Brüssel (www.anleihencheck.de) - Trotz gemischter Datenlage dürfte die US-Notenbank bei ihrer Sitzung am 12. Dezember die Zinsen um weitere 25 Basispunkte senken, erwartet Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury.
Vermehrt rücke zudem die Personalie des nächsten Fed-Vorsitzenden in den Fokus sowie die mit ihr verbundenen möglichen Folgen für den US-Dollar und die globale Geldpolitik.
Während die Märkte mit nahezu 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit von einem weiteren Zinsschritt ausgingen, blieben die geldpolitischen Lager im Federal Open Market Committee (FOMC) tief gespalten, so Ryan. Einige Mitglieder warnten vor Inflationsrisiken, andere drängten auf entschlossenere Schritte, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren.
"Die Fed agiert nach wie vor mit eingeschränkter Sicht", erkläre Ryan. Denn die wirtschaftlichen Daten, die seit Ende des Shutdowns veröffentlicht worden seien, hätten ein gemischtes Bild gezeichnet: Der Arbeitsmarkt bleibe robust, doch schwächere Konsumzahlen und ein Vierjahrestief beim Verbrauchervertrauen würden auf zunehmende Risiken hindeuten. "Trotz der Datenlücke sehen die meisten Mitglieder des FOMC genügend Anzeichen, um eine weitere Lockerung zu rechtfertigen. Insbesondere die Anzeichen einer Eintrübung am Arbeitsmarkt spielt eine Rolle", so Ryan.
Ein damit verbundenes Thema, das zunehmend die Märkte bewege, sei die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell. Während die Fed in einem zunehmend politisierten Umfeld agiere, rücke die Frage nach ihrer künftigen Unabhängigkeit wieder in den Vordergrund. Medienberichten zufolge gelte Trumps Vertrauter Kevin Hassett, derzeit Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, als Favorit.
"Sollte Hassett tatsächlich zum nächsten Fed-Vorsitzenden ernannt werden, wäre das ein deutlich dovisheres Signal", ordne Ryan ein. "Er gilt als Befürworter deutlich niedrigerer Leitzinsen. Berichte sprechen von einem angestrebten Niveau von unter drei Prozent. Das wäre kurzfristig negativ für den Dollar. Denn bei hartnäckig hoher Inflation und politischem Druck stünde das Vertrauen in den Dollar schnell auf dem Prüfstand." Der mögliche Wechsel an der Spitze könnte somit den geldpolitischen Kurs nachhaltig verändern – nicht nur in den USA, sondern weltweit.
Gleichzeitig warne Ryan vor voreiligen Schlüssen: "Selbst ein dovisher Fed-Vorsitzender wird kaum freie Hand haben. Die neue Zusammensetzung des FOMC ab Januar bringt zusätzliche Falken in den Rat, jede weitere Zinssenkung dürfte daher hart umkämpft sein."
Der US-Dollar habe in den vergangenen Tagen leicht nachgegeben. Der Euro notiere nahe seines Höchststands seit Ende Oktober, gestützt durch die Erwartung einer geldpolitischen Lockerung in den USA und überraschend stabilen Inflationsdaten aus der Eurozone. "Das Szenario spricht kurzfristig für den Euro", erkläre Ryan. "Solange die Fed in den Lockerungsmodus übergeht und die Europäische Zentralbank (EZB) gleichzeitig stillhält, dürfte die Gemeinschaftswährung von der Zinsdifferenz profitieren." Die jüngsten Zahlen würden zeigen: Während die Kerninflation im Euroraum bei 2,4 Prozent verharrt habe, sei die Gesamtinflation leicht auf 2,2 Prozent gestiegen. Damit bestehe laut Ryan "kein unmittelbarer Handlungsdruck für die EZB, ihre Geldpolitik zu lockern". (04.12.2025/alc/a/a)
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