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11.12.24 12:15
EZB-Sitzung: "EZB hätte europäische Wirtschaftsschwäche bereits früher stärker berücksichtigen müssen!"

New York (www.anleihencheck.de) - Die EZB wird ihre Leitzinsen am Donnerstag höchstwahrscheinlich um weitere 25 Basispunkte senken, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman.

Gestützt werde diese Entscheidung von den eigenen Wirtschaftsprognosen, die seit mehreren Quartalen einen zu langsamen Rückgang der Inflationsrate und parallel dazu auf eine Erholung der Wirtschaft hindeuten würden. Da das Mandat der EZB klar der Kampf gegen die Inflation und nicht die Reduzierung des Rezessionsrisikos sei, sähen die Währungshüter bisher keine Dringlichkeit, um ihre Zinssenkungen zu beschleunigen. Insbesondere vor dem Hintergrund hoher Unsicherheiten wie einem Handelszollkrieg von Trump, der im nächsten Jahr anstehen könnte, werde die EZB ihren Kurs fortsetzen und ihre restriktive Geldpolitik nur schrittweise und vorsichtig aufheben.

Nach Meinung von Barbe hätte die EZB die Schwäche des Industriemodells in Europa bereits früher stärker berücksichtigen müssen und einen schnelleren Kurs hin zu einem neutralen Zinssatz einschlagen müssen. Die Wirtschaft werde voraussichtlich noch über einen längeren Zeitraum schwach bleiben und sich einer Rezession nähern, was sicherlich zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und geringeren Lohnerhöhungen führen werde. Die Aktualisierung der Wirtschaftsprognosen der EZB dürfte neue Erkenntnisse liefern. Wenn die EZB darüber hinaus den mittlerweile berühmten Satz "Die Zinssätze werden so lange wie nötig ausreichend restriktiv gehalten" aus ihrer Erklärung streiche, sei dies ein starkes Indiz dafür, dass die EZB einen neuen Weg einschlage und ihre Leitzinsen schnell auf neutrales Niveau senken könnte.

Die politischen Unsicherheiten in Frankreich dürften hingegen nur einen geringen Einfluss auf die Entscheidung der Währungshüter haben. Zwar seien die Spreads der französischen Staatsanleihen gegenüber den deutschen Bundesanleihen kurz vor dem Sturz der Regierung Barnier auf 88 Basispunkte angestiegen. Zum Vergleich: Ende Oktober seien es noch 74 Basispunkte gewesen. Seit Macron Forderungen nach seinem Rücktritt zurückgewiesen habe, eine Erneuerung des Haushalts von 2024 angekündigt habe, sowie verkündet habe, dass er zeitnah einen neuen Premierminister ernennen werde, seien die Spreads wieder auf ihr ursprüngliches Niveau zurückgegangen. Zudem hätten die Sozialisten die Tür für Verhandlungen über einen Beitritt zur derzeitigen Regierungskoalition geöffnet. Eine solche erweiterte Koalition würde über eine absolute Mehrheit verfügen. Dies schaffe Stabilität und werde vom Markt positiv aufgefasst.

Für die EZB-Sitzung diese Woche bedeute das, dass die Währungshüter die politischen Unsicherheiten in Frankreich diesmal kaum berücksichtigen dürften. Klar sei jedoch auch, dass es dieser breiten Koalition schwerfallen werde, sich auf wichtige Reformen zu einigen, und die öffentlichen Ausgaben zu senken. Dies dürfte zu einem Rückgang des Vertrauens der Unternehmen in die Politik führen und die Wirtschaftsaktivitäten reduzieren. Dies erkläre auch die Underperformance am französischen Aktienmarkt sowie die Kreditspreads französischer Banken. (11.12.2024/alc/a/a)


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