Wichtig würden auch die aktualisierte Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen und eine neue Reihe von Leitzinsprognosen, sogenannten "Dot Plots", sein. Diese würden voraussichtlich ein breites Spektrum abdecken – von einer Pause bis zu zusätzlichen Senkungen um bis zu 100 Basispunkte. Die Märkte würden sich zudem auf das Management der Fed-Bilanz fokussieren und hierbei vor allem auf den Zeitpunkt für neue Anleihekäufe, die auf die Reduzierung des Finanzierungsdrucks abzielen würden.
Wie bereits im bisherigen Jahresverlauf erwarte man, dass die Zinssenkung von einer falkenhaften Pressekonferenz begleitet werde. Angesichts der aktuellen Schätzung für den neutralen Zinssatz und der kumulierten Zinssenkungen von 75 Basispunkten im Jahr 2025 sei die Hürde für eine weitere Zinssenkung im Januar hoch. Um eine weitere Lockerung zu rechtfertigen, müssten die Daten eine deutliche Konjunkturabkühlung – insbesondere auf dem Arbeitsmarkt – zeigen. Die aktuellen Marktpreise spiegelten bisher drei vollständige Senkungen bis Oktober 2026 wider.
Die Inflation bleibe hartnäckig, dürfte sich aber Anfang nächsten Jahres abschwächen. Der Arbeitsmarkt verlangsamt sich. Dies sei vor allem auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die über eine einfache Wachstumsverlangsamung hinausgingen. Mit Blick auf die Zukunft würden sich die Marktteilnehmer zunehmend auf die Zusammensetzung des FOMC und die neuen stimmberechtigten Mitglieder im Jahr 2026 konzentrieren.
Zinsen: Die Renditen 10-jähriger US-Anleihen von rund 4 Prozent erschienen fair bewertet. Man bevorzuge mittelfristige Steepener, insbesondere 5s/30s, da man weiterhin Druck auf das hintere Ende der Zinskurve sehe.
Credit: Die Spreads zwischen Investment Grade und High Yield-Unternehmensanleihen blieben für Neuinvestitionen unattraktiv; man wäre zufrieden damit, Carry-Erträge zu vereinnahmen.
Schwellenländer vs. Industrieländer: Man bevorzuge Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung gegenüber Staatsanleihen aus Industrieländern.
Devisen: Die Bedingungen blieben schwierig; man habe die Untergewichtung des USD auf neutral umgestellt und plane, opportunistisch Long-Positionen aufzubauen.
Rohstoffe: Attraktive Chancen böten sich bei Industriemetallen und Teilen des Energiesektors. (05.12.2025/alc/a/a)
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