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26.06.25 09:00
Fixed-Income-Ausblick: Kein gewöhnlicher Spaziergang

London (www.anleihencheck.de) - Die Richtung der Wertpapierkurse zu erkennen, kann schwierig sein, wenn Marktbewegungen oft von der Ankündigung einer einzelnen Person abhängen, so Alex Veroude, Global Head of Fixed Income, Janus Henderson Investors.

Die einst schlagzeilentauglichen Marktschwankungen würden drohen zur Normalität zu werden. Die aggressive Preisfestsetzung durch das Weiße Haus (beginnend mit schockierend hohen Zöllen, damit jede Reduzierung vernünftig erscheine) habe dazu geführt, dass sich die Welt schnell auf ein potenziell neues Handelsregime einstellen müsse.

Zum Redaktionsschluss hätten nur eine Handvoll Länder eine vorläufige Einigung mit den USA erzielt. Juristische Gegenwehr könne dazu führen, dass manche der angekündigten Zollerhöhungen wieder aufgehoben würden. Die endgültigen Zölle könnten also höher ausfallen als erwartet und wachsende Rezessionsängste und steigende Inflation zur Folge haben – oder moderater, was eine Erholungsrallye auslösen dürfte. So oder so würden die Folgen für die einzelnen Länder unterschiedlich ausfallen. Die USA seien mit am stärksten betroffen: Höhere Preise dürften die Verbraucher belasten, was sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken könnte, wenn Haushalte ihre Ausgaben zurückführen und Unternehmen ihre Investitionspläne überdenken. Ironischerweise könnte die Inflation in Europa und China niedriger ausfallen, da die für die USA bestimmten Waren in diesen Regionen einen Absatzmarkt finden würden.

Präsident Trump betrachte Unberechenbarkeit als nützliches Verhandlungsmittel – gleichzeitig vergrößere sie jedoch die Bandbreite der Wirtschaftsergebnisse. Die Fixed-Income-Märkte mögen keine Unsicherheit: Die Laufzeitprämien für länger laufende US-Anleihen seien gestiegen, da Investoren eine höhere Kompensation (höhere Anleiherenditen) für die Gewährung von Krediten über längere Zeiträume verlangen würden.

Allerdings solle man sich nicht nur auf Zölle konzentrieren. Die meisten Bewegungen, die wir an den Fixed-Income-Märkten sehen, spiegelten langfristige Trends wider – nicht zuletzt die Neubewertung der Kapitalkosten. Die Null- und Negativzinspolitik, die das Jahrzehnt nach der globalen Finanzkrise geprägt habe, gelte inzwischen als Anomalie.

Wir befänden uns wieder auf einem Pfad, auf dem Märkte auf Staatsverschuldung achten würden. Vielen Regierungen mangele es an Haushaltsdisziplin (die Verschuldung sei hoch – trotz Vollbeschäftigung oder fast Vollbeschäftigung). Gleichzeitig stiegen die Verteidigungsausgaben. Hinzu komme, dass die Zentralbanken ihre Bilanzen aktiv verkleinerten, sodass der Privatsektor nun in Zugzwang gerate, alle neu geschaffenen Staatsschulden zu kaufen. Strukturreformen, wie die Umstellung des niederländischen Pensionsfonds, dürften unterdessen die Allokation in Aktien fördern. In der Folge seien die Renditen langfristiger Anleihen gestiegen. Dabei handle es sich um ein globales Phänomen: Zinsstrukturkurven, die Renditen von Staatsanleihen und deren Laufzeit gegenüberstellen, hätten sich nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und Japan versteilert.

Die Kehrseite höherer Anleiherenditen sei, dass Anleger von höheren Erträgen profitieren könnten. Kupon- oder Zinserträge hätten historisch betrachtet den größten Beitrag zu den Gesamtrenditen von Fixed Income beigetragen. Befänden sich längerfristige Anleihen nahe ihrer Renditehöchststände? Wahrscheinlich schon, jedoch könnten Sorgen um die Haushaltsdisziplin, die Unabhängigkeit der Fed (Jerome Powells Amtszeit als Fed-Chef ende im Mai 2026) sowie die Bereitschaft – bzw. keiner Bereitschaft – ausländischer Investoren, US-Anlagen zu halten, in den kommenden Monaten für Volatilität sorgen. Auch wenn die Bereitschaft von Nicht-US-Anlegern, sich von US-Treasuries abzuwenden, zunehmen möge, dürften US-Treasuries in den kommenden Jahrzehnten weiterhin eine entscheidende Rolle in den Portfolios der Anleger spielen.

Die Inflation sei weltweit von den Höchstständen im Jahr 2022 zurückgegangen. Der Abwärtstrend habe sich jedoch bereits etwas abgeflacht – und das sei noch vor den potenziellen Auswirkungen zunehmender Handelskonflikte geschehen. Die nachlassende Inflation habe es den großen Zentralbanken (abgesehen von Japan) in den vergangenen zwölf Monaten ermöglicht, die Leitzinsen zu senken. Aus unserer Sicht bestehe weiterhin Spielraum für weitere Zinssenkungen von der Europäischen Zentralbank (begrenzte Inflation) und der Bank of England (leichtes Wirtschaftswachstum). Sollten sich die US-Zölle negativ auf die US-Wirtschaft auswirken, könnte es noch vor Jahresende zu Zinssenkungen kommen. Allerdings habe die Fed bereits betont, dass sie weitere Daten abwarten wolle. Der jüngste Einbruch beim Ölpreis könnte ein Vorbote wirtschaftlicher Schwäche sein (und nicht nur ein Resultat der steigenden OPEC-Produktion). Die Fed könnte jedoch ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, sollte sie die Zinssätze bei einer über ihrem Ziel liegenden Inflation senken. Sie werde daher die Inflationserwartungen genau im Blick behalten. Entscheidend werde sein, wie sich die Arbeitsmärkte in den kommenden Monaten entwickeln.

Ein Teil der zuvor beschriebenen Versteilung der Zinsstrukturkurve sei auf Zinssenkungen zurückzuführen. Weitere Zinssenkungen dürften sich auf das vordere Ende der Kurve niederschlagen, wobei die Auswirkungen auf langlaufende Anleihen weniger eindeutig seien. In einem solchen Umfeld böten hochwertige Anleihen mit kürzerer Laufzeit unserer Meinung nach mehr Schutz vor Unsicherheit. Anleger sollten sich zudem globaler orientieren – dort, wo sich der Pfad für Zinssenkungen klarer abzeichne.

Credit Spreads (der Renditeaufschlag von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit) hätten sich während der Zollpanik im April ausgeweitet, seien seitdem aber wieder zurückgegangen. Die Spreads befänden sich auf einem historisch relativ niedrigen Niveau und preisten – wie die Aktienmärkte – keine Rezession ein.

Aber müssten sie das überhaupt? Die Handelsunsicherheit dürfte das Wachstum in diesem Jahr belasten, doch die meisten Volkswirte gingen weiterhin von einem Szenario verlangsamten Wachstums und nicht von einer Rezession aus. Die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen seien vor den Zollankündigungen solide gewesen, wobei viele Unternehmen aus einer Position finanzieller Stärke agierten mit robusten Gewinnen. Man könne argumentieren, dass der Zollschock vergleichbar mit der Energiekrise 2015 oder der Staatsschuldenkrise in der Eurozone 2011 sei, und dass die Spreads höher sein sollten. Doch Anleger schienen bereit, sich auf die aktuellen Renditen (die mit den damaligen vergleichbar oder sogar höher seien) einzulassen und Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen, was sich auch im starken Appetit nach Neuemissionen zeige.

Angesichts der beiderseitigen Vorteile scheine Flexibilität sinnvoll zu sein. Die Präferenz der Experten gelte Unternehmensanleihen von Emittenten, die weniger anfällig für Handelsstörungen seien und über robuste Geschäftsmodelle verfügten. Gleichzeitig seien sie im Hinblick auf die relativ hohen Renditen bereit, Preisineffizienzen in risikoreicheren Marktsegmenten zu nutzen.

Die Experten von Janus Henderson Investors plädieren schon seit geraumer Zeit dafür, dass Anleger das gesamte Spektrum von Fixed-Income-Anlagen in Betracht ziehen sollten. Verbriefte Sektoren mögen für viele unbekanntes Terrain sein, doch unserer Einschätzung nach seien sie attraktiv bewertet und verfügten über eine hohe Kreditqualität. Asset-Backed Securities (ABS) und AAA-geratete Collateralised Loan Obligations (AAA-CLOs) böten Anlegern dank ihrer variablen Zinsstruktur alternative Möglichkeiten, um Zugang zu attraktiven Renditen mit geringer Duration zu erhalten. Breite Spreads, eine geringe Zinssensitivität und die amortisierende Struktur von AAA-CLOs hätten dazu beigetragen, dass sich dieses Fixed-Income-Segment während der jüngsten zollbedingten Volatilität als widerstandsfähig erwiesen habe.

Agency Mortgage-Backed Securities (MBS) blieben attraktiv: Sie seien im Vergleich zu Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating relativ günstig, hätten sich in der Vergangenheit als Stütze erwiesen, wenn es an den Aktienmärkten zu Ausverkäufen gekommen sei, und wiesen ein ungewöhnlich geringes Vorfälligkeitsrisiko auf. Vorzeitige Tilgungen nähmen in der Regel zu, wenn die Zinsen fallen und Hausbesitzer zu günstigeren Hypotheken wechseln würden. Dies könne dazu führen, dass MBS nicht in vollem Umfang von den Gewinnen aus fallenden Zinssätzen profitieren. Derzeit bestehe jedoch kaum ein Anreiz für US-Kreditnehmer, ihre Hypotheken vorzeitig zurückzuzahlen – die aktuellen Hypothekenzinsen lägen deutlich über dem Niveau, zu dem die Kredite vor einigen Jahren abgeschlossen worden seien.

In den vergangenen Jahren hätten höhere Zinsen und die geldpolitische Straffung MBS belastet. Dies habe zu der ungewöhnlichen Situation geführt, dass die Spreads höher seien als bei US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Angesichts eines möglichen Endes der lockeren Geldpolitik und weiteren Zinssenkungen dürfte sich diese Spread-Anomalie auflösen – was das derzeitige Niveau zu einem potenziell attraktiven Einstiegszeitpunkt mache.

Anleger würden sich immer in einem sich wandelnden Finanzumfeld bewegen. Derzeit möge dieses besonders herausfordernd erscheinen, doch die Experten sähen Erträge aus dem Fixed-Income-Segment als stabilisierenden Faktor, der Diversifizierung gegenüber viel turbulenteren Aktienmärkten biete. Ein gut bestücktes Portfolio aus verschiedenen festverzinslichen Wertpapieren ermögliche Anlegern den Zugang zu unterschiedlichen Einkommensströmen und helfe ihnen, sich gegen Risiken aus einzelnen Bereichen abzusichern. Die Experten von Janus Henderson Investors sind überzeugt, dass Anleger mit einem aktiven Ansatz – der dauerhafte Trends nutzt und taktisch vorgeht, um Chancen zu ergreifen – ihre Anlageziele mit größerer Sicherheit erreichen können. (26.06.2025/alc/a/a)


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