Munsbach (www.anleihencheck.de) - Die aktuelle Wirtschaftslage ist von politischer Unsicherheit geprägt, so die Experten von ETHENEA.
Diese wirke sich auf globale Handelspartner, Unternehmen und letztlich auf Verbraucher aus. Neue Handelsschranken und Zollstreitigkeiten würden den globalen Handel bremsen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Nahen Osten würden zusätzlich die politische Stabilität belasten und verlässliche Planungen erschweren. Trotz dieser Konflikte würden sich Wirtschaft und Märkte außerordentlich widerstandsfähig zeigen. Auf die kommenden Quartale blickend, werde klar: Jede politische Entscheidung, jede Eskalation oder Deeskalation habe das Potenzial, die Wirtschaft und die Märkte zu extremen Handlungen zu zwingen.
Inflation
Die Preise in den USA und Europa seien zuletzt schwächer gestiegen als erwartet. Der befürchtete Anstieg aufgrund des Handelskonflikts sei bisher also ausgeblieben. Die Kerninflation in den USA liege bei 2,8% und die Gesamtinflation bei 2,4%. In Europa liege die Kerninflation bei 2,3% und insgesamt bei 1,9%. Die Zölle hätten die Inflation bislang kaum beeinflusst. Wie sich Trumps Zollpolitik weiter auswirke, bleibe abzuwarten. Entscheidend werde der weitere Verlauf der Handelsgespräche sein, Zölle seien da nur eines von vielen Themen.
Nach vorne blickend würden die kurzfristigen Inflationsrisiken eher steigen. Langfristig jedoch würden die preisdämpfenden Effekte von Künstlicher Intelligenz noch zu wenig beachtet - selbst die Zentralbanken würden sie bislang kaum berücksichtigen. Die EZB erwarte, dass die Inflation spätestens 2027 unter das Zwei-Prozent-Ziel falle. Deshalb würden sie nach acht Zinssenkungen zunächst pausieren. Die FED hingegen werde demnächst zu weiteren Zinssenkungen übergehen. Die Experten von ETHENEA würden damit rechnen, dass die FED ihre Leitzinsen noch in diesem Jahr um weitere 50 Basispunkte und im gesamten Senkungszyklus mindestens um 100 Basispunkte senken werde. Auch erwarte man, dass Trump bald einen Nachfolger für FED-Chef Jerome Powell in Stellung bringen werde. Der neue Kandidat werde höchstwahrscheinlich die Agenda des Präsidenten unterstützen und als Sprachrohr für dessen Erwartungshaltung fungieren - ganz im Sinne eines Schattenpräsidenten.
Wachstum
Protektionismus, Vertrauensverlust und geopolitische Risiken würden die Weltwirtschaft spürbar bremsen. Die Abwärtsrisiken hätten zugenommen. Das globale Wachstum werde in diesem Jahr voraussichtlich auf unter 3% gebremst. Während Umfragen zur Wirtschaftstätigkeit auf eine Abschwächung hindeuten würden, würden harte Wirtschaftsdaten bisher nur einen moderaten Einfluss durch den Handelskonflikt belegen. Die Divergenz zwischen den sogenannten Soft- und Hard-Daten sei nicht neu. Sie habe sich im abgelaufenen Monat zwar etwas abgeschwächt, bestehe aber weiterhin. Grundsätzlich sollte nach ein, maximal zwei schwächeren Quartalen das Wirtschaftswachstum wieder deutlich zulegen.
Zusätzlich zu den bereits erfolgten Zinssenkungen der EZB und den erwarteten Zinssenkungen der FED würden auch verschiedene staatliche Förderprogramme und Ausgabenmaßnahmen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dieses positive Szenario gelte, solange Zölle oder geopolitische Konflikte nicht erneut eskalieren würden. Sollte das US-Reformpaket "One Big Beautiful Bill" mit Steuersenkungen, Deregulierung und höherer Schuldenobergrenze verzögert oder verändert werden, würden die Experten von ETHENEA das negativ werten.
Für ETHENEA als Multi-Asset-Boutique seien die drei Assetklassen Anleihen, Aktien und Währungen von entscheidender Bedeutung.
Anleihen
Aktuell befänden sich die Kreditaufschläge für Anleihen auf historisch niedrigem Niveau. Unsere Projektion geht von einer anhaltenden Phase positiven Wirtschaftswachstums aus, deshalb erwarten wir weiterhin niedrige Spreads, so die Experten von ETHENEA. Ohne einen externen Schock würden die Experten einen deutlichen Anstieg der Renditen derzeit für unwahrscheinlich halten. Sie würden im Fixed-Income-Bereich neutral bleiben und sich weiter auf hohe Bonität fokussieren. Wegen der zunehmenden Politisierung des US-Dollar hätten die Experten einen Teil der Dollar-Anleihen in Euro-Anleihen getauscht.
Die Zinsseite bleibe unverändert. Die Experten von ETHENEA würden davon ausgehen, dass die kurz- und längerfristigen Zinsen ihre Höchststände überschritten hätten. Die Experten hätten in allen betreffenden Portfolien die durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen sukzessive angehoben. Für eine zusätzliche Steuerung der Duration mittels Overlay sähen sie aktuell keinen Anlass.
Aktien
Ein sehr gutes Zitat für ETHENEA-Sicht auf die Aktienmärkte stamme von Sir John Templeton: "Bullenmärkte werden in Pessimismus geboren, wachsen in Skepsis, reifen in Optimismus und sterben in Euphorie." Viele Indices hätten Höchststände erreicht, Euphorie herrsche aber nicht - im Gegenteil. Wir bleiben bullisch für Aktien, denn die Wirtschaft ist bislang sehr widerstandsfähig und die Wachstumsdynamik intakt, so die Experten von ETHENEA. Tendenziell sinkende Zinsen, Deregulierung und eine anhaltende Ausweitung von KI-Anwendungen sollten unterstützend für Gewinn und Bewertung wirken. Die Experten würden die Portfolios derzeit mit einer durchschnittlichen Nettoquote flexibel halten, damit sie bei steigender Volatilität oder Rücksetzern gezielt zukaufen könnten.
FX
An der längerfristigen ETHENEA-Einschätzung zum US-Dollar habe sich nichts geändert. Die Experten würden eine Schwächephase erwarten. Sie würden eine höhere US-Dollarquote wie im Juni nur in Zeiten großer geopolitischer Unsicherheit und das auch nur wegen des Risikomanagements akzeptieren. Momentan würden die Experten den Dollar meiden, weil sich der Zinsvorteil verringere, das Wachstum schwächer bleiben dürfte und die USA ihre Währung zunehmend als Druckmittel einsetzen würden. Nicht nur die Amerikaner möchten den Dollar schwächen, auch die großen US-Gläubiger wie Japan oder China könnten im großen Stil Greenbacks verkaufen, sollte der Zollstreit eskalieren. Aus Sicht der Experten von ETHENEA zu viel Gegenwind für zu wenig Ertrag. (Ausgabe 7 vom 03.07.2025) (04.07.2025/alc/a/a)
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