Zürich (www.anleihencheck.de) - Angesichts deutlich überdurchschnittlicher Aktienmarktrenditen in den vergangenen Jahren haben Wandelanleiheinvestoren oftmals enttäuscht ihre Allokationen verringert oder sich vorübergehend ganz aus dieser Anlageklasse zurückgezogen, so Ivan Nikolov, Head Convertible Bonds bei Fisch Asset Management in Zürich.
Im Zuge wachsender Anlagechancen und hoher Volatilität an den Aktienmärkten könnte es jedoch gute Gründe geben, eine baldige Trendwende zu erwarten. Es sei zwar noch früh, aber es gebe bereits Hinweise, dass einige Investoren nach neuen Einstiegszeitpunkten in diese Anlageklasse suchen würden. Das Interesse der Investoren werde vor allem durch das zunehmende Neuemissionsvolumen und die attraktiven Wachstumsprognosen von Wandelanleihenemittenten im Vergleich zum breiteren Aktienmarkt geweckt.
Historisch gesehen habe es mehrere Phasen gegeben, in denen Wandelanleihen Aktien übertroffen hätten, wie im Jahr 2020, und Phasen erheblicher Underperformance, wie in der jüngsten Vergangenheit. Diese Unterschiede seien jedoch meist nicht auf eine spezifische Bewertung oder Merkmale von Wandelanleihen (CBs) zurückzuführen, sondern auf die Art der Unternehmen, die CBs emittierten, im Vergleich zu den marktführenden Aktien der jeweiligen Periode. Die natürliche Ausrichtung der Anlageklasse auf das Wachstumssegment habe sich häufig als sehr vorteilhaft erwiesen: 2020 hätten Wandelanleihen Aktien übertroffen, da Neuemissionen vieler Unternehmen, die von den niedrigen Zinsen und den Covid-Stützungsmaßnahmen profitierten, für Rückenwind gesorgt hätten, während zyklischere Teile des globalen Aktienmarktes hinterherhinkten.
In den folgenden Jahren sei jedoch die Emissionstätigkeit von Wandelanleihen versickert, während globale Aktien, angeführt von einigen wenigen herausragenden US-Werten, stark zugelegt hätten - die meisten davon hätten keine Wandelanleihen ausstehend gehabt. Gleichzeitig hätten viele der Aktien, die 2020 von den Stimulusmaßnahmen profitiert und den Wandelanleihen Rückenwind gegeben hätten, Rückschläge verkraften müssen. Ähnliche Dynamiken seien auch während der Dotcom-Blase und der globalen Finanzkrise zu beobachten gewesen. In den vergangenen Monaten wiederum sei der Primärmarkt für Wandelanleihen im historischen Vergleich überdurchschnittlich aktiv gewesen, während die so genannten "magnificent"-Aktien Anzeichen von Schwäche gezeigt hätten.
In Verbindung mit der eingebauten Konvexität (Kursgewinne bei steigenden Aktienkursen, während Rückschläge durch die festverzinslichen Merkmale der Anleihe abgefedert würden) ermögliche die Anlageklasse den Anlegern, von zukunftsweisendem Wachstum zu profitieren und sich gleichzeitig vor den typischen starken Kursschwankungen dieser Aktien ein Stück weit abzuschirmen. Die kürzere Zinsduration von Wandelanleihen im Vergleich zu Investment-Grade- als auch High-Yield-Anleihen helfe ebenfalls, sich in einem unsicheren geldpolitischen Umfeld zu positionieren.
Auch Übernahmeaktivitäten (M&A) hätten zuletzt zugenommen. Für Wandelanleihen sei M&A nicht nur ein Katalysator für die Emissionstätigkeit, sondern auch für die Renditen: Wachstumsunternehmen, die Wandelanleihen emittieren würden, seien häufig Übernahmeziele, und viele Wandelanleihen beinhalteten wertvolle Klauseln, die bei Übernahmen beträchtliche Zusatzerträge generieren könnten, manchmal sogar höher als der Anstieg des Aktienkurses selbst.
Dazu komme, dass die Bewertungen der eingebetteten Optionen von Wandelanleihen derzeit attraktiv seien. Abflüsse von Long-Only-Asset-Managern in den vergangenen Jahren und das gestiegene Emissionsvolumen hätten zu einer Unterbewertung des Wandelanleihenmarkts geführt (in Bezug auf die implizite Volatilität), wodurch auch Arbitrage-Hedgefonds angezogen worden seien. Das aktuelle 50/50-Verhältnis zwischen Hedgefonds und Long-Only sei ideal und führe zu attraktiveren Bewertungen bei Neuemissionen, aber ohne den exzessiven Leverage im System wie vor der Finanzkrise. Das führe insgesamt zu einer höheren Stabilität des Gesamtmarkts.
Anleger sollten jedoch beachten, dass die Fähigkeit von Wandelanleihen, Verluste zu begrenzen und damit Kapital zu bewahren, wenn Aktien fallen würden, nicht bei allen Emittenten gleich ausgeprägt sei. Ein hoher Verschuldungsgrad, ein hoher Cash-Burn und/oder eine problematische Unternehmensführung (Governance) könnten das Risiko/Ertragsprofil deutlich verschlechtern - dies werde etwa bei mechanisch konstruierten Indizes oft übersehen, die sich auf Emissionsgröße und/oder Preis stützten. Für aktive Manager, die sich zutrauen würden, sich mit Überzeugung abseits dieser Benchmarks zu positionieren, ergäben sich dadurch mehr Möglichkeiten zur Alpha-Generierung.
Da Unsicherheit und Nervosität an den Aktienmärkten anhalten dürften, böten Wandelanleihen einen überzeugenden Mehrwert für Investoren, die Wachstumschancen mit einem Puffer gegen Volatilität bevorzugen würden. Einerseits sollten Neuemissionen von Unternehmen, die von langfristigen Wachstumstrends und -themen profitierten, gut für die Wertentwicklung sein. Andererseits würde ein unsicherer und volatiler Aktienmarkt auch bedeuten, dass Wandelanleihen bessere risikoadjustierte Renditen im Vergleich zu Aktien liefern sollten. (18.11.2024/alc/a/a)
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