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10.09.25 10:00
EZB- Zinspause im September und Zinssenkung im Oktober erwartet

New York (www.anleihencheck.de) - Wir erwarten, dass die EZB auf ihrer Sitzung in dieser Woche ihre Leitzinsen unverändert lässt, so Patrick Barbe, European Fixed Income Head bei Neuberger Berman.

Seit der jüngsten Sitzung im Juli hätten sich die Wirtschafts- und Inflationsdaten nicht genug verändert, um eine weitere Zinssenkung zu rechtfertigen. Die Folgen der US-Zölle seien noch nicht eingetreten. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe gerade bestätigt, dass die Wirtschaftstätigkeit wieder auf ihr Potenzial ansteige und die Inflation das 2-Prozent-Ziel erreiche.

Aus Sicht von Neuberger Berman würden die neuen EZB-Prognosen und Lagardes Rede wichtig sein. Sie sollten die Analyse der Lohnentwicklung nach den unerwartet guten Daten für das zweite Quartal beinhalten und erläutern, wie sich die Wirtschaftstätigkeit erholen könne. Neuberger Berman erwarte nach wie vor bis mindestens Jahresende eine schwache konjunkturelle Lage und sehe das Risiko einer sinkenden Inflation aufgrund zunehmender asiatischer Exporte infolge der US-Zollerhöhungen und der Stärkung des Euro. Darüber hinaus sehe man ein Risiko für die Konjunktur in Frankreich und Italien - und zwar lange vor der Wachstumsunterstützung durch die fiskalischen Anreize in Deutschland, die erst im nächsten Jahr erwartet werde. Vor diesem Hintergrund gehe Neuberger Berman davon aus, dass die Zentralbank auf ihrer nächsten Sitzung im Oktober den Leitzins erneut senken werde.

Die politischen Turbulenzen in Frankreich könnten ein Problem für den europäischen Markt darstellen, wenn die Wirtschafts- und Bankaktivitäten beeinträchtigt würden. Frankreich zeige im europäischen Vergleich dank seiner diversifizierten Wirtschaft immer noch ein ordentliches Wachstum. Das bedeute: Die Entwicklung des französischen Defizits, die seit 2023 von der seiner Partner abweiche, sei nicht auf ein wirtschaftliches Problem zurückzuführen - der üblichen Ursache für Staatsschuldenkrisen. Das französische Problem sei vielmehr auf unkontrollierte Fehlentwicklungen bei bestimmten Sozialausgaben zurückzuführen, die nur durch eine parlamentarische Mehrheit wieder unter Kontrolle gebracht werden könnten. Neuberger Berman rechne in den kommenden Wochen mit einer Ausweitung der Spreads französischer Staatsanleihen, die die Spreads anderer verschuldeter Euro-Länder geringfügig mitziehen würden. Sollte die politische Instabilität darüber hinaus anhalten, könnten die Auswirkungen auf das Wachstum die Ratingagenturen dazu veranlassen, das Rating Frankreichs herabzusetzen.

Neuberger Berman rechne in der Eurozone erst im nächsten Jahr mit einem wirtschaftlichen Aufschwung. Daher erwarte man, dass die Kerninflation in der Eurozone unter das 2-Prozent-Ziel der EZB fallen werde. Das dürfte weitere Zinssenkungen und einen Rückgang der 10-jährigen Bundrendite unter 2,5 Prozent vor Jahresende rechtfertigen. Der europäische Anleihemarkt habe im Sommer angesichts der Staatsanleiheemissionen unter Druck gestanden, die in Frankreich und Italien höher als erwartet und in Deutschland sogar noch höher ausgefallen seien. Aber fast alle Regierungen seien derzeit ihren Emissionsprogrammen für 2025 um rund 80 Prozent voraus. Ein geringerer Emissionsdruck im vierten Quartal dürfte daher zu einer Erholung des Anleihemarktes beitragen. Außerdem schienen viele Länder ihre Haushalte besser als erwartet im Griff zu haben, so dass das Defizit geringer ausfalle als angekündigt. (10.09.2025/alc/a/a)



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