Zürich (www.anleihencheck.de) - Eine steigende Liquidität stützt die weltweiten Finanzmärkte auf dem Weg ins neue Jahr, so Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management.
Mitte 2026 könnte sie, laut Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management, jedoch ihren Höhepunkt erreichen: Dann könnte eine massive Refinanzierungswelle bei Unternehmens- und Staatsanleihen den Märkten temporär Liquidität entziehen - das berge Risiken.
Die Basis für einen Ausblick auf die globalen Finanzmärkte im Jahr 2026 liefere eine Analyse der Liquiditätsflüsse: Die anhaltend hohe Geldschöpfung im Bankensystem und die massiven Liquiditätsspritzen der chinesischen Zentralbank (People’s Bank of China, PBoC) würden für eine steigende globale Liquidität sorgen. Diese stütze zunächst die Aktien- und Kreditmärkte. Richtung Jahresmitte könnte der Liquiditätszyklus jedoch seinen Höhepunkt erreicht haben, womit die Risiken für die Kapitalmärkte zunehmen würden.
In den USA reduziere die Notenbank Federal Reserve (FED) dennoch die Bankreserven, um die Auswirkungen der jüngsten Zinssenkungen abzumildern und die Inflationsgefahr zu verringern. Zu stark sinkende Bankreserven hätten in der Vergangenheit mit einer Verzögerung von ein bis drei Monaten zu temporären Turbulenzen an den Geld- und Aktienmärkten in den USA geführt. Schwächere Bitcoin-Kurse und immer häufigere Ausschläge der Spreads zwischen den SOFR-Geldmarktzinsen und Fed-Funds-Zinsen seien hier erste Warnsignale.
Die FED habe die Warnsignale erkannt und angekündigt, ihren Anleihebestand um 200 bis 350 Milliarden US-Dollar aufzustocken und das Quantitative-Tightening-Programm (QT) zu beenden. Dieses "Mini-Quantitative Easing" dürfte dem Rückgang der Bankreserven entgegenwirken. Die Maßnahmen würden in den kommenden Monaten aber wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Reserve-Engpass im US-Bankensystem vollständig aufzulösen. Immerhin wirke die massive Emission von "geldähnlichen" T-Bills in den USA liquiditätssteigernd. Insgesamt fließe damit viel neues Geld von der Notenbank über die Geschäftsbanken in das Finanzsystem.
Liquiditätszyklus könnte Höhepunkt erreichen
Der Liquiditätszyklus könnte aber in der ersten Jahreshälfte 2026 seinen Höhepunkt erreichen und danach nach unten drehen. Das liege daran, dass während der Corona-Krise aufgrund der niedrigen Zinsen sehr viele Unternehmensanleihen ausgegeben worden seien, die jetzt zur Refinanzierung anstünden. Diese benötige als Katalysator temporär Liquidität aus dem Markt. Die anstehende Refinanzierungswelle, auch "Debt Maturity Wall" genannt, könne für die Aktienmärkte durchaus ein Risiko darstellen. Ebenfalls von der Refinanzierungswelle betroffen seien rund 10 Billionen US-Dollar in US-Staatsanleihen - vor allem T-Bills. Daher dürfte die FED bei einem zu starken Liquiditätsengpass eingreifen, um das Schlimmste zu verhindern.
Insgesamt bleibe das globale Liquiditätsumfeld bis weit in das nächste Jahr hinein noch positiv für Risikoanlagen. Die erwähnten stark rückläufigen Bankreserven beziehungsweise die abnehmende FED-Liquidität in den USA könnten trotzdem in den kommenden Wochen für temporäre Turbulenzen an den Börsen sorgen. Es sei zwar mit einer global soliden Konjunktur, aber kurzfristig nur mit beschränktem Aufwärtspotenzial an den Aktien- und Kreditmärkten zu rechnen, bis die FED ihre Geldschleusen wieder voll öffne.
US-Finanzminister Scott Bessent und der von Präsident Donald Trump kürzlich neu nominierte FED-Governor Steven Miran könnten durchaus an vorübergehend schwächeren Aktienmärkten interessiert sein, um dadurch einen Kapitalabfluss von den Aktienmärkten in die Realwirtschaft zu ermöglichen und der FED Spielraum für massive Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen zu eröffnen. Das würde auch die Aktien- und Kreditmärkte wieder stabilisieren.
Angesichts der weiterhin soliden oder zumindest stabilen globalen Konjunkturentwicklung bei gleichzeitig hohen Staatsausgaben und steigender Liquidität bestehe tendenziell Aufwärtsdruck bei der Inflation und den Zinsen für langfristige Staatsanleihen - das gelte sowohl in den USA als auch in Europa. Sowohl der stark gestiegene Goldpreis als auch die zwischenzeitliche Rally des Bitcoin-Kurses seien diesbezüglich erste Warnsignale.
Markt für Wandelanleihen in beständiger Erneuerung
Wandelanleihen (CBs) hätten 2025 zweistellige Renditen erzielt, das Gewinnwachstumspotenzial der Emittenten sei aber im Vergleich zum breiten Aktienmarkt noch immer deutlich unterbewertet. Dabei würden umfangreiche Neuemissionen einen sich kontinuierlich erneuernden Markt bedeuten. CBs würden so auch im kommenden Jahr die Möglichkeit bieten, an aktuellen Wachstumstreibern wie dem KI-Boom teilzuhaben. Dank ihres Volatilitätspuffers würden sie ein attraktiver Mittelweg für Anleger bleiben.
Attraktive Renditen bei Investment-Grade-Anleihen
Investment-Grade-Anleihen würden sich in einem konstruktiven Zins- und Inflationsumfeld befinden. Die Gesamtrenditen seien im historischen Vergleich sehr attraktiv. Zugleich sei die Qualität der Kredite robust, hohe Profitabilität, moderate Verschuldung und disziplinierte Kapitalallokation würden dazu beitragen. Zudem dürften 2026 aufgrund des massiven globalen Ausbaus von Rechenzentren und KI-Infrastruktur mehr Neuemissionen zu erwarten sein, da dieser für einen sehr hohen Finanzierungsbedarf sorge. Das Neuemissionsvolumen treffe allerdings auf eine stabile Nachfrage.
High-Yield-Anleihen würden mit niedrigen Ausfallraten überzeugen
Der globale High-Yield-Markt werde ebenfalls von einem positiven makroökonomischen Umfeld gestützt. Fisch Asset Management erwarte für 2026 attraktive Gesamtrenditen im Bereich von 6 bis 8 Prozent, da Fundamentaldaten und geringe Ausfallraten überzeugen könnten. Faire Bewertungen würden diese Daten widerspiegeln. Für Emittenten mit niedriger Qualität könnte aufgrund des vergleichsweise hohen Zinsniveaus aber eine Refinanzierung schwieriger werden.
Unternehmensanleihen aus Schwellenländern würden von veränderter Weltlage profitieren
Unternehmensanleihen aus Schwellenländern dürften auch 2026 von der veränderten Lage profitieren, dass es einen Trend zur Abkehr vom "US-Exzeptionalismus" gebe. Mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 4,0 Prozent laut Internationalem Währungsfonds lägen die Emerging Markets weit vor den Industrieländern mit 1,6 Prozent. Die Emittenten würden darüber hinaus über alle Ratingsegmente bessere Kreditkennzahlen und eine deutlich geringere Nettoverschuldung als ihre US-Wettbewerber ausweisen. Die Renditeerwartungen von Fisch Asset Management für EM-Unternehmensanleihen lägen daher im mittleren einstelligen Bereich, Selektion bleibt hier aber besonders entscheidend.
Schweizer-Franken-Anleihen als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten
Die Schweiz bleibe global gesehen ein Sonderfall mit starker Währung, niedriger Inflation und defensivem Wachstum. Die Exportnachfrage sei schwach, der Binnenmarkt aber robust. Aufgrund der niedrigen Inflation und des robusten Frankens sehe Fisch Asset Management die erhöhte Gefahr einer Deflation, rechne aber nicht mit Negativzinsen durch die Schweizer Nationalbank. Laufzeiten von drei bis zwölf Jahren würden für Anleihen attraktiv erscheinen, defensive Sektoren sollten bevorzugt werden. Das Emissionsvolumen dürfte auch 2026 - wie schon 2025 - hoch bleiben. (04.12.2025/alc/a/a)
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