Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Protokoll der Dezembersitzung des geldpolitischen Komitees der indischen Notenbank zeigt deutliche Unterschiede in der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, so die Analysten der DekaBank.
Die Entscheidung für die Beibehaltung des Leitzinses bei 6,50% sei mit einer knappen Mehrheit von 4:2 gefallen. Die vier Mitglieder, die für die Beibehaltung des Leitzinses gestimmt hätten, wiesen auf die hohe Inflationsrate hin, die zum Zeitpunkt des Treffens bei 6,2% gelegen habe und damit über dem oberen Rand des Toleranzbands (2% bis 6%) gelegen habe. Sie zeigten sich zudem zuversichtlich, dass sich die Konjunktur nach dem schwachen dritten Quartal schnell erholen werde. Zudem verträten sie die Meinung, dass in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit eher eine Geldpolitik der ruhigen Hand gefordert sei. Die Abweichler wiesen darauf hin, dass die hohe Inflationsrate vor allem auf Nahrungsmittelpreise zurückzuführen sei, die vor allem von der Witterung getrieben würden und geldpolitisch kaum zu beeinflussen seien. Bei der Beurteilung der Konjunkturentwicklung setzten sie weniger auf positive Stimmungsfaktoren wie ihre Kollegen, sondern auf die Schwäche in vielen harten Daten, vor allem in der Industrie. Insgesamt erschienen die Argumente der Befürworter einer Senkung überzeugender, und das Protokoll bestärke uns in der Annahme, dass sich die Meinung in dem Gremium beim nächsten Zinsentscheid am 7. Februar zu einer Zinssenkung verschieben werde.
In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität. Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität. Angesichts fundamentaler Schwächen erschienen mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft zu werden. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen stuften Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs ein. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2025 bei über 7% des BIP liegen. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum und die geringe Auslandsverschuldung. (Ausgabe vom 13.01.2025) (14.01.2025/alc/a/a)
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