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16.10.24 15:30
EZB-Sitzung: Deutsche Wirtschaftsschwäche rechtfertigt weitere Zinssenkungen

New York (www.anleihencheck.de) - Wir erwarten, dass die EZB ihren datenzentrierten Ansatz beibehält, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei Neuberger Berman, in seinem Marktkommentar.

Dennoch dürfte Christine Lagarde den Ausblick der Zentralbank für die Inflation aktualisieren, da bei der Sitzung im September der Ausverkauf der Energiepreise noch nicht berücksichtigt worden sei. Zwar bleibe Deutschland weiterhin ein Sorgenkind, allerdings spiegele der Anleihemarkt die Herausforderungen der deutschen Wirtschaft aktuell nicht wider. Die Leitzinsen der EZB würden das Renditeniveau der kurz- bis mittelfristigen Anleihen bestimmen und die deutschen Renditen höher drücken als ein Blick auf die Fundamentaldaten rechtfertigen würde. Tatsächlich bestehe das Mandat der Zentralbank darin, die Inflation zu bekämpfen. Darauf würden sich die Bundesbanker auch aktuell noch konzentrieren: Die Kerninflation sei zwar von ihrem Höchststand von 5,7 Prozent in 2023 mittlerweile auf 2,7 Prozent im vergangenen Monat gesunken. Damit liege sie allerdings immer noch über dem Ziel der EZB. Es sei wahrscheinlich, dass die EZB bei der Senkung ihres Leitzinses im Juli die wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland bereits berücksichtigt habe. Insofern dürften die nächsten Zinssenkungen vor dem Hintergrund einer neutralen Geldpolitik durch die ausbleibende Erholung der Industrie im wichtigsten Land der Eurozone durchaus gerechtfertigt sein.

Neutraler EZB-Leitzins unter 1,75 Prozent wahrscheinlich

Damit sei die EZB in einer Linie mit den Währungshütern weltweit: Mit Ausnahme der Bank of Japan würden mittlerweile alle großen Zentralbanken nach der Bekämpfung der galoppierenden Inflation nun wieder eine neutrale Geldpolitik anstreben. Die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Institutionen bei den Senkungen ihrer Leitzinsen vorangehen würden, hänge von der Hartnäckigkeit ab, mit der die Inflationsschocks auf die Inlandspreise wirken würden. Um dieses Risiko abschätzen zu können, würden die Zentralbanken prüfen, ob die Entwicklung der Lohnerhöhungen lediglich die vergangene Inflation ausgleiche oder ob sie diese weiter befeuern könnte. Tatsächlich hätten die Zentralbanken gerade erst mit der Normalisierung ihrer Leitzinsen begonnen - einmal um 50 Basispunkte bei der FED und zweimal um 25 Basispunkte bei der EZB. Dies bedeute, dass sie etwa den Weg bei der Rückkehr zu ihrem neutralen Zinssatz von 3 bis 3,5 Prozent für die USA beziehungswiese 2 bis 2,5 Prozent für die EZB zurückgelegt hätten. Es sei wahrscheinlich, dass die Kerninflationsrate im kommenden Jahr wieder unter 2 Prozent sinke und die Wirtschaftsaktivität auf ähnlichem Level verharre. Insofern wäre es gerechtfertigt, dass die EZB ihre Leitzinsen langfristig auf mindestens 1,75 Prozent senke. Dies würde die Lage auf den Anleihemärkten entspannen und die Renditen bei deutschen Anleihen bei zweijähriger Laufzeit auf 1,8 Prozent und bei zehnjähriger Laufzeit auf 2 Prozent verschieben. (16.10.2024/alc/a/a)


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