Hamburg (www.anleihencheck.de) - Trotz der anhaltenden Unsicherheit im globalen Handel dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am 24. Juli vorerst keine weitere Zinssenkung vornehmen. Warum die EZB gut beraten ist, ihr Pulver trocken zu halten, erläutert Dr. Felix Schmidt, Senior Economist bei Berenberg, in seinem aktuellen Kommentar zur Geldpolitik und zur Rolle des Euro im aktuellen makroökonomischen Umfeld:
Auf der letzten Sitzung der EZB im Juni habe Präsidentin Lagarde mehrfach betont, dass die Währungshüter aus Frankfurt aktuell sehr gut aufgestellt seien, um das derzeitige unsichere Umfeld zu meistern. An dieser Einschätzung habe sich seither wohl nichts geändert, sodass die EZB den Einlagesatz bei ihrer Sitzung am 24. Juli höchstwahrscheinlich bei 2,0 Prozent belassen werde. Auch darüber hinaus rechne man mit keinen weiteren Zinssenkungen. Denn man gehe nach wie vor davon aus, dass im Laufe des Sommers ein Handelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) erzielt werde. Die daraus resultierende Verringerung der Unsicherheit in Verbindung mit erhöhten Haushaltsausgaben – insbesondere in Deutschland – dürfte der Konjunktur in der Eurozone neuen Schwung verleihen. Da die Wirkung der Geldpolitik zeitverzögert eintrete, bestehe die Gefahr, dass weitere Zinssenkungen der EZB die Realwirtschaft zu einem Zeitpunkt ankurbeln würden, an dem eine zusätzliche Nachfragestützung nicht mehr erforderlich sei. Dies könnte zu einem erneuten Aufflammen der Inflation führen, ein Szenario, das die EZB um jeden Preis verhindern wolle.
Neben einer zu hohen Inflation möchte die EZB aber auch eine zu geringe Preissteigerung vermeiden. In diesem Zusammenhang werde sie insbesondere den Euro-Dollar-Kurs im Auge behalten. Die Gemeinschaftswährung habe gegenüber dem Greenback seit Jahresbeginn um mehr als 10 Prozent aufgewertet. Ein starker Euro verbillige die Importe und berge damit die Gefahr, dass die Inflation zu stark unterhalb des 2-Prozent-Ziels der EZB fallen könnte. Zwar habe sich der Dollar zuletzt etwas stabilisiert, doch das könnte sich schnell ändern, beispielsweise wenn US-Präsident Donald Trump seine Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank fortsetze. Ein schwächerer Dollar und im Umkehrschluss ein stärkerer Euro würden die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinssenkung der EZB erhöhen. Auch eine weitere Eskalation im Handelsstreit zwischen der EU und den USA könnte die EZB zu einer weiteren Senkung des Leitzinses zwingen. Das Weiße Haus habe die Verhandlungsfrist zuletzt auf den 1. August gesetzt. Die EZB tue daher gut daran, zunächst das Verhandlungsergebnis abzuwarten und ihr Pulver trocken zu halten. Bis zur übernächsten Sitzung am 11. September werde sich der Zollnebel voraussichtlich deutlich gelichtet haben und es der EZB erlauben, die Lage neu zu bewerten. (23.07.2025/alc/a/a)
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