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20.11.25 10:52
Wandelanleihen: Aktueller Spitzenreiter im Fixed Income-Bereich

Zürich (www.anleihencheck.de) - Rund sechs Wochen vor dem Jahresende behaupten Wandelanleihen, wie fast das gesamte Jahr über, ihre Position als Spitzenreiter im Fixed Income-Bereich, so Jamil Bouallai, Portfolio Manager Fixed Income, Zürcher Kantonalbank/Swisscanto.

Das Segment mit dem besonderen Eigenschaften-Mix aus Aktie und Anleihe weise per 18. November 2025 Year-to-date einen Gesamtrendite von 13,02 Prozent aus - auf USD-Basis und gemessen am Refinitiv Global Focus Convertible Index. Insofern keine Marktkapriolen eintreten würden, dürfte das Gesamtjahr als eines der besten in die Geschichtsbücher eingehen.

Der Markt für Wandelanleihen weise ein ausgewogenes Profil auf. Dies habe sich bereits in den vergangenen zwei Jahren beobachten lassen, als Wandelanleihen mehr von der Aufwärtsbewegung (rund 45 Prozent) der zugrunde liegenden Aktien mitgenommen hätten als von deren Abwärtsbewegung (37 Prozent). Vor diesem Hintergrund könne es sich empfehlen, jederzeit ein ausgewogenes Profil beizubehalten und Emittenten mit niedrigerer Kreditqualität zu vermeiden. Derzeit finde Bouallai Wandelanleihen weiterhin attraktiv im Vergleich zu reinen Aktien- oder Anleiheinvestments. Dies insbesondere aufgrund der günstigen Bewertung der eingebetteten Option. Der Anleiheanteil der durchschnittlichen Wandelanleihe bleibe mit fast 80% recht hoch, was angesichts der hohen Aktienbewertungen unserer Meinung nach Schutz nach unten biete.

Generell würden Wandelanleihen meiner Meinung nach relativ teuer im Vergleich zur jüngeren Geschichte handeln. Der Markt erscheine Bouallai aber immer noch deutlich günstiger als zu Zeiten der Corona-Krise-Ära oder in den Jahren 2013-2014 und 2017-2018. Nach Regionen betrachtet sei nach Erachten von Bouallai Asien der günstigste Markt, während die USA als Marktregion als relativ teuer erscheinen würden. Betrachte man das Universum nach Prämien, seien nur ‚busted‘ (tief außerhalb des Geldes liegende) Wandelanleihen günstig bis fair bewertet (rund 1,5 Prozent günstig).

Die implizite Volatilität von Wandelanleihen erscheine Bouallai ebenfalls günstig im Vergleich zur realisierten Volatilität oder zur impliziten Volatilität von börsengehandelten Optionen. Die Aktivität bei Neuemissionen trage nach seinem Erachten dazu bei, die günstige Bewertung im Universum zu erhalten, obwohl neue Emissionen heutzutage tendenziell teurer würden (durchschnittliche Kupons und Prämien von 2,5 Prozent beziehungsweise 30 Prozent, was ihm aber immer noch attraktiver erscheine als die 0 Prozent und 50 Prozent, die nach der Corona-Krise zu sehen gewesen seien).

Ein möglicher Vorteil von Wandelanleihen sei, dass es Instrumente mit niedriger Duration seien. Derzeit würden ausgewogene Wandelanleihen eine Duration von 1,4 aufweisen, globale Unternehmensanleihen eine von 6. Es gebe nach Erachten von Bouallai keine großen Unterschiede zwischen den Regionen - Europa und Japan würden jedoch mit 1,8 die höchste Duration aufweisen. In Bezug auf Sektoren würden der Öl- und Gassektor die höchste Duration (2,3) zeigen, am anderen Ende würden sich Medien und Versorger mit der niedrigsten Duration von 0,9 finden. Die zugrunde liegenden Aktien hätten ebenfalls tendenziell eine geringere Zinssensitivität als traditionelle Aktienindices. In früheren Zinsreduzierungs-Zyklen hätten Wandelanleihen traditionelle Anleihen übertroffen - außer, wenn eine Rezession gefolgt sei.

Momentan bewerte Bouallai den Primärmarkt als gesünder im Vergleich zu früheren Jahren, beispielsweise auch 2020-2021: Die aktuellen Emittenten seien typischerweise Large-Caps und von höherer Qualität, und die Konditionen der Deals würden oftmals unter den Spitzenwerten aggressiver Niveaus bleiben. Dies dürfte dazu führen, dass das globale Wandelanleihen-Universum weiterhin ein ausgewogenes Profil und relativ hohe Anleiheböden genießen sollte. Die Entwicklung könnte zwar je nach wirtschaftlicher Lage in beide Richtungen gehen; Bouallai erwarte jedoch, dass die Euphorie der Anleger die Vermögenspreise weitertreiben könne. Auf der anderen Seite könnten die Anleiheböden in einem risikoscheuen Umfeld angesichts der engen Kredit-Spreads schnell erodieren.

Aus Bewertungsgründen sehe Bouallai es als angezeigt, Asien gegenüber den USA stärker zu gewichten. Der asiatische Markt biete nach senem Erachten attraktive Titel mit Exposure gegenüber Künstlicher Intelligenz (KI) und E-Commerce-Infrastruktur. Er weise seiner Meinung nach in der Regel auch eine höhere Qualität und attraktive Merkmale wie kündbare Anleihen auf. Die Chancen von Wandelanleihen aus Europa und Japan bewerte Bouallai als neutral. Er betrachte die Titel generell als qualitativ hochwertig und fair bewertet. (20.11.2025/alc/a/a)


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