Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Fallende Zinsen, niedrige Risikoaufschläge und ein angeschlagener Arbeitsmarkt sind für Anleiheanleger keine schöne Kombination, so Gene Tannuzzo, Global Head of Fixed Income, und Ed Al-Hussainy, Portfolio Manager bei Columbia Threadneedle Investments.
In dieser Situation sollten Investoren die Rendite sichern, die Duration managen und die Portfolios diversifizieren - und dabei die Bonität im Auge behalten. Dennoch seien die Aussichten für Anleihen 2026 gut: Die US-Notenbank Federal Reserve senke vorsorglich die Zinsen, die Fundamentaldaten der Unternehmen würden solide bleiben und die Nachfrage der Anleger nach festverzinslichen Wertpapieren halte an, was die Anleiherenditen stützen dürfe.
Markt überschätze Fed-Zinssenkungen
Die aktuellen Zinssenkungen der Fed seien proaktiv: Sie seien keine Reaktion auf eine Rezession, sondern sollten negativen Entwicklungen vorbeugen. Der Markt preise derzeit Zinssenkungen um insgesamt 75 bis 100 Basispunkte für 2025 sowie weitere 75 Basispunkte für 2026 ein und signalisiere damit die Erwartung eines aggressiven Zinssenkungszyklus. In Zeiten ohne Rezession stelle dies eine deutliche Abweichung von der historischen Norm dar.
Um eine derartige Lockerung zu rechtfertigen, bräuchte die Fed zusätzliche Belege für eine Verschlechterung des Arbeitsmarktes - und zwar bald. Zudem müsste sie eine Reihe von Faktoren ausblenden, die auf robuste Konjunktur- und Inflationsimpulse hindeuteten: die direkten und indirekten Folgen der Zölle, die Beschleunigung privater Investitionen, die Lockerung der Finanzierungsbedingungen und die positiven fiskalischen Impulse durch den One-Big-Beautiful-Bill-Act.
Die Experten von Columbia Threadneedle würden ein solches Szenario für eher unwahrscheinlich halten. Das wiederum deute darauf hin, dass das kurze Ende der US-Zinskurve falsch bepreist sei - und sich daraus Chancen für Anleger ergeben würden. Anders als in früheren Zyklen, in denen Zinssenkungen die Kurve steiler hätten werden lassen, dürften die heutigen Senkungen die Strukturkurve stabil halten oder sogar leicht abflachen. Dies habe drei Implikationen:
• Duration werde attraktiv: Sie biete höhere Renditen und Schutz vor Kursverlusten - insbesondere im Vergleich zu Cash.
• Erträge unabhängig von der Konjunktur: Anleger könnten von höheren Zinsen profitieren, ohne eine Wette auf die zukünftige Wirtschaftslage eingehen zu müssen.
• Diversifizierung: Hochwertige Anleihen würden einen Puffer bieten - insbesondere in einem Umfeld, in dem die Inflation (relativ) gedämpft bleibe.
Zinssenkungen, enge Spreads und solide Fundamentaldaten
Das Basisszenario der Experten von Columbia Threadneedle sei jedoch der Status quo: Das Arbeitskräfteangebot sei zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit liege unter 4,5 Prozent und das Wachstum bleibe bei einem Prozent. In diesem Szenario würden zehnjährige US-Staatsanleihen Zinsen von rund vier Prozent einbringen, während Investment-Grade-Anleihen mit fast fünf Prozent verzinst seien - ein überzeugendes Wertversprechen, insbesondere bei einer Inflation von rund drei Prozent. In einem solchen Umfeld sei dort Vorsicht geboten, wo man nicht angemessen für Risiken entlohnt werde. Gleichzeitig sollten Anleger die Duration breit über alle Anleihe-Segmente nutzen, bei Unternehmensanleihen sehr selektiv vorgehen und dabei Sektoren bevorzugen, die im Verhältnis zur Duration eine höhere Rendite liefern würden. Folgende Sektoren und Segmente stünden im Fokus:
• Konsumentenkredite: Im Bereich Asset-based Finance fänden sich attraktive Chancen. Konsumentenkredite seien durch Vermögenswerte besichert und würden auf gesunden Haushaltsbilanzen aufbauen. Sie würden Anlegern eine interessante Diversifizierung abseits traditioneller Unternehmensanleihen ermöglichen.
• Investment Grade (IG): Zwar würden hochqualitative Unternehmensanleihen durch solide Fundamentaldaten überzeugen, jedoch sei das Preisniveau erhöht - und vor allem das Risiko einer Spread-Ausweitung mache IG-Anleihen weniger attraktiv. Für institutionelle Anleger würden sie jedoch ein wichtiges Instrument zur Absicherung langfristiger Verpflichtungen bleiben. Eine interessante Untergattung seien dabei hypothekenbesicherte Wertpapiere, die von (halb-)staatlichen US-Agenturen wie Fannie Mae, Freddie Mac und Ginnie Mae ausgegeben würden. Sie würden Investment-Grade-Qualität zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
• Künstliche Intelligenz (KI): Der massive Ausbau der KI-Infrastruktur verändere die Anleihemärkte und schaffe neue Möglichkeiten für Anleiheinvestoren - durch innovative Finanzierungsstrukturen und einen deutlich steigenden Kapitalbedarf.
• Internationale Anleihen: Das Wachstum außerhalb der USA könnte wieder attraktiver werden. Dank steilerer Zinskurven würden Märkte wie Japan, Frankreich und Australien zusätzliche Risikoprämien bieten und auch bei Schwellenländeranleihen gebe es vielversprechende Anlagemöglichkeiten.
• Leveraged Loans: Zwar erscheinen Leveraged Loans angesichts enger Spreads und sinkender Zinsen als konträres Investment, so die Experten von Columbia Threadneedle. Allerdings seien sie nicht so teuer wie derzeit viele andere Segmente und hätten sich zu einem Portfolioinstrument entwickelt, das über verschiedene Wirtschaftsphasen hinweg robust performen könne. Investoren könnten diese Art von Anleihen nutzen, um Renditechancen zu erhöhen und ihre Portfolios zu diversifizieren.
Angespanntes Kreditumfeld erfordere Risikodisziplin
Sollten Wirtschaft und Politik auf dem aktuellen Pfad bleiben, nähmen die Risiken 2026 zu. Die Kreditqualität und die Volatilität der Spreads würden in den Mittelpunkt rücken. Zuletzt seien Zahlungsausfälle überwiegend emittentenspezifisch gewesen. Eine breitere Ansteckung sei nicht erkennbar, allerdings würden sich deutliche Performanceunterschiede zwischen Sektoren und Emittenten zeigen. Mit Fortschreiten des Zyklus sei mehr Spreadvolatilität wahrscheinlich. Eine fundierte Kreditanalyse gewinne in solchen Phasen entscheidend an Bedeutung.
Handelspolitische Maßnahmen wie Zölle sowie der hohe politische Geräuschpegel blieben Unsicherheitsfaktoren. Zwar seien die wirtschaftlichen Auswirkungen bislang begrenzt gewesen, doch dürften sich die Effekte 2026 stärker bemerkbar machen. Gleichzeitig habe die Nachfrage nach US-Anleihen bislang robust geblieben, politische Turbulenzen hätten nur wenig Einfluss auf die tatsächliche Marktperformance gehabt.
Anleihen 2026: Potenzial mit Risiken
Die Experten von Columbia Threadneedle würden davon ausgehen, dass der Anleihemarkt 2026 weiterhin Wertpotenzial biete - jedoch nicht ohne Risiken. Die vorbeugenden Zinssenkungen der Fed, das stabile makroökonomische Umfeld und die robuste Nachfrage nach Fixed Income würden gute Voraussetzungen für solide Renditen schaffen. Gleichwohl seien die Risiken am Arbeitsmarkt und bei Emittenten gestiegen. Wer Duration, Rendite und Diversifikation in den Vordergrund stelle, könne sein Portfolio für mehr Volatilität wappnen und zugleich Chancen in einem sich wandelnden Umfeld gezielt nutzen. (01.12.2025/alc/a/a)
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