Boston (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat den Leitzinssatz wie erwartet um 25 Basispunkte gesenkt, so Annalisa Piazza, Anleiheexpertin bei MFS Investment Management.
Auch für die Zukunft seien keine großen Überraschungen zu erwarten. Die Notenbank sei nicht bereit zu signalisieren, dass die Zeit für eine beschleunigte Normalisierung der Politik gekommen sei. Innerhalb des EZB-Rates seien die Spannungen wahrscheinlich weiterhin sehr groß. Wer als Falke eine straffe Geldpolitik befürworte, sorge sich, dass die hohen Löhne der Vergangenheit auf die Inflationserwartungen durchschlagen könnten. Somit werde die Datenabhängigkeit der Zentralbankentscheidung erneut betont.
Christine Lagarde habe eindeutig keine veränderte Denkweise der EZB vermitteln wollen. Die Sichtweise des Rats sei insgesamt wahrscheinlich immer noch von einer gewissen Vorsicht geprägt, da die Anzeichen für einige Inflationskomponenten noch nicht ganz zufriedenstellend seien. Die Experten würden davon ausgehen, dass es noch einige Monate dauern werde, bis sich die zaghaften Anzeichen einer Abschwächung bei den meisten Inflationsvariablen als Trend bestätigen würden. Daher würden sie nicht vor Anfang 2025 mit einer Änderung des Zinssenkungstempos rechnen.
Anhand der Zinsstrukturkurve sei bereits sichtbar, dass am Markt Zinssenkungen von weniger als 150 Basispunkten innerhalb der nächsten zwölf Monate erwartet würden. Nichtsdestotrotz würden die Anleger sehr empfindlich auf künftige Kommentare der Mitglieder des EZB-Gremiums reagieren. Es sei nämlich durchaus möglich, dass die Ansichten über die nächsten Schritte angesichts des insgesamt schwächeren Konjunkturbildes weit auseinandergehen würden. (13.09.2024/alc/a/a)
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