Zürich (www.anleihencheck.de) - Nach den US-Präsidentschaftswahlen hat sich, insbesondere mit Blick auf 2025, bei den Konjunktur- und Markterwartungen ein außerordentlich hoher Konsens gebildet, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.
Basierend auf den bisher bekannten Ankündigungen Trumps würden für die USA ein solides Wirtschaftswachstum und deshalb auch starke Aktienmärkte, ein fester US-Dollar, ein höheres Staatsdefizit und entsprechend höhere langfristige Zinsen erwartet. Hohe Konsenserwartungen seien allerdings an den Finanzmärkten meist bereits eingepreist. Nur wenige vom Konsens abweichende neue Entwicklungen würden ausreichen, um die Kurse von den erwarteten Trends abzulenken.
Da die globale Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte trotz Drosselung im Moment noch mehr als ausreichend sei, würden die Experten zu Beginn des Jahres 2025 mit monetärem Rückenwind für die Aktien- und Kreditmärkte rechnen. Allerdings begünstige dieses Umfeld auch einen Wiederanstieg der Inflationsraten und generiere damit Aufwärtsdruck bei den langfristigen Staatsanleihenzinsen. Dieser Druck könnte durch weitere Leitzinssenkungen der Notenbanken sowie durch die steigende Staatsverschuldung in vielen Industrieländern verstärkt werden. Zudem dürfte die sinkende Liquiditätszufuhr mit der üblichen Verzögerung von drei bis sechs Monaten auf die börsenrelevanten Geldmengen durchschlagen. Somit würde sich der monetäre Rückenwind für die Märkte insgesamt in einen Gegenwind drehen.
Sobald eines oder mehrere dieser Signale zur Risikoreduktion gegeben seien, steige das konjunkturelle Abkühlungsrisiko, welches sowohl inflations- als auch zinsdämpfend wirken würde. Dabei sollte das Aktienrisiko deutlich reduziert und dafür die Duration erhöht werden. Sowohl Unternehmens- als auch Wandelanleihen, die ein asymmetrisches Kursverhalten aufweisen würden, schnitten in solchen Stressszenarien besser ab als Aktien. Dabei seien solide Schuldnerbonitäten essenziell. Gold, Bitcoin und der US-Dollar wiederum dürften sich dann abschwächen.
Zudem sei im Fall der steigenden Staatsanleihenzinsen in den Bereich von 5,25% mit einem Eingreifen der Zentralbanken, insbesondere der Fed, zu rechnen, um den Zinsanstieg am langen Ende zu dämpfen - mit Staatsanleihenkäufen - und gleichzeitig die Inflation mit Zinserhöhungen am kurzen Ende der Zinskurve zu bekämpfen. Eine solche gleichzeitige Kombination einer monetär expansiven Maßnahme (Staatsanleihenkäufe) und einer restriktiven Maßnahme (Erhöhung der kurzfristigen Zinsen) werde als 'Operation Twist' bezeichnet. Sie sei per Saldo geldpolitisch neutral und sei schon verschiedentlich von der Fed angewendet worden.
Ein solcher Zinsanstieg würde die US-Regierung unter Donald Trump wiederum zu Anpassungen ihres Programms zwingen. Denkbar seien hier weniger Steuersenkungen und tiefere Staatsausgaben als geplant, um das Defizit zu senken und damit den Zinsanstieg zu dämpfen. Insgesamt wäre dies kurzfristig zwar schmerzhaft für das Wirtschaftswachstum, langfristig dagegen sehr nachhaltig. Es würde auch Zinssenkungen durch die Fed erlauben und insgesamt die Konjunktur und private Investitionen fördern. Damit würde auch die hohe Abhängigkeit der US-Wirtschaft vom privaten Konsum reduziert und weitere Exzesse korrigiert.
Das letztere Szenario wäre ein weiterer Grund, weshalb die eingangs erwähnten Markterwartungen (Konsens) nicht erreicht würden und es sogar zu einer markanten Abkühlung kommen könnte, aber begleitet von fallender Inflation und tiefen Zinsen. Die Ausgangslage für einen darauf folgenden Aufschwung wäre in diesem Fall äußerst vielversprechend. Alles in allem sollten sich Anleger nach einem bis dato sowohl für Aktien- als auch Anleiheninvestoren erfolgreichen Jahr 2024 auf ein 2025 einstellen, in dem Rücken- und Gegenwind extremer wechseln könnten als dieses Jahr geschehen sei. Generell seien die Experten optimistisch, vorausgesetzt, die geopolitischen Spannungen nähmen nicht weiter zu, dass auch 2025 ansprechende Renditen möglich seien, insbesondere wenn die erwähnten möglichen Verkaufssignale rechtzeitig berücksichtigt würden. (03.12.2024/alc/a/a)
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