Zürich (www.anleihencheck.de) - In den USA findet derzeit ein beispielloser Machtkampf zwischen dem Finanzministerium und der Notenbank statt, so Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management in seiner aktuellen FischView.
Das US-Treasury übernehme zunehmend klassische Aufgaben der Federal Reserve - etwa durch Emissionen kurzlaufender T-Bills und gezielte Käufe langlaufender Staatsanleihen. Diese Eingriffe, die eigentlich zur Domäne der Geldpolitik gehören würden, sollten die Zinsstrukturkurve kontrollieren und die Liquidität erhöhen. Beat Thoma warne, dass dieser "institutionelle Machtkampf" das Vertrauen der Investoren beschädigen könnte.
Der Entzug von Fed-Liquidität habe einen direkten Einfluss auf die Aktien- und Geldmärkte, während die neu generierte US-Treasury-Liquidität vorwiegend auf die Konjunktur wirke. Dementsprechend sei in den kommenden Monaten tendenziell mit Stress an den Aktien- und Geldmärkten zu rechnen, dafür aber mit weiterhin guter Unterstützung für die US-Konjunktur. Für die globalen Märkte würde es erst dann gefährlich, wenn die US-Bankreserven unter die Marke von 2.800 Milliarden US-Dollar fallen (aktuell 2.960 Milliarden). In diesem Fall wäre mit stark steigenden Spreads zwischen den Geldmarktzinsen (SOFR) und den Fed Funds-Zinsen zu rechnen - ein globales Warnsignal für Risky Assets.
Der globale Liquiditätszyklus befinde sich noch in einer Aufwärtsphase und treibt die Aktien- und Kreditmärkte weiter an, doch die Kräfteverschiebung in der US-Geldpolitik sei ein Warnsignal. Das US-Treasury und die Fed würden an entgegengesetzten Strängen ziehen - die eine Seite schafft Liquidität, die andere entziehe sie. Diese widersprüchlichen Signale würden das Risiko erhöhen, dass sich das System selbst destabilisiere.
Unternehmensanleihen, insbesondere aus dem High-Yield-Segment und den Schwellenländern, würden derzeit noch von der umfangreichen Liquidität und soliden Konjunktur profitieren. Allerdings seien die Bewertungen mittlerweile hoch und die Credit Spreads tief. Steigende Zinsen und ein großer Refinanzierungsbedarf könnten in den kommenden Monaten für Gegenwind sorgen. (08.10.2025/alc/a/a)
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