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03.09.24 10:18
Hohe Liquidität stützt Aktien- und Kreditmärkte

Zürich (www.anleihencheck.de) - Aufgrund abnehmender Liquiditätsflüsse in die Finanzmärkte nähern sich die globalen Aktienmärkte mit zunehmender Wahrscheinlichkeit einer Trendwende, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Diese Einschätzung werde zusätzlich durch das Verhalten langfristiger Marktzyklen bestätigt: So seien in Hochphasen eine starke Performance der Sektoren Investitionsgüter und Versorgungsunternehmen sowie steigende Edelmetallpreise, speziell von Gold, typisch. Zudem seien die Bewertungen, insbesondere in den USA, außerordentlich hoch. Der aussagekräftige 'Buffet-Indikator' - der Wert des Aktienmarkts im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt - sei nahe an einem historischen Höchst. Warren Buffet selbst bestätige dies indirekt, man denke an die rekordhohe Bargeldquote in seinem Fonds und die Halbierung seiner Position in Apple-Aktien. Eine hohe Sorglosigkeit vieler Investoren würden die typischen Merkmale eines möglichen Markthochs abrunden.

Allerdings stecke trotz abnehmenden neuen Liquiditätsflüssen absolut noch sehr viel Liquidität, geschöpft während der Pandemie bis April 2023, im System. Diese enormen Summen dürften noch einige Zeit für Unterstützung sowohl der Aktien- und Kreditmärkte als auch der Konjunktur sorgen. Zudem habe die US-Notenbank FED soeben ihren Bilanzabbau gestoppt und die Bilanz sogar vorübergehend leicht erhöht. Dies dürfte eine kurzzeitige Maßnahme gewesen sein ('Notfallliquidität'), um die hohe Marktvolatilität in der ersten Augusthälfte zu dämpfen. Deshalb sei an den Finanzmärkten im Moment noch keine Trendwende sichtbar, trotz hoher Volatilität.

Dennoch sei eine gewisse Vorsicht angebracht. Unabhängig von der vorübergehenden FED-Notfallliquidität werde das Quantitative Tightening in absehbarer Zeit weitergehen. Zudem bleibe die EZB auf Kurs und reduziere ihre Bilanz sogar noch stärker als die FED (EUR 2400 Milliarden vs. FED mit USD 1800 Milliarden seit dem Höchst im März 2023). Eine abkühlende Konjunktur und abnehmende Liquidität würden deflationär und damit zinsdämpfend wirken. Dementsprechend erscheine den Experten das Umfeld für Staatsanleihen weiterhin günstig. Daher sei es möglich, bei der momentanen Asset Allokation die Duration neutral bis leicht höher zu wählen. Allerdings könne die enorme Zunahme der US-Staatsverschuldung den Rückgang der langfristen US-Zinsen behindern oder sogar umkehren - insbesondere auch im Fall eines schwächeren US-Dollars.

Beim Aktienexposure seien die Experten kurzfristig neutral bis leicht positiv positioniert aufgrund der immer noch hohen Liquidität. Mittelfristig bestünden zunehmende Warnsignale aufgrund eingangs erwähnter zu erwartender Entwicklungen. Bei Investment-Grade-Anleihen würden die Experten neutral bis leicht defensiv positioniert bleiben. Die Risikoprämien seien auf historisch tiefen Levels, jedoch sei das Momentum weiterhin positiv und die Nachfrage hoch. Bei High-Yield-Anleihen würden gestiegene Quartalsgewinne der Schuldner, sowohl in den USA als auch Europa, ein positiver Ratingtrend sowie steigende Zuflüsse die makroökonomischen Risiken am Horizont derzeit noch ausgleichen. Daraus resultiere eine neutrale Positionierung. Generell würden sich die Experten bei Unternehmensanleihen, auch bei High-Yield-Bonds, auf Schuldner mit solider Bonität fokussieren. (03.09.2024/alc/a/a)


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