London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen von Staatsanleihen bewegten sich in der vergangenen Woche weiter seitwärts - die Märkte ignorieren weitgehend, was in der Welt passiert, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran gehe nun schon in die zweite Woche, doch Ölpreise seien seit Beginn des Konflikts gerade mal um 10 USD gestiegen, etwa auf das Niveau von Anfang 2025.
"Anleger scheinen mit einem Regimewechsel und oder der Niederlage des Iran zu rechnen", so Dowding. Ein Regimewechsel könnte langfristig die Ölpreise senken. Eine Blockade der Straße von Hormuz hingegen erscheine weniger wahrscheinlich. Sie würde den Iran-Verbündeten China unverhältnismäßig stark treffen.
Trotzdem, Risiken würden bleiben. Würden sich die USA an einem Bombenangriff auf die unterirdische iranische Nuklearanlage in Fordow beteiligen? Würden sie sich vielleicht sogar gezwungen sehen, Truppen vor Ort einzusetzen, um israelische Übergriffe zu verteidigen? Das würde Investoren verunsichern.
Zugegeben, die USA hätten nur wenig Interesse an solch einem Engagement, allein schon, weil die MAGA-Bewegung bei diesem Punkt stark gespalten sei. Doch Krieg könne chaotisch und unvorhersehbar sein. Und nicht zuletzt: Wenn die USA sich auf den Nahen Osten konzentrieren würden, könnten Akteure in anderen Weltregionen das ausnutzen.
Die FOMC-Sitzung in dieser Woche habe kaum neue Informationen gebracht. Die US-Zinssätze würden unverändert bleiben. Die Fed gehe von etwas schwächerem Wachstum und etwas steigender Inflation aus, sobald die Auswirkungen der Zölle die US-Wirtschaft vollständig erreicht hätten.
Europäische Anleiherenditen würden in den letzten Wochen stabil bleiben. Bundesanleihen hätten sich letzten Monat zwischen 2,45-2,55% bewegt, und die Spreads der übrigen Staatsanleihen seien ebenfalls stabil geblieben.
In den letzten Wochen habe Dowding eine verstärkte Nachfrage von Anlegern nach Euro-Strategien festgestellt. Der Grund: Anleger würden ihre Portfolios weg vom US-Dollar und von US-Anlagen diversifizieren - nach Meinung von Dowding ein strukturelles Thema, das sich über mehrere Quartale hinweg fortsetzen könnte.
Die Nachfrage nach Euro-Anlagen habe auch die Spreads von Unternehmensanleihen in der Eurozone gestützt. Die Nachfrage nach Investment-Grade-Anleihen bleibe robust; es gebe ein stabiles Interesse an Neuemissionen.
"Wir nähern uns dem 9. Juli - das Fristende für die Aussetzung der Zölle", so Dowding. Bei den Handelsabkommen seien noch keine Fortschritte erzielt worden, doch Länder, die ihre Bereitschaft gezeigt hätten, ein Handelsabkommen mit den USA zu vereinbaren, würden dafür eine Fristverlängerung über den 9. Juli hinaus erwarten.
Dennoch bleibe Dowding vorsichtig, was sektorbezogene Zölle und ihre Wirkungen etwa auf die Pharmabranche angehe. Er halte es für unwahrscheinlich, dass der 9. Juli keine Volatilität in die Märkte bringen werde. Er rechne mit Vergeltungszöllen der EU gegenüber den USA. Außerdem habe er mit Interesse verfolgt, dass die EU-Zölle auf chinesische Importe verhängt habe.
Insgesamt stelle Dowding fest, dass es eine Reihe von grundlegenden Entwicklungen gebe, auf welche die Märkte früher oder später werden reagieren müssten - und das werde über den Preis passieren. Dowding mache sich Sorgen, dass die Märkte einzelne Entwicklungen bislang unterschätzen und die Risiken nicht voll eingepreist haben könnten. "Trotz aller Risiken rund um uns herum entwickeln sich risikobehaftete Anlagen weiterhin gut - zumindest vorläufig", so Dowding. (20.06.2025/alc/a/a)
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