Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
02.05.25 11:25
US-Fiskalpolitik und Handelskonflikte: Belastungsproben für die Märkte

London (www.anleihencheck.de) - Die jüngste Entwicklung an den Finanzmärkten deutet auf eine Phase relativer Ruhe hin - zumindest auf den ersten Blick, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Die US-Aktienmärkte hätten sich von ihren Verlusten Anfang April erholt und die Volatilität sei zurückgegangen. Doch ein genauerer Blick auf die politischen und wirtschaftlichen Signale aus Washington werfe ernsthafte Fragen auf. Die Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern würden den Schluss zulassen, dass die aktuelle Entspannung trügerisch sein könnte und ein erneuter Rückgang der Risikobereitschaft bevorstehe.

Insbesondere die Haltung der US-Regierung im anhaltenden Handelskonflikt mit China sorge für Unruhe. Trotz erster Anzeichen einer wirtschaftlichen Belastung - etwa dem Rückgang neuer Aufträge - würden Unternehmen bislang keine drastischen Reaktionen wie Entlassungen oder Preissteigerungen zeigen. Die Regierung werte dies als Beweis für die Belastbarkeit der Wirtschaft und sehe im Abbau von Lagerbeständen ein Mittel, um Zeit zu gewinnen, bis die Zölle sinken würden. Doch gerade diese Schein-Stabilität berge laut Einschätzung vieler Analyst das Risiko eines plötzlichen Umschwungs. Es dränge sich der Vergleich mit dem Roadrunner-Cartoon auf, in dem der Kojote noch in der Luft weiterlaufe.

Das Weiße Haus verfolge einen konfrontativen Kurs - auch gegenüber Verbündeten - in der Hoffnung, so größere Zugeständnisse in Handelsgesprächen zu erzwingen. Die Regierung glaube, jetzt sei der richtige Zeitpunkt für einen wirtschaftspolitischen "Reset": Die USA seien wirtschaftlich stark, China geschwächt, und langfristig werde dieser Kurs zu einer robusteren, unabhängigeren Wirtschaft führen - selbst wenn kurzfristig Verluste und Schmerzen in Kauf genommen werden müssten.

Gleichzeitig würden sich strukturelle Schwächen in der US-Fiskalpolitik zeigen: Das Haushaltsdefizit sei zu hoch für diese Phase des Konjunkturzyklus und ein wirtschaftlicher Abschwung könnte es weiter in Richtung zweistelliger Prozentwerte treiben. Politische Blockaden im Kongress, etwa bei der Verabschiedung des Haushalts, könnten zudem erneut zu einem Regierungsstillstand im Oktober führen.

In der Geldpolitik seien schnelle Zinssenkungen unwahrscheinlich. Obwohl Präsident Trump voraussichtlich weiter Druck auf die FED und deren Vorsitzenden Jerome Powell ausüben werde, scheine eine Neubesetzung frühestens im Herbst wahrscheinlich. Kevin Warsh gelte aktuell als Favorit - ein Befürworter einer restriktiven Inflationspolitik, der jedoch Trumps Wunsch nach niedrigeren Preisen möglicherweise gerecht werden könnte, wenn die Inflation tatsächlich stark anziehe.

Internationale Entwicklungen, wie der Wahlsieg der kanadischen Liberalen unter Mark Carney - getragen auch durch anti-Trump-Stimmungen - würden zudem zeigen, dass Trumps Außenpolitik geopolitische Auswirkungen habe, die über Handelsfragen hinausreichen würden.

Insgesamt bleibe die Lage angespannt: Die Märkte würden sich derzeit optimistisch zeigen, doch viele Risiken - von einem verschärften Handelskonflikt bis hin zu fiskalischen Verwerfungen - seien ungelöst. Die nächsten Monate dürften zeigen, ob die aktuelle Stabilität trügerisch gewesen sei. Es scheine daher sinnvoll, vorsichtiger zu agieren, Risiken abzusichern und sich auf mögliche erneute Marktturbulenzen einzustellen. (02.05.2025/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de