Brüssel (www.anleihencheck.de) - Vorbei sind die Zeiten, als Fed und EZB aggressiv durch quantitative Lockerung, Forward Guidance und rasche Zinssenkungen auf eine stabile Wirtschaft hinwirkten. Heute sind es vor allem Regierungen, die mit ihrer Fiskalpolitik die Märkte beeinflussen. Was das in den kommenden Monaten für die Asset Allocation bedeutet, erläutert Yves Ceelen, CIO Global Balanced von DPAM.
Die Expansion staatlicher Haushalte sei zur bestimmenden Kraft an den Märkten geworden. Die Zentralbanken hätten mit den Folgen der höheren Verschuldung zu kämpfen. So schrecke die Fed vor Zinssenkungen zurück, da diese Inflation auslösen könnten. Die Zentralbanken liefen damit Gefahr, in die Unterstützung der Kreditbedingungen für Staaten hineingezogen zu werden. Anleger könnten sich nicht mehr allein auf Inflationsdaten oder die Reden der Zentralbanker verlassen. Der Fokus liege auf Haushaltsplänen, politischen Zyklen und dem Anleiheangebot.
Der Status des US-Dollar als sicherer Hafen bröckele. Die enorme Staatsverschuldung und wiederholte Herabstufungen der Kreditwürdigkeit ließen Zweifel an der Fähigkeit Washingtons aufkommen, die Defizite in den Griff zu bekommen. Steigende Renditen für Staatsanleihen würden zunehmend als Ausdruck der angespannten Haushaltslage gewertet. Hinzu komme eine Inflation von etwa 3%, die den Spielraum der Fed für Zinssenkungen oder umfangreiche Anleihekäufe einschränke. Eine "Flucht in die (Dollar-)Qualität" könnte zu negativen Realrenditen führen, wenn die Inflation wieder anziehe.
Hohe Schwankungen seien jedoch nicht per se schlecht. In einer Multi-Asset-Positionierung könnten sich taktische Anlagechancen ergeben, wenn sich eine Assetklasse bewege und die andere zurückbleibe. Würden sich Aktien- und Anleihemärkte gemeinsam bewegen, sei Vorsicht geboten.
Europäische Aktien würden von ihren Bewertungen, staatlichen Programmen und einer Währung profitieren, die nicht mehr strukturell schwach erscheine. Sie würden eine pragmatische Möglichkeit bieten, auf globales Wachstum zu setzen, ohne das gesamte US-Konzentrationsrisiko zu tragen. "Börsennotierte Immobilienunternehmen scheinen ebenfalls gut positioniert, um von einer Stabilisierung der Leitzinsen zu profitieren", so Ceelen. Viele andere europäische Sektoren würden ebenfalls über erhebliches Wachstumspotenzial verfügen.
"Bei US-Aktien warten wir ab, anstatt zu kaufen, bis die Gewinnrevisionen die Erwartungen eingeholt haben. US-Anleihen erscheinen derzeit ebenfalls weniger attraktiv. Längerfristige Staatsanleihen meiden wir, bis mehr Klarheit über die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung herrscht", so Ceelen.
Schließlich schätze Ceelen Portfoliobestandteile, die unabhängig von den wechselnden Zielen der politischen Entscheidungsträger seien. Gold und (gelegentlich) Silber würden diese Rolle seit 2018 gut erfüllen; sie hätten sowohl von der Unsicherheit über die Realzinsen als auch in Phasen hoher geopolitischer Risiken profitiert. Angesichts der derzeitigen Dominanz der Fiskalpolitik und der Marktturbulenzen erscheine eine moderate Allokation in solche Realwerte nach wie vor gerechtfertigt. (02.07.2025/alc/a/a)
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