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09.09.25 11:15
EZB dürfte Zinsen erneut unverändert lassen: Fokus auf neue Prognosen

London (www.anleihencheck.de) - Die EZB wird den Leitzins auf ihrer Sitzung am Donnerstag voraussichtlich unverändert bei 2,00 Prozent belassen, so Josefina Rodriguez, Economist bei Vanguard.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten würden die Juni-Prognosen der EZB stützen, die von robustem Wachstum und weiterem Fortschritt bei der Disinflation ausgehen würden.

Wichtigste Erkenntnisse

- Die EZB dürfte in dieser Woche die Zinsen unverändert lassen. Die Aufmerksamkeit richte sich daher auf die neuen Stabsprognosen und die geldpolitische Einschätzung.

- Da die Daten weitgehend mit den Juni-Projektionen übereinstimmen würden, dürften Anpassungen vor allem auf aktualisierten Annahmen beruhen: stärkerer Euro, niedrigere Energiepreise, das revidierte EU-US-Handelsabkommen sowie angepasste fiskalische Rahmenbedingungen.

- Erwartet werde eine leichte Aufwärtskorrektur beim Wachstum, ein Unterschreiten des Inflationsziels im Jahr 2026 sowie eine Rückkehr in Zielnähe bis 2027. Vertreterinnen und Vertreter der EZB würden weiterhin betonen, dass die Inflation mittelfristig auf Kurs in Richtung 2 Prozent sei.

- In der Kommunikation seien nur geringe Änderungen zu erwarten. Der EZB-Rat dürfte seine datenabhängige Haltung bekräftigen, während Präsidentin Christine Lagarde voraussichtlich betonen werde, dass die Geldpolitik "an einem guten Punkt" sei und die EZB zugleich bereit bleibe, bei Bedarf gegenzusteuern.

- Die meisten Ratsmitglieder hätten signalisiert, dass die aktuelle Ausrichtung angemessen sei und die Inflation mittelfristig das Ziel erreichen dürfe. Hinweise auf eine baldige Lockerung gebe es kaum.

Das Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal sei auf 0,6 Prozent nach oben revidiert worden (zuvor 0,3 Prozent), getrieben durch Irland und vorgezogene Handelsaktivitäten. Im zweiten Quartal habe das Wachstum bei 0,1 Prozent und damit leicht unter den erwarteten 0,2 Prozent gelegen. Diese Abschwächung passe zu der Einschätzung von Rodriguez, dass die Vorzieheffekte aus Q1 nun auslaufen würden. Für die zweite Jahreshälfte rechne sie mit Belastungen durch eine schwächere Weltkonjunktur und anhaltende Unsicherheit.

Die Arbeitslosenquote sei im Juli auf 6,2 Prozent nach 6,3 Prozent im Juni gesunken. Angesichts der schwächeren Wachstumsperspektiven und entsprechender Frühindikatoren dürfte die Dynamik am Arbeitsmarkt nachlassen. Die ausgehandelten Löhne seien im zweiten Quartal im Jahresvergleich von 2,5 Prozent auf 4,0 Prozent gestiegen - ausschließlich durch Basiseffekte. Rodriguez gehe davon aus, dass das Lohnwachstum weiter zurückgehe und sich auf ein mit dem Inflationsziel vereinbarendes Niveau einpendele. Der EZB-Lohntracker signalisiere bereits Werte von unter 2 Prozent bis Jahresende.

Die Vorabschätzung für den Verbraucherpreisindex im August habe eine Gesamtinflation von 2,1 Prozent und eine Kernrate von 2,3 Prozent ergeben. Die Teuerung im Dienstleistungssektor sei auf 3,1 Prozent gefallen - den niedrigsten Wert seit über drei Jahren. Damit bewege sich die Inflation seit mehreren Monaten in einem mit dem Zielwert vereinbarten Bereich. Das Risiko einer Unterschreitung bis Ende 2026 nehme jedoch zu, da das Wachstum unter dem Trend bleibe und die Löhne sich normalisieren würden. Der starke Euro wirke zusätzlich dämpfend auf die Warenpreise.

Die neuen Projektionen dürften im Wesentlichen drei Faktoren widerspiegeln: einen stärkeren Euro, niedrigere Energiepreise, das revidierte EU-US-Abkommen sowie angepasste fiskalische Rahmenbedingungen.

Die meisten Ratsmitglieder würden betonen, dass die Geldpolitik derzeit angemessen ausgerichtet sei und die Inflation mittelfristig das Ziel erreichen dürfe. Gouverneur Gabriel Makhlouf (Irland) habe auf eine stabile Teuerung verwiesen, Gouverneur Peter Kazimir (Slowakei) habe die erwartete Unterschreitung als vorübergehend bezeichnet. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe keinen Anlass für eine Anpassung gesehen, Bundesbankpräsident Joachim Nagel sprach von "nicht so vielen Argumenten" für eine Veränderung, und Gouverneur Martins Kazaks (Lettland) habe bekräftigt, dass die EZB "an einem guten Punkt" sei. (09.09.2025/alc/a/a)



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