Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
13.09.24 10:38
EZB: Keine weitere Zinssenkung vor Dezember zu erwarten

Boston (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat den Leitzinssatz wie erwartet um 25 Basispunkte gesenkt, so Annalisa Piazza, Anleiheexpertin bei MFS Investment Management.

Auch für die Zukunft seien keine großen Überraschungen zu erwarten. Die Notenbank sei nicht bereit zu signalisieren, dass die Zeit für eine beschleunigte Normalisierung der Politik gekommen sei. Innerhalb des EZB-Rates seien die Spannungen wahrscheinlich weiterhin sehr groß. Wer als Falke eine straffe Geldpolitik befürworte, sorge sich, dass die hohen Löhne der Vergangenheit auf die Inflationserwartungen durchschlagen könnten. Somit werde die Datenabhängigkeit der Zentralbankentscheidung erneut betont.

Die EZB habe bekräftigt, dass die Inflation im vierten Quartal "mechanisch" steigen werde, ebenso wie die ausgehandelten Löhne. Eine Zinssenkung im Dezember sei immer noch möglich, auch wenn sich einige der Variablen optisch in die "falsche" Richtung bewegen würden. In der Tat würden die Experten erst im Dezember mit der nächsten Zinssenkung rechnen. Die Messlatte für eine Senkung im Oktober liege derzeit hoch, da es nicht genügend Daten gebe, die eine erneute Senkung rechtfertigen würden.

Christine Lagarde habe eindeutig keine veränderte Denkweise der EZB vermitteln wollen. Die Sichtweise des Rats sei insgesamt wahrscheinlich immer noch von einer gewissen Vorsicht geprägt, da die Anzeichen für einige Inflationskomponenten noch nicht ganz zufriedenstellend seien. Die Experten würden davon ausgehen, dass es noch einige Monate dauern werde, bis sich die zaghaften Anzeichen einer Abschwächung bei den meisten Inflationsvariablen als Trend bestätigen würden. Daher würden sie nicht vor Anfang 2025 mit einer Änderung des Zinssenkungstempos rechnen.

Anhand der Zinsstrukturkurve sei bereits sichtbar, dass am Markt Zinssenkungen von weniger als 150 Basispunkten innerhalb der nächsten zwölf Monate erwartet würden. Nichtsdestotrotz würden die Anleger sehr empfindlich auf künftige Kommentare der Mitglieder des EZB-Gremiums reagieren. Es sei nämlich durchaus möglich, dass die Ansichten über die nächsten Schritte angesichts des insgesamt schwächeren Konjunkturbildes weit auseinandergehen würden. (13.09.2024/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de